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Deutsche Unternehmen sind bereit für SEPA

Die Single European Payments Area trat zum Februar in Kraft. Für Unternehmen mit Zeitverzug gibt es aber noch eine letzte Frist, erklärt Interviewpartner Jürgen Harengel

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Mitte Januar gab es die Schlagzeile: „EU-Kommission verschiebt die Einführung von SEPA“. Was war dran?
Diese Schlagzeile war übertrieben. Das SEPA-Migration-Enddatum ist mitnichten verschoben worden. Die EU-Verordnung 260/2012 ist wie geplant Anfang Februar live gegangen. Die EU-Kommission hat lediglich den Banken die Möglichkeit gegeben, elektronisch eingereichte Zahlungen bis zum 1. August 2014 weiter im alten Zahlungsverfahren unterstützen zu dürfen. Das war nach der alten Regelung rechtlich nicht erlaubt. Jetzt bieten wir den Service bis zum neuen Stichtag an.

Von der EZB und der Bundesbank gab es Kritik an der Entscheidung. Wäre das Hintertürchen notwendig gewesen?
Die Kommission hat Führungsstärke bewiesen und sich für die sichere Variante entschieden. Denn gegen Ende vergangenen Jahres hatten in der Tat viele europäische Unternehmen noch nicht umgestellt. Später jedoch hat sich gezeigt: In Europa und vor allem in Deutschland haben viele Unternehmen den Big Bang für den Stichtag 1. Februar geplant. Umfragen und die Zahlen zur SEPA-Nutzung haben gezeigt, dass in Deutschland Ende Januar zwischen 80 und 90 Prozent der Unternehmen pünktlich SEPA-fähig waren.

Wie sah die Bilanz bei den Kunden der Deutschen Bank aus?
Noch deutlich besser: Bei den Unternehmenskunden der Deutschen Bank waren annähernd 95 Prozent bereit. Denn wir haben das Thema SEPA unseren 900 000 Geschäfts- und Firmenkunden sehr frühzeitig nahegebracht – auf allen Kanälen, mit Mailings, Broschüren, Meetings und sogar bei Facebook. Alle Mitarbeiter waren auf das Thema vorbereitet, zusätzlich haben über 1000 geschulte Multiplikatoren unzählige Beratungen und Unternehmensbesuche absolviert. Wir freuen uns, dass wir uns gerade im Mittelstand als Partner mit SEPA-Lösungskompetenz profilieren konnten.

Können die SEPA-Starter jetzt komplett in der neuen Umgebung arbeiten?
Selbstverständlich. Bei Abbuchungsaufträgen müssen sie es sogar, weil dafür die Verschiebung nicht gilt. Wer sein SEPA-Projekt abgeschlossen hat, kann jetzt in Ruhe im Tagesgeschäft an den Feinheiten arbeiten und neue Dienstleistungsangebote prüfen. Natürlich wird es noch etwas dauern, bis SEPA so rund läuft wie die alte Zahlungswelt, die immerhin über 40 Jahre kontinuierlich entwickelt wurde.

Was passiert mit Unternehmen, denen selbst die Nachspielzeit bis zum 1.8. nicht ausreicht?
Ich bin mir sicher, dass es nur sehr wenige Nachzügler oder hartnäckige SEPA-Verweigerer geben wird. Bis jetzt können diese Unternehmen ihre SEPA-Projekte mit etwas mehr Ruhe bis Ende März oder spätestens Ende April abschließen. Ein zügiger Abschluss ist für jeden kaufmännisch denkenden Chef sinnvoll: Solch ein Projekt verursacht schließlich Kosten, die man nicht unnötig lange tragen möchte.

Wie beurteilen Sie insgesamt das Projekt SEPA?
Die SEPA-Einführung war eines der größten europäischen IT-Projekte überhaupt – vergleichbar mit dem Millenniumswechsel oder der Einführung des Euro. Angesichts der Größe der Aufgabe ist die SEPA-Einführung erfreulicherweise glatt gelaufen. Der Zahlungsverkehr ist nicht zusammengebrochen, das Clearing hat immer funktioniert – selbst bei einem enormen Volumen von 16,5 Millionen Transaktionen, wie ihn allein die Deutsche Bank am 29. Januar bewältigt hat. Deshalb ist die Bilanz für dieses große europäische Projekt eindeutig positiv.


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