Ohne ausreichendes Eigenkapital bekommen Unternehmen nur schwer Kredite. Eine Mezzanine-Finanzierung aus dem Mittelstandsfonds kann helfen

Illustration: Enis Askoy / iStockPhoto

Schubkraft für Macher

Kredite gibt es in Niedrigzins-Zeiten für Unternehmen zu günstigen Konditionen. Die Voraussetzung aber ist: ausreichend Eigenkapital. Mit Mezzanine-Finanzierungen über den Mittelstandsfonds kann die Eigenkapitalquote für Gesellschafterwechsel und Wachstumsfinanzierungen gesteigert werden

Text: Heinz-Peter Arndt

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„Wachstum ist wichtig, aber es kostet Kraft und Eigenkapital“: Das weiß ­Andreas Jahn, Ko-Geschäftsführer der Jahn GmbH Umform- und Zerspanungstechnik im thüringischen Tambach-Dietharz, aus langjähriger Erfahrung. Binnen knapp 20 Jahren war die Mitarbeiterzahl des Unternehmens, das sein Vater Dieter 1993 aus dem ehemaligen volkseigenen Schraubenwerk ausgegründet hatte, von 24 auf rund 500 gestiegen. Kaltfließpressteile von Jahn werden im Elektro- und Maschinenbau gebraucht, vor allem aber in der Automobilindustrie. Das Unter­nehmen belieferte bereits weltweit Produktionsstätten fast aller großen Hersteller mit Komponenten für Klimaanlage, Antriebsstrang, Lenkung, Federung und Fahrwerk, als es im Jahr 2012 den Automotive-Bereich des Nürnberger Konkurrenten Burkon übernahm. Mit Maschinenpark und Kundenaufträgen von Burkon stieg der Marktanteil von rund 30 auf über 43 Prozent.

„Die Übernahme musste schnell gehen“, erinnert sich Jahn: „Der Alteigentümer wollte dringend verkaufen.“ Schnelle Entscheidungen sind im Familienbetrieb durchaus möglich, und auch der Kaufpreis war über eine kurzfristige Bankenfinanzierung machbar. Damit die Übernahme aber langfristig Früchte tragen konnte, mussten die Maschinen aus Nürnberg in neuen Gebäuden in Thüringen untergebracht, zusätzliche Spezialisten eingestellt und die Fertigungstiefe erhöht werden. Dafür war eine zweistellige Millionensumme nötig. „Eine solche Finanzierung aufzustellen ist in Thüringen gar nicht so einfach“, erklärt Jahn: „Denn es gibt keine eigenständige Landesbank. Und für ortsansässige Volksbanken oder Sparkassen ist das Volumen einer solchen Finanzierung zu groß, für die großen Geschäftsbanken eher zu niedrig.“

Mezzanine finanziert Übernahme

Die Lösung für die Jahn GmbH: Mezzanine-­Kapital. Das Unternehmen nahm Genussrechte beim M-Cap-Finance-Mittelstandsfonds auf. Die Laufzeit beträgt in der Regel sieben Jahre. Der große Vorteil: Genussrechte gelten bilanziell als wirtschaftliches Eigenkapital und werden nachrangig gegenüber Banken und anderen externen Finanzierungspartnern behandelt. Die Jahns waren mit der Lösung so zufrieden, dass sie 2014 noch einmal auf Mezzanine zurückgriffen. Da übernahmen sie den Rest von Burkon, der Spezialflaschen für die Industriegase herstellt. „Mit der Neustrukturierung der Finanzierung hat sich unsere Eigenkapitalquote annähernd verdoppelt. Das wirkt sich positiv auf andere Finanzierungen aus“, erklärt Andreas Jahn. Auch operativ hat sich der Schwenk bereits gelohnt: „Unsere technologische Kompetenz und Fertigungs­tiefe hat sich deutlich erhöht, und die Abhängigkeit von der Automobilbranche nimmt ab“, sagt Andreas Jahn: „Mit nunmehr 550 Mitarbeitern peilen wir als Umsatzziel die 50-Millionen-Euro-Marke an.“ Mezzanine-Finanzierungen sind in Deutschland gefragt – trotz extrem niedriger Zinsen für Unternehmenskredite. Denn Kredite zu Topkonditionen gibt es nur für Unternehmen, die über eine hohe Eigenkapitalquote verfügen. „Die hat sich zwar in den Jahren seit der Finanzkrise durchaus gebessert“, erklärt Frank Golland, geschäftsführender Gesellschafter von M Cap Finance.

Thesen

Bilanzierung: Mezzanine gilt bilanziell als wirtschaftliches Eigenkapital und wird nachrangig gegenüber Banken und anderen externen Finanzierungspartnern behandelt. So versorgt es Firmen nicht nur mit frischem Geld, sondern verbessert auch die Rahmenbedingungen für die Kreditversorgung.

