Der Immobilienmarkt bleibt für Anleger interessant: Die Preise könnten zukünftig zwar weniger stark steigen, dennoch sollte der Aufwärtstrend aus Sicht der Deutschen Bank bis 2022 nicht abbrechen

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10 Prognosen für das Anlagejahr 2019

Die Kapitalmärkte bieten auch im kommenden Jahr interessante Möglichkeiten, glaubt Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank

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  • 1. POLITIK Kein Ende der Geschichte!

    „Das Ende der Geschichte“, also die Auf­lösung der weltpolitischen Widersprüche in einer von Demokratie und Marktwirtschaft dominierten Welt nach dem Zusammenbruch des Ostblocks, postulierte 1992 der US-amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama. Betrachtet man die aktu­ellen politischen Entwicklungen, scheint sich die Geschichte jedoch fortzusetzen. Die USA provozieren mit Strafzöllen, China treibt mit dem Ausbau von Handelsabkommen und Infrastrukturnetzwerken seinen Auf­stieg zur Wirtschaftsmacht voran, und Europa wird durch hausgemachte Probleme belastet. Eskalationen oder Zwischen­erfolge sowie Lösungen der Probleme hal­ten entsprechendes Potenzial für die Kapitalmärkte bereit – in beide Richtungen.

     

    Wie stehen die Kurse am Jahresende 2019?

    Mit dieser Entwicklung rechnet der Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden Ulrich Stephan

     

     
  • 2. WACHSTUM Technologie bestimmt den Trend!

    Seit der Finanzkrise befindet sich die Weltwirtschaft auf dem Wachstumspfad. Das Trendwachstum ist aufgrund zurückhaltender Investitionen aber nach wie vor gering. Das Potenzial von Innovationen in Technologie-Bereichen wie künstliche Intelligenz, Big Data und Internet der Dinge ist groß – es wird aber eher Jahre statt Monate dauern, bis es in der Realwirtschaft ankommt. Die Deutsche Bank erwartet 2019 trotz Risiken ein globales Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent. In den USA könnten es 2,5 Prozent, in der Eurozone 1,2 Prozent und in China 6,1 Prozent sein.

  • 3. INFLATION Heiß ersehnt und doch gefürchtet!

    In den USA beispielsweise sollte aufgrund der Vollbeschäftigung – die sich in steigenden Löhnen niederschlägt – gepaart mit einer lockeren Fiskalpolitik und Strafzöllen der Inflationsdruck 2019 erhalten bleiben. In der Eurozone könnte die Inflation rund 2,0 Prozent erreichen. Verbunden mit einer negativen Realverzinsung, beispielsweise von Geldeinlagen, könnte die Inflation für eine Sparernation wie Deutschland zur Belastung werden. Anleger sollten zu Anlageinstrumenten mit positiv erwarteter Realrendite greifen – beispielsweise Aktien oder Immobilieninvestments.

  • 4. WÄHRUNGEN Reservisten unter sich!

    Auf der Suche nach einem sicheren „Währungshafen“ hält sich zwar die Dominanz des US-Dollar. Doch das US-Doppeldefizit als Summe aus Haus­halts- und Leistungsbilanzdefizit könnte das Vertrauen in den „Greenback“ zukünftig belasten. Euro und Renminbi bewerben sich als Alternative – für eine globale Reservewährung braucht es aber mehr Stabilität, uneingeschränkte Konvertierbarkeit in andere Währungen und ausreichende Verfügbarkeit. Statt einer echten Reservewährung bieten sich Anlegern derzeit nur „Reservistenwährungen“.

  • 5. RENTEN Geschenkt ist noch zu teuer!

    Mitte der 1990er-Jahre verzinste eine fünfjährige Bundesanleihe noch mit acht Prozent. Schon seit einigen Jahren ist die Verzinsung nun negativ. Höhere Zinsen gibt es außerhalb der Eurozone, aber insbesondere Währungsrisiken sind dabei zu beachten. Im Portfoliokontext spielen Renten vor allem zur Diversifikation und Steuerung des Gesamtrisikos eine wichtige Rolle – bevorzugt Anleihen mit niedriger Laufzeit oder variabler Verzinsung.

     

    Nach der Lockerung kommt die Straffung

    Kumulierte monatliche Staatsanleiheankäufe ausgewählter Zentral­banken (in Mrd. USD, ab 11/2018 Schätzung)

    Quelle: Deutsche Bank, Stand: 26. 11. 2018

     

  • 6. AKTIENREGIONEN Gut, günstig, gut & günstig!

