Noch wird innen ge­baut, im Spätsommer ist die Eröffnung geplant: das Prinzessinnenpalais Unter den Linden in Berlin

OTO: MATHIAS SCHORMANN

Palais für kulturelle Querdenker

Im historischen Prinzessinnenpalais Unter den Linden entsteht das Forum für Kunst, Kultur und Sport der Deutschen Bank – mit viel Platz für neue Ideen

Text: Thomas Mersch

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Allein der Bau ist eine Brücke zwischen den Welten. Außen eine klassizistische Fassade, im Inneren schnörkellos modern: Das Prinzessinnenpalais am Berliner Prachtboulevard Unter den Linden hat viel deutsche Geschichte geatmet. Berühmt geworden als Wohnhaus der Töchter des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III., zerstört im Zweiten Weltkrieg im Bombenhagel.

Erst über ein Jahrzehnt nach der Zerstörung, zwischen 1962 und 1964, ordnete die DDR-Führung die Rekonstruktion an – mit viel Stahlbeton als Skelett und Rokoko­elementen für das historisierende Finish. Als „Operncafé“ mauserte sich das Palais zum In-Treff der Ostberliner, nach der Wende gaben sich hier auch Königin Silvia von Schweden, Schauspieler Alain Delon und Tenor Plácido Domingo die Ehre. Seit 2011 aber steht das Gebäude leer. Das Palais der Prinzessinnen ist seit Jahren bereit, wachgeküsst zu werden. Nun erweckt die Deutsche Bank den historischen Bau zu neuem Leben. Im Spätsommer 2018 öffnet hier das Forum für Kunst, Kultur und Sport die Tore.

Das Engagement der ­Deutschen Bank in diesen drei Bereichen wird erstmals in solch enger Verbindung unter einem Dach präsentiert, und das mit hohen Ambitionen: „Wir denken Kunst, Kultur und Sport nicht nur neu, sondern auch quer – das Ganze in einem historischen Palais. Das wird die Menschen begeistern“, sagt Thorsten Strauß, verantwortlich für den Bereich Art, Culture & Sports bei der Deutschen Bank. Sein Team bereitet unter Hochdruck die Eröffnung vor – unter Leitung von Svenja von Reichenbach und Friedhelm Hütte.

Außen Klassizismus, innen Moderne


„Wir wollen ein offenes Haus für alle sein“

Überall in dem dreigeschossigen Prinzessinnenpalais wird fieberhaft umgebaut: Arbeiter karren eimerweise dampfenden Gussasphalt ins Erdgeschoss. Nach dem Auftragen wird der neue Boden noch Schliff bekommen. Dauerhafte und wechselnde Kunstausstellungen sollen sich hier mit vielfältigen musikalischen und sportlich geprägten Veranstaltungen verbinden. Geplant sind Konzerte und Lesungen, daneben Preisverleihungen und auch neu konzipierte Gesprächsformate.

Neues Denken in historischer Hülle

„Wir wollen ein offenes Haus sein“, sagt Strauß. „Ein Haus für die Mitarbeiter der Bank, für unsere Kunden und Partner, für die Berliner wie auch für die Menschen aus aller Welt.“ Unter den Linden ist die Deutsche Bank als Kulturförderer schon seit 1997 vertreten – mit der Deutsche Bank KunstHalle. Dieser etablierte Galerieraum für Gegenwartskunst geht nun im neuen Forum-Konzept auf.


Damit setzt die Deutsche Bank erneut ein starkes Zeichen für die Hauptstadt Berlin, die Stadt ihrer Gründung. Zugleich macht sie ihre Kunstsammlung erstmals wirklich öffentlich. Im Palais verdreifacht sich die Ausstellungsfläche im Erdgeschoss und in der ersten Etage auf etwa 2700 Quadratmeter. Hinzu kommen ein 200 Quadratmeter großes Veranstaltungsforum sowie ein Atelier mit 150 Quadrat­metern, das etwa auch Schulklassen zur Verfügung stehen wird.

Bereit für neue Dimensionen

In neue Dimensionen will die Bank nicht nur flächenmäßig vorstoßen. Thorsten Strauß beschreibt das Konzept als „ein spannendes Crossover“. Es ist die Idee, die drei Säulen Kunst, Kultur und Sport künftig als eine einzige zu begreifen. „Der Spannungsbogen zwischen den drei Feldern macht den Reiz aus. Den wollen wir erlebbar machen“, sagt er. Als praktisches Beispiel kann man jetzt schon die Vortragsreihe „Young Talents“ nennen. Dabei können Vertreter aller drei Bereiche etwa zum Thema Motivation diskutieren – eine Frage, die Sportler wie Musiker und Künstler gleichermaßen betrifft.

Dreimal so viel Platz für Kunst wie bisher


Baugeschichte soll erkennbar bleiben

Ein Fokus der Bank liegt traditionell auf der Talentförderung. In Kooperation mit der Deutschen Sporthilfe etwa vergibt sie bis zu 400 Stipendien an studierende Spitzenathleten. Mit den Berliner Philharmonikern besteht eine langjährige Partnerschaft. Diese Vielfalt soll sich im neuen Haus wiederfinden. Außerdem ist ein anspruchsvoller gastronomischer Bereich geplant. Auch neue digitale Erlebnisse will die Bank mit dem Forum vermitteln.

Mehr digitale Erlebnisse

Mit dem Bau liegt das Team gut im Zeitplan. Die wechselhafte Baugeschichte des Hauses soll auch im Inneren erkennbar bleiben. Pfeiler aus Beton der 1960er-Jahre verraten das tatsächliche Alter des wiederaufgebauten Palais. Hier entstehen erstmals permanente Ausstellungen von Teilen der Banksammlung. Parallel wird das Haus hochkarätige Gastausstellungen zeigen – auch durch Kooperationen mit anderen Museen. Das ursprüngliche Gebäude mit dem repräsentativen Kopfbau zum Boulevard Unter den Linden wurde 1811 fertiggestellt. Der legendäre Berliner Architekt Karl Friedrich Schinkel entwarf die Verbindung zum benachbarten Kronprinzenpalais, in dem König Friedrich Wilhelm III. mit seiner Frau Luise wohnte – einen Rundbogen, über den ein Gang führt. 1931 eröffnete das Schinkel-Museum im Prinzessinnenpalais. Noch einmal wurde das ehemalige DDR-„Operncafé“ nach der Wende innen komplett verändert. Nur das schmiedeeiserne Rokokogeländer aus dem 18. Jahrhundert im Treppenhaus blieb bei diesem Umbau erhalten.

Täglich außer dienstags wird das Forum für Kunst, Kultur und Sport von 10 bis 19 Uhr geöffnet sein. Am Donnerstag ist ein langer Abend geplant. Und jeweils montags gilt:
freier Eintritt für alle Besucher.


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