Neuer Name für ein neues Forum: Aus dem Berliner Prinzessinnenpalais wird das Palais Populaire der Deutschen Bank

Video: Deutsche Bank Art, Culture & Sports

Ein Palais voller Ideen

Das „PalaisPopulaire“ in Berlin hat sich innerhalb weniger Monate zu einem spannenden Treffpunkt für Kunst, Kultur und Sport entwickelt

Text: Stephan Schlote

zum Artikel

Vom Auf und Ab der deutschen Geschichte können auch Häuser berichten. Das historische Prinzessinnenpalais erzählt von ­Königen, Kriegen und von der Moderne in der DDR und spiegelt so die bewegte Geschichte Berlins. Für das PalaisPopulaire wurden die Räume des Prinzessinnenpalais vom renommierten Berliner Architekturbüro Kuehn Malvezzi neu gestaltet. Hinter der historisierenden Fassade befinden sich jetzt modernste Technik und eine zeitgemäße, klare Architektur. Das PalaisPopulaire schreibt heute die Geschichte des Prinzessinnen­palais weiter, des barocken Gebäudes, das tatsächlich ein Neubau aus den 1960er-Jahren ist. „Gerade diese Brüche in der Architektur“, so Svenja von Reichenbach, die Hausherrin, „machen das Haus zum idealen Ort für eine zeitgenössische Kultur, die verstärkt auf Cross-over-Projekte setzt, bei denen unterschiedliche Sparten miteinander verbunden werden.“

Seit Ende September betreibt die Bank hier ihr öffentliches Forum für Kunst, Kultur und Sport im kulturellen Zentrum der Hauptstadt direkt neben Staatsoper, Universität und Schinkel-Pavillon. Seitdem ist es ziemlich lebendig geworden in dem wiederauferstandenen Haus. Die Ausstellungsfläche hat sich im Vergleich zur ehemaligen KunstHalle der Bank verdreifacht, und das kommt an: Tausende Besucher und Gäste kamen in den ersten drei Monaten, das Palais, keine Frage, ist nach kurzer Zeit aufgenommen in die Kunst- und Kulturszene der Stadt.

Eine Welt auf Papier

Gerade schließt mit „The World on Paper“ die erste große Ausstellung, ein Überblick über die Papierarbeiten aus der Sammlung Deutsche Bank. Nur wenige ­andere Unternehmen weltweit haben über die Jahrzehnte so viel zeitgenössische Kunst gesammelt, 55 000 Werke aus 40 Nationen sind das heute. Zu sehen an rund 700 Deutsche Bank Standorten weltweit und in immer neuen Ausstellungen. Der Schwerpunkt liegt auf dem Medium Papier, auch das hat in diesem Umfang im zeitgenössischen Bereich kaum eine andere private Kollektion zu bieten. Es ist eine Sammlung, die „immer wieder neu zu entdecken ist“, sagt Friedhelm Hütte, Leiter der Kunstabteilung der Deutschen Bank und ihr langjähriger Kurator. Das Palais wird deshalb regelmäßig auch Ausstellungen zeigen, die sich thematisch einem Aspekt der Sammlung widmen.

 Doch das Haus ist weit mehr als Museum oder Kunsthalle. Hinzu kommen Kultur und Sport. Passt das alles auch inhaltlich unter ein Dach? „Auf alle Fälle“, sagt Thorsten Strauß, Leiter des Bereichs Kunst, Kultur und Sport der Deutschen Bank. Denn der Name „PalaisPopulaire“ ist Programm: Strauß und sein Team haben das Palais als interdisziplinäres Haus konzipiert, als ein „global vernetztes Forum für alle, die Kunst und Kultur neu und quer denken“.

Die nächsten Ausstellungen

 Objects of Wonder: ­Höhe­punkte der britischen Skulptur aus der Tate London (1. 2.–27. 5. 2019)
The Summer of Love. Art, Fashion & Rock ’n’ Roll: Eine Hommage an die Hippie-Bewegung. Aus dem Fine Arts Museum San ­Francisco (14. 6.–28. 10. 2019)
PalaisPopuaire: Unter den Linden 5, Berlin, Täglich außer Dienstag 10–19 Uhr, Donnerstag 10–21 Uhr
www.db-palaispopulaire.de