Mittelstandsfonds: Gerade für Wachstumsunternehmen kann Mezzanine eine wichtige Finanzierungsquelle sein. Gemeinsam mit dem Spezialisten M Cap Finance bietet die ­Deutsche Bank deshalb über einen Mittel­standsfonds Zugang zu der eigenkapital­nahen Finanzierung.

Metrawatt: Investor ausgezahlt

Im Jahr 2011 konnte Hans-Peter Opitz, geschäftsführender Gesellschafter der Metrawatt International GmbH, mit einer Mezzanine-Finanzierung über den Mittelstandsfonds einen Private-Equity-Investor auszahlen. 2015 setzten M Cap und Opitz statt auf vorzeitige Rückzahlung der Mittel auf weiteres Wachstum. Für die Übernahme der britischen Seaward Holding Company Ltd benötigte Metrawatt kein neues Eigenkapital. Die Bankkredite von knapp zehn Millionen Euro gab es auch so zu Topkonditionen.

Grafik:
Eigenkapital in Prozent

Eigenkapital in Prozent

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In den vergangenen Jahren haben die Unternehmen den Eigenkapitalstock ausgeweitet, um so unabhängiger zu werden.

QUELLE: STATISTA 2016/KFW

Aber im Vergleich zu Großkonzernen ist die Eigenkapitalausstattung vor allem bei wachstumsstarken Mittelständlern noch eher mäßig. Daran sollen sinnvolle Investitionen aber nicht scheitern. Deshalb hat die Deutsche Bank im Jahr 2010 gemeinsam mit den Spezialisten von M Cap Finance den Mittelstandsfonds aufgelegt und bereits wieder verlängert. Mittelständische Unternehmen können hier zur Erhöhung ihres Eigenkapitals Genussrechtskapital oder eine Direktbeteiligung erhalten – zur Wachstumsfinanzierung, zur Refinanzierung von alten Standard-Mezzanine-­Finanzierungen oder auch zur Reorganisation und Gesellschafternachfolge.

Erfolgsprämie beeinflusst den Zins

Anders als in den Jahren vor der Finanzkrise werden Mezzanine-Finanzierungen via Mittel­standsfonds nicht in standardisierten Produkten an den Markt gebracht. Für M Cap und die Deutsche Bank werden die Beteiligungen sehr sorgfältig ausgewählt und über den gesamten Zeitraum der Mezzanine-Finanzierung begleitet. Die Unternehmen kommen aus vielen wichtigen Branchen, die den Standort Deutschland ausmachen: Technologie- und Industriegüter, Maschinen- und Anlagenbau. Die Finanzierungen sind in der Regel auf sechs bis sieben Jahre angelegt. Unternehmen ab 20 Millio­nen können zwischen zwei und 15 Millionen Euro erhalten, in Einzelfällen kann das Finanzierungsvolumen auch höher ausfallen. Die Verzinsung besteht bei Genussrechten aus mehreren Komponenten: einer festen Standardverzinsung, einer erst am Ende der Finanzierung liquiditätsbelastenden Verzinsung und einem sogenannten Equity-­Kicker. Diese Erfolgsprämie orientiert sich an der Entwicklung des Unternehmens während der Mezzanine-­Laufzeit.

17 erfolgreiche Transaktionen

Wegen des Eigenkapitalcharakters liegt die Gesamtverzinsung bei Mezzanine-Beteiligungen natürlich höher als bei Bankfinanzierungen. Aber auch hier macht sich das niedrigere Zinsniveau bemerkbar, die Mezzanine-Konditionen sind für Finanzierungsnehmer im Laufe der Jahre attraktiver geworden. Gleichzeitig profitieren die Mezzanine-Nehmer von ihrer besseren Eigenkapitalausstattung und erhalten somit noch bessere Konditionen für ihre Bankkredite. Die Bilanz des Fonds ist eindeutig: „17 Transaktionen wurden ­erfolgreich abgeschlossen. Die Unternehmen entwickeln sich wie geplant, und die Zusammen­arbeit zwischen ihnen, dem Mittelstandsfonds und den Investoren verläuft reibungslos“, sagt Frank Golland: „Wegen der hervorragenden ­Bilanz und weil sich gleichzeitig die Nachfrage nach unternehmerischen Finanzierungslösungen stabil zeigt, wurde der Fonds verlängert.“

Die Nürnberger Metrawatt International GmbH ist schon seit 2011 mit dem Mittelstandsfonds verbunden. Das Unternehmen ist als Ober­gesellschaft der Gossen-Metrawatt-Gruppe auf die Strommessung und -prüfung spezialisiert. Sie gehört mit 735 Mitarbeitern in Deutschland und der Schweiz, den USA und Großbritannien zu den Hidden Champions des deutschen Mittelstandes – den heimlichen Weltmarktführern.

Jahn: Eigenkapital fast verdoppelt

Binnen gut zwanzig Jahren wuchs die thüringische Jahn GmbH Umform- und Zerspanungstechnik von zwei Dutzend Mitarbeitern zu einem großen Mittelständler und Automobilzulieferer mit über 500 Arbeitnehmern. Der Zukauf eines Konkurrenten erforderte Kapital für die Integration und die Weiterentwicklung des Unternehmens. Die Geschäftsführer Andreas und Dieter Jahn nutzten eine Mezzanine-Finanzierung über Genussrechte und konnten so die Eigenkapitalausstattung des Unternehmens annähernd verdoppeln.

