Nur Bares ist Wahres? Lediglich ein kleiner Teil wird fürs tägliche Bezahlen verwendet, rund ein Viertel befindet sich außerhalb Europas

Foto: MARIAN WEYO/SHUTTERSTOCK

Bargeld und Verbrechen

Eine aktuelle Studie von Deutsche Bank Research untersucht die Rolle des Bargelds in der europäischen Wirtschaft und plädiert gegen eine von oben verordnete Abschaffung

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Es ist schmutzig, lässt sich kaum nachverfolgen, leicht verstecken und schwer mit Negativzinsen belasten – aber sollte man das Bargeld deshalb abschaffen? Mit dieser Frage setzt sich eine neue Untersuchung von Deutsche Bank Research auseinander. Die Autorin, Analystin Heike Mai, hat nachgeforscht, welche Rolle das Bargeld für Geldpolitik, Verbrechensbekämpfung und Wirtschaft spielt. Das Ergebnis ist ein Plädoyer gegen die von oben verordnete Abschaffung: Zahlen und Daten legen nahe, dass es auch in einer Welt rein digitaler Zahlungen weiterhin Verbrechen und Schwarzarbeit geben wird. Dar­über hinaus, so die Autorin, gibt es weitere Argumente für Scheine und Münzen: „Bargeld gewährleistet Datenschutz und kann Bürgerrechte im Falle eines möglichen Machtmissbrauchs der Regierung stärken. Man kann daher in der Abschaffung von Bargeld auch den Versuch sehen, die Bürger mehr zu kontrollieren. Dies würde das Vertrauen in staatliche Stellen untergraben.“

Die Studie
Deutsche Bank Research: „Bargeld, Freiheit und Verbrechen. Bargeld in der digitalen Welt“, kostenlos downloadbar unter www.dbresearch.de

  • Bargeldnutzung und Schattenwirtschaft

    Nicht immer deutet ein hoher Anteil von Barzahlungen auf viel Schwarzarbeit hin: Deutschland und Österreich sind bargeldintensive Länder mit relativ kleinem Schattensektor. Die Größe der Schattenwirtschaft wird eher von anderen Faktoren bestimmt. Dazu gehören die Besteuerung, die Qualität öffent­­licher Institutionen, die Steuermoral und die Höhe des Pro-Kopf-Einkommens.

     

  • Bargeldnutzung und Korruption

    Häufige Bargeldnutzung ist nicht identisch mit starker Korruption im öffentlichen Sektor. Zwar scheint in vielen Ländern die einfache Gleichung „Wo viel Bargeld, da viel Korruption“ zuzutreffen. In Ländern wie Deutschland und Österreich geht aber ein geringes wahrgenommenes Korruptionsniveau mit einem hohen Barzahlungsanteil einher.

     

  • Ist Bargeld sicherer?

    Das Beispiel Schweden zeigt: Mit abnehmender Bargeldmenge steigt der Kartenbetrug. Im Rest Europas ist Karten­betrug verbreiteter als Geldfälschung – dennoch sind beide Zahlungsmethoden sehr sicher. 

     

  • Finanziert Bargeld den Terror?

    Eine Analyse von 40 Anschlägen in Europa mit dschihadistischem Hintergrund zeigt, dass der größte Teil der Kosten von den Tätern selbst bezahlt wurde – in 75 Prozent der Anschläge weniger als 10 000 US-Dollar. Solche Beträge erregen kaum Verdacht, selbst wenn sie mit Karte gezahlt werden.

     

  • Bargeld ist beliebt …

    2016 waren dreimal so viele Euroscheine und -münzen im Umlauf wie 2003. Besonders der 50-EuroSchein wird immer mehr nachgefragt – weil er für Zahlungen und zum Horten gleichermaßen geeignet ist, glaubt Deutsche Bank Research.

     

  • … aber auch die Karte

    Im Einzelhandel wird das Bargeld zunehmend abgelöst. Dabei zeigt sich: Verbraucher achten normalerweise weniger auf Sicherheit oder Kosten als auf die Nutzerfreundlichkeit.

     

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