  • Foto: Mathias Schormann
    Der Name ist Programm. Das PalaisPopulaire ist ein offenes Haus – ein zeitgemäßes und innovatives Forum, das seinen Besucherinnen und Besuchern eine spannende Mischung aus Kunst, Kultur und Sport bietet
  • Foto: Mathias Schormann
    Papier ist auch im Zeitalter der Digitalisierung das Medium, auf dem sich Welten abbilden lassen: Die Ausstellung „World on Paper“ eröffnete das PalaisPopulaire in Berlin
  • Foto: Mathias Schormann
    Mit rund 300 Highlights und Neuentdeckungen aus der Sammlung Deutsche Bank zeigte The World on Paper, welche Faszination das Medium Papier auf Künstler seit der Nachkriegsmoderne ausübt und wie dieses sinnliche und zugleich pragmatische Material immer wieder neue gestalterische Möglichkeiten eröffnet
  • Foto: Zilla Leutenegger, courtesy Galerie Peter Kilchmann, Zurich
    Extra für die Rotunde im PalaisPopulaire schuf die Künstlerin Zilla Leutenegger ihr Werk "Moondiver II"
  • Foto: David von Becker
    Zugleich verdeutlichte die Ausstellung auch die globale Ausrichtung der Sammlung Deutsche Bank – insgesamt umfasst die Auswahl 133 Künstlerinnen und Künstler aus 34 Ländern, darunter Doug Aitken, Joseph Beuys, Ellen Gallagher, Sigmar Polke, Dieter Roth und Atsuko Tanaka
  • Foto: Mathias Schormann
    Mitten im Herzen Berlins, am Boulevard Unter den Linden, verbindet das PalaisPopulaire Tradition und Zukunft, lokale und globale Kultur

„Kunst wirkt, Kultur inspiriert, Sport verbindet“

„Populär“ bedeutet keine leicht konsumierbaren Angebote, sondern eher, wie Strauß es nennt, neue „Schnittmengen“ zwischen Kunst, Kultur und Sport. Das Haus steht also für jene Ziele, die die Bank mit ihrem gesellschaftlichen Engagement seit Jahrzehnten verfolgt: Zugang öffnen, Talente erkennen und fördern – und so einen positiven gesellschaftlichen Beitrag leisten.

Seit vielen Jahren unterstützt die Bank etwa die Berliner Philharmoniker, das im Bau befindliche Deutsche Romantik Museum in Frankfurt am Main und das dortige English Theatre. Zudem begleitet sie die Deutsche Sporthilfe als Nationaler Förderer. Und fördert mit der „Deutsche Bank Reitsport-Akademie“ Ausnahmetalente im Dressursport. „Kunst wirkt, Kultur inspiriert, Sport verbindet“, sagt Svenja von Reichenbach.

Es ist ein breites Förderprogramm, und diese Vielfalt ist im Alltag erlebbar. Das Angebot umfasst unter anderem Gespräche mit Akteuren aus Kunst, Kultur und Sport, Lesungen oder Workshops. In speziellen „Artist’s Talks“ werden etwa die Wechselwirkungen zwischen Kunst und politischer Gewalt ausgelotet oder die Möglichkeiten der abstrakten Malerei. Mal diskutieren der Schauspieler Benno Fürmann und der Extremkletterer Stefan Glowacz über Grenzerfahrungen, mal spricht Waris Dirie, die afrikanische Autorin und Menschenrechtsaktivistin.

Politische Skulptur und „Flower Power“

Entstanden ist ein lebendiges Haus, das mehr ist als ein klassisches Museum. Vergleichbares gibt es bislang nicht in der Berliner Kulturszene. Im Untergeschoss übersetzt eine Software die Bewegungen junger Sportler in virtuelle Skulpturen, erlebbar mit einer speziellen Virtual-Reality-Brille. Es ist ein Experiment, bei dem diese Technologie erstmals mit Kunst und Sport verbunden wird. Einmal während jeder Ausstellung wird zur Clubnacht geladen: DJs lassen sich von der Ausstellung inspirieren, die Musik ist präsent in jedem Raum. Für Kitas und Schulen bieten die Macher des Palais ein Programm, das Teil des kostenlosen Bildungsengagements des Hauses ist. So können die Kinder und Jugendlichen zeichnen, musizieren oder tanzen. Oder Sportler vermitteln die Grundlagen ihrer Disziplin. Dann können die Schüler unter Anleitung die Sportart in einem Workshop selbst erproben.

Die ersten drei Monate sind durch, wie geht es weiter? Nach „The World on Paper“ steht schon die nächste Ausstellung am Start. Ab 1. Februar zeigt das PalaisPopulaire Höhepunkte der Skulpturensammlung der Tate London. Und dann wartet die Flower-Power-Zeit: Im Sommer erinnert das Palais an den Höhepunkt der Hippie-Bewegung 1968 in San Francisco. Bis dahin könnte man im Bistro-Restaurant „Le Populaire“, das sich mieten lässt wie das gesamte Haus, vielleicht die Prinzessinnentorte probieren – als Hommage an das alte Operncafé oder an die Königstöchter, für die das Haus von Friedrich Schinkel vor gut 200 Jahren umgebaut wurde. Manche Häuser haben eben mehr als nur eine Geschichte zu erzählen.


Verwandte Artikel


Artikel teilen

article_arrow_right
01-2019/ein-palais-voller-ideen.html
Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Weitere Infos zu Cookies und deren Deaktivierung finden Sie hier.