Neue Zahlungsmethoden dank Vernetzung: Die „Digital Trade Chain“ ermöglicht auch die automatische Zwischenfinanzierung bei längeren Zahlungszielen

FOTO: GERD ALTMANN/PIXABAY

Handeln per Blockchain

Die Deutsche Bank hilft Mittelständlern mit neuer Technik bei der Abwicklung ihres Handelsgeschäfts

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Mittelständische Unternehmen in Deutschland werden voraussichtlich noch in diesem Jahr über eine gemeinsame Plattform ihren internationalen Handel steuern können. Eine Gruppe von sieben europäischen Banken, darunter die ­Deutsche Bank, haben in Brüssel eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet, mit dem Ziel, eine gemeinsame Blockchain-Plattform unter dem Namen „Digital Trade Chain“ (DTC) zu ent­wickeln. Das Ziel der Plattform ist die Vereinfachung des inländischen und grenzüberschreitenden Handels für kleine und mittelständische Unternehmen in Europa durch Nutzung der digitalen Distributed-­Ledger-Technologie. Ein Distributed Ledger (wörtlich: „verteiltes Kontobuch“) ist die technische Grundlage virtueller Währungen und dient dazu, im digitalen Zahlungs- und Geschäftsverkehr Transaktionen von Nutzer zu Nutzer aufzuzeichnen, ohne dass es einer zentralen Stelle bedarf, die jede einzelne Transaktion legitimiert. 

Angriffspunkte ausgeschaltet

Bekanntestes Beispiel eines Distributed Ledger ist die Blockchain hinter der Internetwährung Bitcoin. Sie gilt als eine der großen digitalen Erfindungen im Finanzbereich und kann theoretisch für viele Zwecke benutzt werden. Im Prinzip handelt es sich dabei um eine große Datenbank, die von vielen Tausend Internetnutzern gemeinsam geführt wird. Sie besteht aus einer Kette von Blöcken, in denen alle Transaktionen aufgelistet sind. Wenn Transaktionen hinzukommen, wird dieser Kette automatisch ein neuer Block hinzugefügt und im Internet von allen Benutzern geprüft und verteilt.

Obwohl die Technologie als sehr sicher gilt, war sie im Falle von Bitcoin in den vergangenen Jahren mehrfach das Ziel von Hackerangriffen. „Die Technologie, die die Deutsche Bank jetzt mit anderen Banken entwickelt, schaltet die Angriffspunkte aus, weil sie nicht im gesamten Internet, sondern in einem abgesicherten Bereich der beteiligten Banken bereitgestellt wird“, erläutert Roberto Mancone, Leiter Disruptive Technologies & Solutions des Bereichs Private, Wealth & Commercial Clients der Deutschen Bank. Nur autorisierte Personen können dort Transaktio­nen durchführen. Dabei bleiben die Vorteile der Blockchain-Lösung – hohe Zuverlässigkeit und Schnelligkeit bei niedrigen Kosten – erhalten. Bei der Digital Trade Chain handelt sich um eine separate Kundenplattform, mittels derer die Käufer/Importeure und die Lieferanten/Exporteure in die Lage versetzt werden, Transaktionen auf papierloser und dennoch sicherer Basis zu initiieren sowie die Transaktion in jedem Stadium zu überwachen. Zudem stehen den Kunden für die Transaktion Bankprodukte zur Verfügung, etwa

  • die Zahlungsbestätigung durch die Bank
  • des Käufers bei Begleichung einer Rechnung,
  • die Zahlungsverpflichtung durch die
  • Bank des Käufers
  • und die Rechnungsdiskontierung (Forfaitierung)
  • für den Lieferanten.

Viele Unternehmen sind im internationalen Geschäft tätig, das in Westeuropa primär auf Open-Account-Basis erfolgt. Darunter versteht man ein Handelsgeschäft, bei dem die Güter vor Fälligkeit der Zahlung geliefert werden. Dabei beträgt die Zahlungsfrist üblicherweise 30, 60 oder 90 Tage. Für den deutschen Exporteur bedeutet das nicht nur ein Risiko, sondern auch einen erheblichen administrativen Aufwand, zum Beispiel für Rechnungen, Auftragsbestätigungen oder Lieferscheine. „Die Digital Trade Chain reduziert den papierhaften Aufwand und ermöglicht gleichzeitig eine sichere und nutzerfreundliche Durchführung von Transaktionen. Gerade für kleinere Unternehmen wird damit ein wichtiges Hemmnis im internatio­nalen Handel beseitigt“, sagt Patrik Pohl, Leiter Produkte Mittelstand in der Transaktionsbank der Deutschen Bank. DTC wurde im Oktober 2016 beim Efma Accenture Innovation Award als „Best New Product or Service 2016“ ausgezeichnet. Derzeit wird die Plattform fertig entwickelt. Sie soll noch in diesem Jahr eingeführt werden. Teilnehmer neben der Deutschen Bank sind HSBC, KBC, Natixis, Rabobank, Société Générale und UniCredit.

Grafik:
So funktioniert eine Blockchain

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