Einkaufszentrum in Warschau: Polen ist einer der Wachstumsmärkte in der EU

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Im Wirtschaftswunderland

Recht leise, aber stetig ist Polen zur sechstgrößten Volkswirtschaft in der EU aufgestiegen. Und das nicht als verlängerte Werkbank – sondern mit Innovationsfreude, kreativem Unternehmertum und hohen Ausbildungsstandards. Ideale Bedingungen für deutsche Firmen

Text: Ralf Mielke

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Ewald Kösters ist ein Selfmade-Unternehmer, wie er im Buche steht. Mit eigenen Ersparnissen gründete er vor knapp 40 Jahren die Firma Sun Garden im westfälischen Neuenkirchen, eine halbe Autostunde nördlich von Münster. Den Begriff „Start-up“ gab es noch nicht, doch Kösters’ Betrieb hätte alle Kriterien erfüllt – auch wenn er seinen Aufstieg nicht in einer Garage startete, sondern in einem ehemaligen Schweinestall. „Ein paar Schritte von den Nähmaschinen entfernt suhlte sich die Sau mit ihren Ferkeln im Dreck“, erzählt der Unternehmer. Mit einer Handvoll Näherinnen produzierte Kösters damals Gartenkissen.

Heute ist seine Firma Sun Garden Deutschlands größter Hersteller für dieses Produkt. 18 Millionen Stück liefert das Unternehmen pro Jahr aus, die Kissen gehen nach ganz Europa, internationale Möbelketten zählen zu den Kunden. Und Kösters kann noch mehr: In der Produktion von Schaumstoffmatratzen ist Sun Garden Volumenmarktführer, sie bilden das zweite große Standbein. Zum Portfolio gehören außerdem Boxspringbetten, Bettwaren, Gartenmöbel, Ampelschirme sowie Heimtextilien für Mensch und Haustier. Aus dem kleinen Betrieb mit ein paar Mitarbeitern ist ein properes mittelständisches Unternehmen mit einem Jahresumsatz von knapp 285 Millionen Euro geworden, das mehr als 4.400 Menschen an fünf Standorten beschäftigt.

Das polnische Werk als Herzstück des Familienbetriebs

Der Erfolg ist eng mit dem Wirtschaftsstandort Polen verbunden. 1991 eröffnete Sun Garden ein Werk in Malanów, einem kleinen Ort auf halber Strecke von Posen nach Lodz. „Wir konnten das Wachstum der Firma damals in Deutschland nicht mehr abbilden“, sagt Kösters. Vor allem gestaltete es sich schwierig, genügend Näherinnen zu finden. Anders in Polen: Zwei Jahre nach dem Zusammenbruch des Kommunismus mit teilweise katastrophalen Folgen für die osteuropäischen Volkswirtschaften standen in Polen Arbeitskräfte zur Verfügung. Flankiert vom politischen Willen, mit Investitionen aus dem Ausland die polnische Wirtschaft anzukurbeln.

Natürlich habe das erheblich geringere Lohnniveau im Vergleich zu Deutschland auch eine Rolle gespielt, sagt Kösters. Doch was aus Kostenerwägungen begann, ist mittlerweile zum Kern- und Entwicklungsbetrieb des Unternehmens geworden. Als Ewald Kösters die Produktion 2005 um eine hochmoderne Schäumerei erweiterte, ließ er sie am Standort Polen errichten. Einfache, aber personalintensive Arbeiten wurden unterdessen an andere Standorte ausgelagert, etwa nach Rumänien. „Das Werk in Polen ist unser Herzstück“, sagt Kösters. Hier werden die großen Volumina produziert – 2,5 Millionen Matratzen und 300.000 Boxspringbetten allein 2018. Kösters will weiter in den Standort investieren: Einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag hat das Unternehmen zuletzt in ein automatisiertes Hochregallager gesteckt.

Grafik:
Wachstum über dem Schnitt

Wachstum über dem Schnitt

Wachstum über dem Schnitt

Die polnische Wirtschaft schreibt spätestens seit dem Beitritt zur Europäischen Union (EU) im Jahr 2004 eine andauernde Erfolgsgeschichte. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) steigt seitdem Jahr um Jahr, im Zeitraum zwischen 2008 und 2018 sogar stärker als im Durchschnitt der gesamten EU.

Reale Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %



QUELLE: AHK/STATISTISCHES HAUPTAMT POLEN/EUROSTAT
Sun Garden stellt Matratzen für viele große europäische Einrichtungshäuser her. Links: Sun Garden stellt Matratzen für viele große europäische Einrichtungshäuser her. Rechts: Gründer und Geschäftsführer von Sun Garden ist Ewald Kösters.

