Digitale Helden – Wie bringt man Kindern den richtigen Umgang mit dem Internet bei? Am besten per Video mit einem praktischen Beispiel und einem anschließenden Mentoringprogramm. Die „Digitalen Helden“ bilden Schüler und Schülerinnen der achten und neunten Klasse zu Mentoren für ihre Mitschüler aus.

Still: aus dem Video von H. WINTERBERG

Gutes gründen

Mit der Initiative Made for Good unterstützt die Deutsche Bank Unternehmensgründer, die gesellschaftlich wichtige Ziele verfolgen

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Zwei Räume in einem Hinterhof im Frankfurter Nordend. 38 Quadratmeter, zwei Schreibtische, zwei Sofas und im kleinen Flur die „Hall of Fame“ – wie Jörg Schüler, Geschäftsführer Finanzen und Technologie der ­Digitale Helden gGmbH, die Galerie nennt. Gerahmt und hinter Glas hängen dort all die Auszeichnungen, die das Unternehmen seit Gründung 2014 erhalten hat: der Frankfurter Bürgerpreis, das Güte­siegel „Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen“, das die Deutsche Bank ermöglicht, der Klicksafe-Preis der gleichnamigen EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz. Und auch die Auszeichnung bei der Google Impact Challenge, die ein Fördergeld von 250 000 Euro eingebracht hat. Preise für das Wagnis, eine gute Sache geschäftsfähig zu machen und ein Sozialunternehmen zu gründen.

Der Erfolg von Sozialunternehmen wird nicht primär an finanziellen Profiten, sondern vor allem auf Basis des gesellschaftlichen Nutzens bemessen, den sie stiften. Die Digitalen Helden etwa wollen Kinder und Jugendliche zum Thema Internetsicherheit schulen. Dafür haben sie Onlineseminare und ein Mentorenprogramm entwickelt – sie bilden Schüler der achten und neunten Klassen aus, die ihr Wissen dann an ihre jüngeren Mitschüler weitergeben. „Eltern und auch die Lehrer sind mit diesen Themen überfordert – die Schüler, die mit dem Internet aufgewachsen sind, sind stets einen Schritt voraus“, weiß Informatiker Jörg Schüler aus eigener Erfahrung. Ob Mobbing in den sozialen Medien, Eigentumsrechte oder Abwehr von Spy-Software und Viren: Der Aufklärungsbedarf bei den jungen Internet-Usern ist hoch. Also haben die drei Gründer Gregory Grund, Florian Borns und er ihre Jobs gekündigt und die Digitalen Helden gegründet – ein Sozialunternehmen, in das sie nicht nur viel Herzblut und Ressourcen, sondern auch ein kleines Vermögen gesteckt haben.

Es fehlt oft an Finanzwissen

Mit dem Konzept liefen sie bei Juroren, Schulen und Medienanstalten offene Türen ein. Doch Anerkennung, Preise und Bedarf sind das eine. Der Weg in die unternehmerische Erfolgsspur das andere. Rund 80 Prozent aller Startups scheitern innerhalb der ersten 18 Monate, Sozialunternehmen sind vom schnellen Aus besonders häufig betroffen, weil es an betriebswirtschaftlichen Kenntnissen und Risiko­kapitalgebern fehlt. Hier kann die ­Deutsche Bank mit ihrem Know-how wichtige Hilfestellungen geben.

Im vergangenen Jahr hat die Deutsche Bank alle Startup-Initiativen unter dem Dach von Made for Good gebündelt. Davon profitierten über 9800 Start­ups und fast 150 000 Menschen. Unterstützt werden Gründer in der Kreativbranche, Kleinst­unter­nehmen, gemeinnützige Organisa­tionen und soziale Startups, die sich den gesellschaftlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts stellen. Die wichtigste Ressource in allen Programmen ist das Know-how der Mitarbeiter der Deutschen Bank. Denn sie beraten ehrenamtlich in puncto Unternehmensstrategie und Finanzierungsquellen. Sie bringen ihr Wissen ein und greifen auf ihre eigenen Netzwerke zurück, um Unternehmer an die richtigen Kontakte zu vermitteln. Jeder fünfte Mitarbeiter der Deutschen Bank engagiert sich als Volunteer. Nicole Gieseler gehört zu ihnen. Soziales Engagement ist für sie selbstverständlich, den Blick über den Tellerrand möchte sie nicht missen. „Gesellschaft hat so viele Facetten, die man sonst gar nicht so mitbekommt, wenn man stark in den Job eingebunden ist“, sagt die IT-Compliance-Managerin, die sich bereits seit Jahren in Zusammenarbeit mit den Kollegen vom Bereich Corporate Social Responsibility bei einzelnen Projekten wie Social Days eingebracht hat.

