Kostspieliger Ruhestand: Für Firmen kann es sinnvoll sein, Pensionsverpflichtungen auszulagern

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Pensionszusagen – die tickende Zeitbombe

Pensionszusagen waren viele Jahre lang ein Lieblingsinstrument der betrieblichen Altersversorgung. Inzwischen aber machen steigende Rückstellungen sie für immer mehr Unternehmen zum unberechenbaren Risiko. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick

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1.

Was ist der Haken an Pensions- zusagen?

Für Unternehmen war es früher verlockend, ihren Mitarbeitern für die Zeit im Ruhestand eine Altersleistung zu versprechen, meist in Form einer lebenslangen Rentenzahlung. Um die Ansprüche der Mitarbeiter später erfüllen zu können, müssen die Unternehmen jedoch Rückstellungen bilden – und die werden seit 2009 in der Handelsbilanz mit anderen Rechnungsgrundlagen als in der Steuerbilanz bewertet. Dadurch kommt es nun regelmäßig zu deutlich höheren Pensionsrückstellungen in der Handelsbilanz, die das Unternehmen aber nur zum geringeren Teil steuerlich geltend machen darf.


Pensionszusagen haben unmittelbaren Einfluss auf die Bilanz: Sie mindern den Gewinn, schwächen die Liquidität und beeinflussen die Bonität eines Unternehmens. Der Niedrigzins verschärft die Situation: Die Rückstellungen werden anhand eines Rechnungszinses und der Sterblichkeitsrate berechnet – denn je länger die Menschen leben, desto länger beziehen sie Rente. Und die Unternehmen müssen umso höhere Rückstellungen bilden, je niedriger der Rechnungszins ist.

2.

Wie wirkt sich der Niedrigzins auf Pensionsrück- stellungen aus?


Große Versprechungen

Mehr als zwei Drittel der Pensionszusagen von Unternehmen in Deutschland sind nicht zurückgedeckt.


3.

Welche Gefahren drohen durch die Rückstellungen?

Es rollt eine Lawine an unterfinanzierten Pensionszusagen auf deutsche Unternehmen zu, in vielen Fällen mit dramatischen Folgen für den Betrieb, Thomas Jung, Experte Anlage-, Risiko- und Pension-Management bei der Deutschen Bank. Die steigenden Rückstellungen schmälern den Gewinn und können in letzter Konsequenz sogar die Existenz des Unternehmens bedrohen. Zusätzlich müssen die nötigen Rentenzahlungen häufig nicht aus separat angesparten Geldern gezahlt werden, sondern aus dem Cashflow – so schwächen sie zusätzlich die Liquidität. Das Geld fehlt dann an anderer Stelle, etwa für Investitionen. Mögliche Kredite werden teurer oder gleich gar nicht gewährt, künftige Ausschüttungen werden gemindert, es kann sogar zu Gewinnausschüttungssperren kommen. Die Eigenkapitalquote sinkt – im schlimmsten Fall wird das Unternehmen zahlungsunfähig.


Hohe Verbindlichkeiten durch Pensionszusagen in der Bilanz mindern nicht nur den Verkaufswert. Im schlimmsten Fall können die Pensionsrückstellungen zum „Dealbreaker“ werden – wenn der Interessent sie als unkalkulierbares Risiko betrachtet und das Unternehmen deshalb nicht kauft.

4.

Wie wirken sich Pensionszusagen bei einem Unternehmens- verkauf aus?


Video: Best Practice für Unternehmen – Wie gehe ich mit Pensionsrückstellungen um?


5.

Wie kann ich mein Unternehmen absichern?

Als Erstes sollten Sie bestehende Zusagen inhaltlich prüfen: Entspricht das, was damals formuliert wurde, noch den ursprünglichen Zielen sowie der geltenden Rechtsprechung im Steuer- oder Arbeitsrecht? Möchte der Versorgungsberechtigte beispielsweise wirklich eine lebenslange Rente – oder fände er womöglich eine einmalige Kapitalzahlung besser? Werden die Formulierungen in der damaligen Pensionszusage mit den persönlichen Zielen von heute verglichen, werden oft Unterschiede und neue Entwicklungen sichtbar. An diesem Punkt kann das Unternehmen ansetzen und die Pensionszusage anpassen.


In vielen Fällen ist es sinnvoll, die Pensionsverpflichtungen auszulagern. Das kann zu besseren Bilanzkennzahlen und einem stärkeren Rating führen. Mittelständler etwa können ihre Verpflichtungen in die Deutsche Pensionsfonds AG auslagern, ein Joint Venture der Zurich Gruppe Deutschland und der Deutschen Bank. Auch den Beziehern der Rente nützt eine solche Auslagerung – denn ihre Altersvorsorge wird so vom Unternehmen entkoppelt und ist vor einer etwaigen Insolvenz noch besser geschützt.

6.

Welche Unterstützung bietet mir die Deutsche Bank?


 

Ihr Ansprechpartner
Thomas Jung
Experte Anlage-, Risiko- und Pension-Management

Mail an Thomas Jung


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