Gründer und Geschäftsführer von Sun Garden ist Ewald Kösters.

Sun Garden: Träume aus Schaumstoff

Aus einem kleinen Betrieb hat Ewald Kösters innerhalb von vier Jahrzehnten ein international tätiges Unternehmen geformt. Seine Firma Sun Garden verkauft Matratzen, Boxspringbetten und Auflagen für Gartenmöbel europaweit an große Einrichtungsketten. Das Wachstum ist eng mit dem Standort in Polen verknüpft, den Kösters schon 1991 auf dem platten Land 100 Kilometer westlich von Lodz errichtet hat. Ursprünglich wegen der hohen Verfügbarkeit von Arbeitskräften zu deutlich geringeren Lohnkosten als in Deutschland. Heute als Standort mit modernen Hightech-Produktionsanlagen, die qualifizierte Facharbeiter bedienen. „Das Werk in Polen bleibt unser Herzstück“, sagt Kösters. „Wir werden hier weiter wachsen.“

Fotos: PR/Sun Garden

493,9

Milliarden Euro Bruttoinlands- produkt 2018

Wie in einem Brennglas spiegelt Sun Gardens Aufstieg die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Polen in den vergangenen knapp 30 Jahren wider. Denn nach der Wende 1989 hat unser östlicher Nachbar ein wahres Wirtschaftswunder erlebt. Polen verzeichnet seit 1989 ein durchschnittliches reales Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent pro Jahr. Das BIP pro Einwohner, starker Indikator für den Wohlstand einer Volkswirtschaft, hat sich sogar versiebenfacht. Polen ist zur sechstgrößten Volkswirtschaft innerhalb der Europäischen Gemeinschaft aufgestiegen. Im Vergleich zu den weiteren Beitrittsländern von 2004 (baltische Staaten, Malta, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn, Zypern) und 2007 (Bulgarien, Rumänien) kann Polen heute mit der größten Wirtschaftskraft glänzen. Die Arbeitslosenquote liegt bei fünf Prozent (Stand November 2019) – und damit deutlich unter EU-Durchschnitt (6,3 Prozent). Maßvoll ist mit 2,2 Prozent (2019) auch die Inflation, ein Wert, der sich zwischen dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent und dem Inflationsziel der polnischen Notenbank (2,5 Prozent) bewegt. Polen – das ist der europäische Musterschüler.

„Es ist das einzige Land in der EU, dessen Wirtschaft selbst in der Finanzkrise 2008 und danach gewachsen ist“, sagt Lars Gutheil, geschäftsführender Vorstand der Deutsch-Polnischen Industrie- und Handelskammer (AHK Polen). „Das zeigt, wie viel Potenzial bei unserem Nachbarn vorhanden ist.“ Das Image der „verlängerten Werkbank“ westeuropäischer Industrienationen hat Polen dabei längst abgeworfen. Informationstechnologien und künstliche Intelligenz seien Wachstumsbereiche, polnische Softwareentwicklungen weltweit gefragt. „Die Technologie, die etwa in Amazons Alexa steckt, stammt aus Polen“, sagt Gutheil. 300 kleine bis mittelständische Studios entwickeln und programmieren Computerspiele und erwirtschaften damit einen Umsatz von etwa 500 Millionen Euro. „Aber auch in den vermeintlich alten Industrien haben polnische Unternehmen eine große Fertigungstiefe erreicht. Dort entstehen interessante Möglichkeiten für deutsche Unternehmen“, bilanziert Gutheil.

Kulturelle Nähe zu Deutschland

Magdalena Rogalska braucht nur zwei Worte, um den Zustand der Wirtschaft zu beschreiben: „Polen boomt.“ Rogalska leitet den Firmenkundenbereich der Deutschen Bank in Polen, mit ihren Kollegen betreut sie überwiegend polnische Tochtergesellschaften internationaler Unternehmen. Viele davon aus Deutschland – inzwischen sind mehr als 5.000 deutsche Firmen dort aktiv. Denn die Bedingungen sind gut: „Staatliche Investitionsförderungen und Steuervergünstigungen für Gewerbetreibende, eine hohe Zahl qualifizierter Fachkräften, dazu softe Faktoren wie die geografische und kulturelle Nähe zum deutschen Heimatmarkt“, zählt Rogalska auf (siehe Interview Polen ist ein attraktiver Standort).

Moderne Produktionsprozesse, die auch Robotertechnik umfassen, sind ein Markenzeichen der Firma Häring. Links: Moderne Produktionsprozesse, die auch Robotertechnik umfassen, sind ein Markenzeichen der Firma Häring. Rechts: Jürgen Häring ist Geschäftsführer des Autozulieferers Häring.