Startups – Made for Good

Rund um die Welt will eine neue Generation von Gründern Geschäfts­ideen mit ­gesellschaftlichem Nutzen umsetzen. Made for Good, das globale Förder­programm der Deutschen Bank und ihrer Stiftungen für Startups, fördert solche Initiativen und bietet ihnen Beratung sowie Zugang zu Netzwerken und Finanzierungsquellen. Der Erfolg in Zahlen:

  • 71 Projekte in 33 Ländern
  • Über 9800 erreichte Startups/fast 150000 Begünstigte in 2016
  • 16700 Stunden ehrenamtliche Beratung von bankmitarbeitern
  • Dezember 2016: European Excellence Award für Made for Good
  • FOTO: L. KILIAN
    Die Initiative "Start with a Friend" bringt geflüchtete Menschen und Einheimische zusammen und geht einen Schritt weiter: von der Willkommens- zur Ankommenskultur. Das Programm läuft inzwischen in zehn deutschen Städten
  • FOTO: SEBASTIAN HÄNEL
    Die Social Impact Labs sind eine Plattform für Social Entrepreneurs, Freelancer und Unternehmen rund um das Thema Social Entrepreneur­­ship. Norbert Kunz und sein Team stellen in sieben deutschen Städten Räume für Arbeit, Vernetzung und Austausch zur Verfügung
  • Foto: Deutsche Bank AG
    Die häufigen Stromausfälle in ihrem Dorf brachten die Inderin Mageshwari dazu, selbst Solarlampen zu bauen. Ein Darlehen gab ihr die Möglichkeit, ein Unternehmen dafür zu gründen. Jetzt ist sogar die Schule an eine unterbrechungsfreie Solarstromversorgung angeschlossen. Nur so war es möglich, in den Klassenräumen Computer einzurichten

Der Bank­mitarbeiter wird zum Startup-Mentor

Die Digitalen Helden hat sie dann 2015 beim ­sogenannten Speeddating im Frankfurter ­Social Impact Lab kennengelernt. „Inhaltlich und menschlich passte es von Anfang an perfekt“, sagt sie. Das war vor zwei Jahren. Seitdem steht Gieseler den „Helden“ als Mentorin mit Rat und Tat zur Seite – gemeinsam feilen sie am Businessplan, erstellen Kalkulationen, definieren Prozesse und analysieren Risiken. „Ist die Gründungsidee noch so gut: Am Ende muss auch jeder Sozial­unternehmer Geld verdienen, um seine Rechnungen bezahlen zu können“, sagt die IT-Fachfrau. „Für die Startups ist der Austausch mit den Volunteers der Deutschen Bank extrem wichtig. Schließlich wissen die Bankmit­arbeiter, was sie von Existenz­gründern erwarten“, weiß auch Norbert Kunz, Gründer und Geschäftsführer der Social Impact gGmbH. Seine Agentur entwickelt Infrastruktur zur Förderung sozialer Innovationen.

So werden in Städten wie ­Berlin oder Frankfurt über sogenannte Social Impact Labs Räume für Co-Working und Vernetzung angeboten, außerdem gibt es Stipendiatenprogramme für Startups. Unterstützt von der Deutsche Bank Stiftung, hat die Social Impact gGmbH auch die erste Crowdfunding-Plattform für soziale Startups im deutschsprachigen Raum initiiert.