Metrawatt macht kein Massengeschäft für Haushalte, sondern konzentriert sich auf Spezial­anwendungen. In Rechenzentren von Banken wird die Netzqualität überwacht, damit der für Hochleistungscomputer lebenswichtige Strom in gleichmäßiger Qualität fließt. Für Industrieparks liefert Metrawatt ausgefeilte Stromzähler­systeme. Auch zur Messung der Ströme in Elektroautos brauchen Werkstätten die Technik aus Nürnberg. Nicht nur, wenn die Ausläufer des Dieselskandals der Elektrotechnologie in Deutschland zu größerer Blüte verhelfen, werden die Dienste von Metrawatt immer wichtiger sein: „Die moderne Gesellschaft und insbesondere die Industrie 4.0 brauchen stabilen Strom und Datenfluss“, erklärt Hans-Peter Opitz, geschäftsführender Gesellschafter der Metrawatt International GmbH. Metrawatt hat eine wechselvolle Geschichte. Nach Turbulenzen um die Jahrtausendwende wurde 2005 die Eigentümerstruktur neu geordnet. Der Private-Equity-­Investor Capiton übernahm 70 Prozent, Hans-Peter Opitz 30 Prozent. Nach dem Ausstieg von Capiton kaufte Opitz 2011 mit einem Finanzierungsvolumen von knapp 57 Millionen Euro das gesamte Unternehmen, unterstützt vom Mittelstandsfonds. Das Geschäft lohnte sich für beide Seiten – Ende 2014 waren die Fremdkredite für die Übernahme weitgehend abbezahlt. Metrawatt stand bei einer Eigenkapitalquote von rund 50 Prozent auf sehr sicheren Füßen.

Kein Grund, die erfolgreiche Zusammenarbeit vorzeitig zu beenden. Gemeinsam entschlossen sich die Partner, auf weiteres Wachstum zu setzen. Marktkenner Opitz stieß auf einen interessanten britischen Konkurrenten – die Seaward Holding Company Ltd. Seaward war mit staatlicher Förderung in den 1980er-Jahren im zunehmend strukturschwachen nordenglischen Bergbaugebiet gegründet worden. Das Unternehmen erzielte zuletzt mit 165 Mitarbeitern einen Umsatz von 16 Millionen Pfund. Nach längeren Verhandlungen übernahm Metrawatt Seaward rückwirkend zum April 2015. Neues Eigenkapital war dafür nicht vonnöten. Die Bankkredite von knapp zehn Millionen Euro bekam Metrawatt zu Topkonditionen.

„Seaward ergänzt unsere Portfolio hervorragend“, erklärt Opitz. Die Produkte von Seaward sind im Durchschnitt preiswerter als die Maß­arbeit der Metrawatt-Gruppe. Zudem ist Seaward nicht nur als Marktführer bei sicherheitstechnischen Geräteprüfungen im Heimatmarkt Großbritannien und in Irland, sondern im gesamten Commonwealth stark vertreten. Und schließlich wird die Metrawatt-Gruppe durch den Kauf und die Abrechnungen in britischen Pfund unabhängiger vom Euro und von den Schwankungen an den Devisenmärkten. Schon im Jahr 2016 dürfte der Umsatz der konsolidierten Gesellschaft bei 120 bis 125 Millionen Euro liegen. Die Mezzanine-Finanzierung über den Mittelstandsfonds läuft noch einige Jahre. „Bis dahin“, da ist Opitz sicher, „werden alle Beteiligten am Unternehmen noch viel Freude haben.“

 

Weitere Informationen
Frank Golland, Senior Partner M Cap Finance, E-Mail frank.golland@mcap-finance.de, Website des Mittelstandsfonds: www.mcap-finance.de

Beteiligungen werden sorgfältig ausgesucht

 

 


Eigenkapital für den Mittelstand

Der „Mittelstandsfonds für Deutschland“ der Deutschen Bank und M Cap Finance stärkt die Finanzierung
Die Deutsche Bank stellte den „Mittelstandsfonds für Deutschland“ bereits 2010 erstmals vor. Mittelständische Unter­nehmen erhalten aus dem Fonds Eigen­kapital in Form von Genussrechten zu attraktiven Konditionen und Minderheitsbeteiligungen. Damit leistet der Fonds einen wichtigen Beitrag, die Eigenkapitalbasis des Mittel­stands in Deutschland zu stärken. Wegen des regen Interesses von Unternehmen wurde der Mittelstandsfonds bereits verlängert. Gemanagt wird der Fonds vom externen Fondsdienstleiter M Cap Finance. Bisher wurden 17 Transaktionen erfolgreich durchgeführt. Finanziert werden Unternehmen aus nahezu allen wich­tigen Branchen in Deutschland.

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