… rücken für immer mehr Menschen in weite Ferne. So geben die Berliner inzwischen über ein Viertel ihres Haushaltsnettos fürs Wohnen aus. Die amtliche Zahl liegt dagegen niedriger

FOTO: WOLFRAM STEINBERG/DPA

Die andere Realität

Eine Analyse der Berliner Immobilienpreise zeigt: Die Inflation ist wohl deutlich höher als offiziell gemessen

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Steigende Mieten sind vor allem für Menschen in Ballungszentren seit Jahren eine Realität. Doch die offizielle Statistik der Verbraucherpreise bildet die mitunter exorbitanten Preissteigerungen nur unzureichend ab. Besonders gut ab­lesbar ist dies in der Bundeshauptstadt.

Seit 2009 sind laut offizieller Messung die Nettokaltmieten im Bestand um rund 16 Prozent gestiegen. Untersucht man aber die Neuvermietung (mehr als jeder zehnte Berliner zieht jährlich um), so kommt man auf weit höhere Zahlen: Von 2008 bis 2016 misst der Mietspiegel eine Verteuerung der Nettokaltmieten um rund 45 Prozent und damit fast dreimal so viel wie die offizielle Miet­inflation laut Verbraucherpreisstatistik. Das bestätigen andere Messungen: Nach den Daten des Immobilienportals riwis, die auch die Bundesbank auswertet, sind die Berliner Marktmieten bei Wiedervermietung seit 2009 sogar um über 60 Prozent gestiegen.

2017 lag die amtlich gemessene Inflation in Berlin bei 1,5 Prozent. Tauscht man aber die Nettokaltmieten im Warenkorb der Verbraucherpreisstatistik gegen die Marktmiete nach den Daten von riwis aus, dann lag die Berliner Inflation im Jahr 2017 insgesamt bei 3,1 Prozent – und damit doppelt so hoch wie offiziell verkündet. Unterschätzt also die amtliche Preisstatistik die tatsächliche Inflation? Es sieht so aus. Dies lässt sich durch ein weiteres Argument belegen: So geben die Berliner rund 27 Prozent ihres Haushalts­nettos für die Miete aus, der offizielle Anteil im Warenkorb liegt aber bei 21 Prozent.

Auch bundesweit deutet viel auf eine systematische Unterschätzung der Infla­tion: So sind die Marktmieten von 2009 bis 2017 um fast 40 Prozent gestiegen, die offizielle Mietinflation liegt für diesen Zeitraum bei nur 10 Prozent. Berechnete man die Inflation auf Basis der Marktmieten, läge die Inflation im Jahr 2017 bei 2,5 Prozent – fast ein Prozentpunkt über dem offiziellen Wert.


Die Studie
Deutsche Bank Research: „Unterschätzte Inflation. Ein Berliner oder doch ein bundesweites Problem?“, kostenloser Download unter www.dbresearch.de

Grafik:
Wohnungskosten steigen

Wohnungskosten steigen

Wohnungskosten steigen

Wohnen in Berlin wird teurer. Aber um wie viel? Je nach Datenquelle sieht das Ergebnis ganz anders aus. Die Wachstumsraten, die das Statistische Bundesamt bei der Inflationsberechnung ansetzt (dunkelblau), sind deutlich niedriger als die Daten des Immobilienportals riwis bei Neuvermietungen (hellblau).

Quelle: riwis, Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research



Berlin: Nettokaltmieten ggü. Vorjahr (in Prozent)
  • offizieller VPI (Statistisches Bundesamt)
  • Wiedervermietung (riwis)

So errechnet das Statistische Bundesamt die Inflation

Der Anstieg der Verbraucherpreise wird mit einem per „Wägungsschema“ gewichteten Warenkorb ermittelt. Enthalten sind alle erdenklichen Ausgaben – bis hin zum Schnürsenkel. Hier sind die wichtigsten Warengruppen.
Quelle: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2013

Bekleidung und Schuhe Möbel und Haushaltsgeräte Nahrungsmittel, alkoholfreie Getränke Freizeit, Kultur, Unterhaltung Verkehr Wohnen 0 % 0 % 0 % 0 % 0 % 0 % Setzt sich zusammen aus 21% Miete und 11% Instand­haltung und Nebenkosten
0 % Wohnen 0 % Verkehr 0 % Freizeit, Kultur, Unterhaltung 0 % Nahrungsmittel, alkoholfreie Getränke 0 % Möbel und Haushaltsgeräte 0 % Bekleidung und Schuhe Setzt sich zusammen aus 21% Miete und 11% Instand­haltung und Nebenkosten

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