Kräfte bündeln

„Unternehmen sind überall auf der Welt der Motor für Wachstum und Wohlstand“, sagt Alexander Gallas, Leiter des gesellschaftlichen Engagements der Bank in Deutschland, „mit unserem Engagement und unserer Expertise schließen wir die ­Lücke zwischen konventioneller Finanzierung und der Abhängigkeit von Spenden und Fördergeldern und helfen so Gründern, ihr Geschäftsmodell solide aufzubauen.“

Auch zahlreiche flüchtlingsorientierte Initiativen werden über Made for Good unterstützt, etwa der in Berlin gegründete Verein Start with a Friend, der inzwischen in zehn deutschen Städten aktiv ist. Ziel ist es, Schutz suchenden Flüchtlingen über persönliche Kontakte und die Unterstützung eines Einheimischen ein Ankommen in Deutschland zu erleichtern. Zudem hat die Deutsche Bank gemeinsam mit Social Impact und der Softwareschmiede SAP den „Wirkungsfonds“ ins Leben gerufen. Über ihn können soziale Startups, die sich zum Ziel gesetzt haben, die gesellschaftliche und wirtschaftliche Teilhabe geflüchteter Menschen in Deutschland zu verbessern, ein Fördergeld von bis zu 25 000 Euro bekommen, das nicht zurückgezahlt werden muss.

Initiativen zur Förderung des Unternehmertums haben bei der Deutschen Bank eine lange Tradition: Als erste globale Bank legte sie 1997 einen Mikro­finanzfonds auf und hat seitdem insgesamt etwa 400 Mio US-Dollar an über 150 Mikrofinanzinstitutionen in mehr als 50 Ländern vergeben. Seit 2008 beraten Mitarbeiter der Deutschen Bank im Corporate-Commmunity-Partnership-Programm gemeinnützige Organisationen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Und seit 2006 hat die Bank im Wettbewerb „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ über 3000 Initiativen ausgezeichnet, die Deutschland voranbringen. So stärkt sie die Gründerszene nicht nur in ihrem ­Heimatmarkt, sondern auch in anderen Regionen der Welt. Dieses Engagement ist Ausdruck des Selbstverständnisses der Deutschen Bank als verlässlicher Partner, der den gesellschaftlichen Wandel mitgestaltet.

 

Weitere Informationen
Das Bewerbungsverfahren bei Made for Good läuft über Gründerwettbewerbe wie ­startsocial, die Onlineportale zum Wirkungsfonds bzw. Social Impact Finance oder den Wettbewerb „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“. db.com/madeforgood

  • Interview: „Wir können nicht mehr nur aus dem Bauch heraus entscheiden“

    Herr Schüler, Sie haben für Ihr Projekt viele Förderpreise gewonnen. Ist das Geschäft bei so vielen Auszeichnungen ein Selbstläufer?
    Bei Wettbewerben wie dem „Land der Ideen“ oder der Google Impact Challenge zu gewinnen ist extrem wichtig – das brachte uns Visibilität und ein Preisgeld für den Aufbau des Unternehmens. Das Geschäft wird dadurch leichter, bleibt aber harte Arbeit.

    Was war und ist Ihre größte Herausforderung als Unternehmer?
    Wir sind Pädagogen, Informatiker und Historiker – uns fehlt das betriebswirtschaftliche Know-how. Wir können nicht mehr nur aus dem Bauch heraus ent­scheiden, wie wir das bisher taten. Inzwischen betreuen wir 85 Schulen. Jetzt müssen wir Prozesse definieren und in Prozessen denken.

    Ihr Unternehmen wird von der Deutschen Bank im Rahmen der Initiative Made for Good durch ein Mentoring unterstützt. Ist das hilfreich?
    Definitiv – wir haben manch freundliche Watschen auf der ­betriebswirtschaftlichen Ebene erhalten. Unsere Mentorin Nicole Gieseler zwingt uns, auf die Zahlen zu achten. Sie ist eine tolle Sparringspartnerin, die uns mit ihrem Know-how hilft – das beginnt beim Businessplan sowie der Kalkulation und geht über Plan-Ist-Vergleiche bis zum Risikomanagement. Das Mentoring ist extrem wichtig für uns.

    Jörg Schüler (Mitte) ist gemeinsam mit Florian Borns (links) und Gregory Grund Gründer und Chef der Digitalen Helden

Video: Warum wir Digitale Helden an unseren Schulen brauchen?


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