Jürgen Häring ist Geschäftsführer des Autozulieferers Häring.

Anton Häring: Präzision aus Prinzip

Die Firma Anton Häring produziert Präzisionsteile und Baugruppen für Kraftfahrzeuge – die Produkte finden sich unter anderem im Antriebssystem, in der Lenkung und im Getriebe. Familienunternehmen ist zudem einer der führenden Anbieter von Sensortechnologie und auch im Bereich E-Mobilität aktiv. Hauptsitz der Firma ist das schwäbische Bubsheim. Im Jahr 2002 kommt ein Werk im polnischen Piotrków hinzu. Für Häring ist der Standort von Beginn an keine verlängerte Werkbank, sondern ein Partner auf Augenhöhe. „Wir sind einer der Technologieführer“, sagt Geschäftsführer Jürgen Häring. Den Erfolg verdankt das Unternehmen auch dem Werk in Polen. „Das ist ein ganz starker Faktor“, sagt er.

Fotos: PR/Anton Häring

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deutsche Unternehmen in Polen

Deutschland ist der wichtigste Handels- und Wirtschaftspartner Polens, die Länder sind eng verflochten: Im Jahr 2018 betrug das deutsch-polnische Handelsvolumen rund 118 Milliarden Euro, in der Rangliste der wichtigsten Handelspartner der Bundesrepublik liegt Polen auf Platz sechs. Der bilaterale Waren- und Dienstleistungsverkehr schafft 1,4 Millionen Arbeitsplätze in Polen und immerhin 500.000 in Deutschland.

Unternehmen hierzulande profitieren vom Wachstum in Polen – und tragen umgekehrt in besonderem Maße dazu bei: Laut AHK Polen kommen rund 17 Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen von deutschen Kapitalgebern, 400.000 Menschen sind im Nachbarland bei deutschen Unternehmen beschäftigt. Allein 2.500 von ihnen arbeiten bei der polnischen Tochter der Firma Anton Häring, die seit 2002 am Standort Piotrków Präzisionsteile und Baugruppen für die Automobilindustrie produziert. Es ist sowohl nach Fläche wie nach Mitarbeiterzahl das größte von vier Werken, die Häring in Deutschland, China, USA und Polen betreibt. Stammsitz des 1961 gegründeten Unternehmens ist Bubsheim in Baden-Württemberg.

Schrecksekunde: Haben wir zu groß gebaut?

Dabei begann alles mit einer Fehleinschätzung, wie Jürgen Häring heute freimütig bekennt. Gemeinsam mit seiner Frau Miriam und seiner Mutter Irma führt er die Geschäfte des Familienunternehmens. „Bei der Eröffnung des Werkes in Piotrków sagte ich damals zu meinem Vater mit einem gewissen Entsetzen: ,Wir haben viel zu groß gebaut‘“, erinnert er sich. „Zum Glück habe ich mich geirrt.“ Denn ähnlich wie Ewald Kösters’ Firma Sun Garden wächst auch Häring Polska rasant. In mehreren Schritten wird die Produktionsfläche auf 72.000 Quadratmeter versiebenfacht, die Mitarbeiterzahl steigt um den Faktor 35. Von Anfang an dabei ist Jacek Gałek. „Die Zentrale in Bubsheim hat uns nie als verlängerte Werkbank gesehen“, sagt der Geschäftsführer von Häring Polska. „Wir haben uns immer auf Augenhöhe gefühlt.“

Das mobile Kartenterminal erlaubt es Händlern und Dienstleistern, Zahlungen mit allen gängigen Kreditkarten entgegenzunehmen. Links: Das mobile Kartenterminal erlaubt es Händlern und Dienstleistern, Zahlungen mit allen gängigen Kreditkarten entgegenzunehmen. Rechts: Stefan Mauer ist bei dem Startup SumUp verantwortlich für die Märkte in Osteuropa

Stefan Mauer ist bei dem Startup SumUp verantwortlich für die Märkte in Osteuropa

SumUp: Dienstleister auf Wachstumskurs

In der Geldbörse polnischer Verbraucher finden sich immer öfter Kreditkarten statt Scheine und Münzen.Damit Kunden überall bargeldlos einkaufen können, rüstet das Unternehmen SumUp Händler mit mobilen Kartenterminals aus – zu deutlich günstigeren Konditionen als traditionelle Anbieter. „Vor allem für kleine Geschäfte ist unser Angebot interessant, da es bei SumUp keine monatlichen Kosten und auch keine Vertragsbindung gibt. Das Kartenterminal ist zudem besonders klein und handlich“, sagt der für Osteuropa zuständige SumUp-Manager Stefan Mauer. Seit der Gründung 2012 ist die Firma enorm gewachsen und mittlerweile in mehr als 30 Ländern aktiv. „Auch in diesem Jahr wollen wir weltweit weiter wachsen“, sagt Mauer. „Polen spielt dabei eine wichtige Rolle.“