    Hohe Unternehmensgewinne in den USA, niedrige Bewertung in Europa, gute Gewinne und niedrige Bewertung in den Schwellenländern Asiens. Entsprechend risikobereite Anleger könnten die durch die Kursverluste im zweiten Halbjahr 2018 insgesamt gesunkenen Bewertungen als Einstiegsmöglichkeit nutzen.

  • 7. AKTIENSEKTOREN Der Sektor macht den Unterschied!

    Der margenstarke Technologiebereich hat stark an Bedeutung zugelegt. Insofern bleibt die Entwicklung in diesem Bereich wichtig für die Gesamtmarktentwicklung. Wahrscheinlich wird sich die überdurchschnittliche Wertentwicklung von Tech-Aktien der vergangenen Jahre nicht im ­bisherigen Ausmaß fortsetzen. In 2019 könnten ­sogenannte Value-Sektoren in den Fokus rücken, beispielsweise Rohstoff-, Industrie- und Finanzwerte.

  • 8. ROHSTOFFE Auf den Tweet kommt es an!

    Die Angebotssituation am Rohstoffmarkt ist oft ein Politikum. So wie im November 2018, als eine Kurznachricht Donald Trumps zu möglichen Förderkürzungen seitens der OPEC den Ölpreisrutsch verstärkte. Entsprechend unsicher sind die Prognosen. Die Deutsche Bank rechnet bis Ende 2019 mit leicht steigenden Ölnotierungen. Für Gold als Krisenwährung und Inflationsschutz sieht die Deutsche Bank nach wie vor wenig Potenzial. Direkte Rohstoffinvestments sind mit vielen Unsicherheiten behaftet. Anleger, die ein Engagement im Rohstoffbereich eingehen wollen, dürften mit Aktien aus diesem Sektor besser fahren.

  • 9. IMMOBILIEN Boom ist nicht gleich Blase!

    Die Auftragseingänge im deutschen Baugewerbe sind seit dem Jahr 2009 um rund 40 Prozent gestiegen. Es wird aber zu wenig gebaut, um die hohe Nachfrage zu befriedigen. Die Preise könnten ­zukünftig zwar weniger stark steigen, dennoch sollte der Trend bis 2022 nicht abbrechen. Der deutsche Immobilienmarkt bleibt für Investoren entsprechend interessant – insbesondere in Zeiten steigender Inflation und noch immer niedriger Zinsen.

     

    Fehlendes Angebot treibt Preise in die Höhe

    Die Zahl neuer Wohnungen nähert sich nur langsam der Nachfrage an. Die Jahre 2018 bis 2021 beruhen auf Schätzungen der Deutschen Bank (*)

    Quelle: Deutsche Bank, Bloomberg L.P., Stand: September 2018

     

  • 10. PORTFOLIO „Balance-Akt“ oder „Aktien-Dynamik“ – Sie haben die Wahl!

    Die konjunkturelle Dynamik nimmt ab, das gesamtwirtschaftliche Umfeld dürfte jedoch intakt bleiben. Anleger sollten das Risiko im Portfolio aktiv managen und versuchen, die vorhandenen Chancen gemäß ihrem individuellen Risiko-Ertrags-Profil zu nutzen. Dafür gibt es unterschiedliche Anlagemöglichkeiten, die von dynamischen über ausgewogene sowie defensive Portfolio-Ausrichtungen bis hin zu Kapitalschutzstrategien reichen.

     

    Langfristig führt kaum ein Weg an Aktien vorbei

    Investoren mit langfristigem Anlage­horizont sollten sich nicht von kurzfristigen Schwankungen verunsichern lassen

    Quelle: Bloomberg L.P., Stand: 26. 11. 2018

     


Trefferquote 2018

Von zehn Voraussagen haben sich sieben bewahrheitet. Die Prognosen von Ulrich Stephan im Rückblick:

  1. Konjunktur – Volle Kraft voraus
  2. Zentralbanken – Auf unerforschtem Weg
  3. Währungen – Kurswechsel beim Wechselkurs
  4. Anleihen – Abschied fällt schwer
  5. Aktien – Die letzte Meile ist die schönste
  6. Aktien regional – Asien im Wandel
  7. Rohstoffe – Renaissance des (Super-)Zyklus
  8. Immobilien – Kein Ende in Sicht
  9. Trends – Märkte von morgen
  10. Risiken & Portfolio – Die nächste Krise kommt bestimmt

Weitere Informationen
Zusätzliche Einschätzungen zum Marktgeschehen unter
www.deutsche-bank.de/finanzmarktwissen



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