Fotos: PR/SumUp | Jonas Friedrich

Selbstverständlich sitzt Gałek deshalb in der Geschäftsleitung des Mutterhauses. Und selbstverständlich stehen in Piotrków die gleichen Maschinen wie am Stammsitz, werden die gleichen Präzisionsteile in den gleichen hocheffektiven Prozessen hergestellt. Digitalisierung und Automatisierung 4.0 ist an allen Standorten Thema, Entwicklungsabteilungen arbeiten an der stetigen Optimierung von Produkten und Produktionsabläufen.

Für Häring waren nicht die niedrigeren Löhne ausschlaggebend – sondern dass er in Polen Firmen mit entsprechendem Know-how vorfand, mit denen er zusammenarbeiten konnte. „Im Land hat sich nach dem Ende des Kommunismus schnell ein funktionstüchtiger Mittelstand herausgebildet, an den deutsche Unternehmen andocken konnten“, sagt Lars Gutheil von der AHK Polen. Zudem, ergänzt Häring, biete Polen gut ausgebildete Fachkräfte, deutlich mehr, als die Firma in Deutschland finden könne. Die Nähe zur Universität in Lodz erweise sich hier zusätzlich als Vorteil – schon Mitarbeiter Nummer eins, Jacek Gałek, hat dort sein Ingenieurdiplom erhalten, Fachgebiet: Robotik und Automatik. Nicht zuletzt ihm und seinen Kollegen verdankt das Unternehmen seinen heutigen Status als Technologieführer. „Ich bin überzeugt, dass unser Familienbetrieb den Strukturwandel in der Automobilbranche mitprägen kann“, ist Häring sicher.

Polen zahlen gern bargeldlos

Das 2012 gegründete Unternehmen SumUp versteht sich ebenfalls als Vorreiter – allerdings in einer ganz anderen Branche. Das Fintech bietet mobile bargeldlose Zahlungssysteme für Einzelhändler an, von Kartenterminals, die mit einer App gekoppelt sind, bis hin zu kompletten Kassensystemen. „Unser größter Konkurrent ist das Bargeld“, sagt Stefan Mauer selbstbewusst. Er ist zuständig für die Geschäftsentwicklung in Osteuropa – und Polen ist dabei ein Kernmarkt. Die Soft- und Hardware der Produkte, von SumUp selbst entwickelt, nimmt alle gängigen Bankkarten sowie Google Pay und Apple Pay an. „Wir ermöglichen es vor allem Inhabern kleiner Geschäfte wie Markthändlern, Cafébetreibern, Besitzern kleiner Werkstätten und Handwerksbetriebe, unkompliziert und sicher bargeldlose Zahlungen zu akzeptieren“, sagt Mauer.

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Milliarden Euro deutsch-polnisches Handelsvolumen 2018

 

  • Magdalena Rogalska arbeitet in der Führung der Deutschen Bank in Polen. INTERVIEW „Polen ist ein attraktiver Standort“ Magdalena Rogalska, Vizechefin der Deutschen Bank in Polen, über die boomende Wirtschaft sowie Chancen und Herausforderungen für deutsche Unternehmen

    Frau Rogalska, wenn Sie deutschen Unternehmern eine Investition in Polen schmackhaft machen wollen: Was sagen Sie denen?
    Es gibt eine ganze Reihe guter Gründe, Polen ist ein attraktiver Standort. Die EU-Mitgliedschaft ist natürlich ein wichtiger Punkt, ebenso die kulturelle und geografische Nähe. Auch finden sich in Polen viele Organisationen, die ausländische Investoren aktiv unterstützen, etwa die Industrie- und Handelskammern oder die polnische Investitions- und Handelsagentur. Zudem können Investoren in ganz Polen zu Vorzugskonditionen agieren, nachdem das Gesetz über Sonderwirtschaftszonen ausgeweitet wurde. Jetzt kann jede Gemeinde, die das will, Unternehmen Steuererleichterungen anbieten.

    Und wo hakt es noch?
    Eine der größten Herausforderungen ist sicher der relativ schwache Digitalisierungsgrad im öffentlichen Sektor. Bei den digitalen öffentlichen Dienstleistungen liegt Polen in der EU auf Platz 23 und damit weit unter dem EU-Durchschnitt. In der Rangliste des Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft (DESI), der von der Europäischen Kommission für 2019 erstellt wurde, belegt Polen den 25. Platz. Hier besteht Nachholbedarf.

    Welche Branchen boomen in Polen?
    Eine dynamische Entwicklung ist in vielen Branchen zu beobachten. Ein Beispiel: der Fitnessbereich als Ergebnis größeren Wohlstands und eines gestiegenen Gesundheitsbewusstseins der Polen. Aus Sicht der Deutschen Bank sehen wir auch einen Boom im Bereich des Business Process Outsourcing, also der Auslagerung von Geschäftsprozessen und der zugrunde liegenden IT-Systeme. Hier entscheiden sich immer mehr internationale Unternehmen für Polen.

    In welchen Bereichen sind deutsche Firmen besonders aktiv?
    Vor allem die Automotive-Industrie verdient hier besondere Aufmerksamkeit. Konzerne wie Daimler, Volkswagen oder MAN haben eigene Werke in Polen. Im Hightech-Werk von Daimler im niederschlesischen Jawor werden Vierzylindermotoren für Mercedes-Benz-Pkw produziert und demnächst auch die Elektrobatterien für neue Fahrzeugtypen.

    Wie hilft die Deutsche Bank Unternehmen, die nach Polen expandieren wollen?
    Zum einen durch unsere lange Erfahrung auf dem polnischen Markt. Unsere lokalen Teams arbeiten im Schnitt mehr als 15 Jahre bei der Deutschen Bank in Polen, wir kennen also unsere Kunden und alle Rahmenbedingungen eines Markteintritts. Zum anderen sind wir hervorragend vernetzt: Für jede Kundengruppe gibt es einen globalen Betreuer, der für die Koordinierung der Verbindung zuständig ist.
    (FOTO: DEUTSCHE BANK)

    Weitere Informationen

    Mail an Magdalena Rogalska

Die Menschen im Land stehen technischen Neuerungen aufgeschlossen gegenüber und haben eine Vorliebe für bargeldlose Zahlungsmittel – ein ideales Umfeld für SumUp, das mit seinen Mobile-Payment-Lösungen bei vielen Händlern offene Türen einrennt. „Wir haben seit 2018 viele Kunden hinzugewonnen“, sagt Mauer. Zusätzlichen Schub brachte die Initiative „Cashless Poland“, mit welcher der polnische Staat bargeldloses Bezahlen subventioniert sowie die Kosten für Installation und Betrieb eines Zahlungssystems im ersten Jahr übernimmt. In Mauers Plänen spielt Polen daher eine wichtige Rolle. Im Februar vergangenen Jahres hat SumUp das polnische Start-up Shoplo übernommen. Das Unternehmen mit Sitz in Warschau entwickelt technische Lösungen für E-Commerce-Plattformen. Dermaßen aufgestellt, will SumUp bis Ende 2020 die Zahl seiner Kunden weltweit verdoppeln.

Bürokratiemonster bändigen

Auch AHK-Polen-Vorstand Gutheil sieht noch erhebliches Potenzial für Unternehmen in Polen: „Die Gesundheitsbranche wächst stabil, die Lebensmittelbranche ebenfalls.“ Nachholbedarf hat er bei der Automatisierung ausgemacht, im Umkehrschluss Chancen für Start-ups rund um digitale Industrieanwendungen.

So fällt die Bilanz rundum erfreulich aus: Nach einer Umfrage der Auslandshandelskammer haben 95 Prozent der deutschen Unternehmen, die in Polen aktiv sind, ihr Investment nicht bereut und würden wieder ins Nachbarland gehen. Allerdings, meint Ewald Kösters, seien die Rahmenbedingungen für ausländische Gewerbetreibende in den vergangenen zwei, drei Jahren ein wenig schlechter geworden: Genehmigungen zögen sich hin, die Regulation verstärke sich. Ein Befund, den auch Lars Gutheil öfter hört: „Der bürokratische Aufwand ist gestiegen“, sagt er. Die Erledigung einer Steuererklärung etwa braucht doppelt so viel Zeit wie im EU-Durchschnitt.

Hinzu kommen neue Steuern, Abgaben und Gesetze, die mit kurzen Vorlaufzeiten beschlossen werden. „Trotzdem bleibt Polen eine äußerst interessante Adresse für expansionswillige Unternehmen“, sagt Gutheil. Ewald Kösters, einer der Pioniere, sieht denn auch keinen Anlass, den Standort Polen infrage zu stellen. Im Gegenteil: „Ich gehe davon aus, dass wir in den kommenden Jahren hier weiter ein deutliches Wachstum realisieren.“

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