Westfalenhütte in Dortmund 1956: Nach Krieg und Demontagen war das Revier schwer geschädigt. Doch der Standort um Rhein und Ruhr erholte sich in den Wirtschaftswunderjahren nach 1949 derart schnell, dass er zur Boomregion der Bundesrepublik aufstieg

Fotos: Hoesch 1871-1971; Aufbruch ins Revier, München 1971, PR, Sammlung Deutsche Bank Frankfurt am Main, Museum Folkwang, 2014; Bilder Chronik: Salzgitter AG-Konzernarchiv/Mannesmann-Archiv, Mühlheim an der Ruhr, Deutsche Bank AG Historisches Institut,

Kraftzentrum und Kunstzentrum

Seit 100 Jahren ist die Deutsche Bank im Wirtschaftszentrum Rhein-Ruhr aktiv. Ein neues Buch illustriert die bewegte Geschichte einer Zeit, in der Bank und Region untrennbar verwoben sind. Zeichen der Verbundenheit: die Übergabe eines Kirchner-Gemäldes an das Essener Museum Folkwang

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Diese Region ist ein Stück Deutschland. Sie steht für große Unternehmen wie Mannesmann, Krupp oder Bayer, die „Bonner Republik“ genauso wie für einen starken, international aktiven Mittelstand. Und sie steht für einen nicht immer leichten Strukturwandel und den Aufbruch in die Dienstleistungsgesellschaft. Zehn Millionen Menschen leben in diesem Herzstück Nordrhein- Westfalens, zwischen Bonn und Bottrop, zwischen Sauerland und niederländischer Grenze.

Seit 100 Jahren ist die Deutsche Bank hier vor Ort, und aus diesem Anlass ist gerade ein von Reinhard Frost, Historisches Institut der Deutschen Bank, verfasstes Buch zum Thema erschienen. Titel: „Wo Macher Zukunft gestalten. 100 Jahre Deutsche Bank an Rhein und Ruhr“. Das aufwendig illustrierte Buch verbindet auf 192 Seiten die Geschichte der Deutschen Bank mit der Geschichte der Region Rhein-Ruhr. Im März 1914, wenige Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, übernahm die Deutsche Bank die Bergisch Märkische Bank im heutigen Wuppertal. Seitdem ist die Deutsche Bank untrennbar mit der Region Rhein-Ruhr verbunden. Bank und Unternehmen sind gemeinsam den gleichen Weg gegangen, durch gute wie durch schlechte Zeiten, durch Weltkriege, Wirtschaftskrisen und Wiederaufstieg. Für die Deutsche Bank ist diese Region von enormer Bedeutung. Rund 4300 Mitarbeiter der Deutschen Bank arbeiten heute in der Region West, in der fast ein Drittel des deutschen Inlandsergebnisses der Bank erwirtschaftet wird.

Und weil alles Zeichen und Symbole braucht, hat Jürgen Fitschen, Co-Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Bank, Ende März dem Essener Museum Folkwang ein Bild aus der Sammlung Deutsche Bank als Dauerleihgabe übergeben. Es ist ein Werk des „Brücke“-Malers Ernst Ludwig Kirchner, das nach Kirchners Aufenthalt in Davos im Januar 1917 entstand. Essen war einst ein großer Industriestandort, heute steht auch das international beachtete Museum Folkwang als ein Symbol des Wandels der Region. Der Wandel ist noch nicht vorbei, Energie und Engagement der Bank für die Region bleiben: An Rhein und Ruhr, sagt Fitschen, ist „das Kraftzentrum der Bank in Deutschland“.

 

Chronik

 

1870–1914

Deutschlands wilder Westen

In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts boomt die deutsche Wirtschaft. Viele große Namen starten jetzt in den Ballungsräumen an Rhein und Ruhr. Die Deutsche Bank ist von Anfang an dabei: Gründung und Aufstieg von Unternehmen wie Mannesmann, Bayer oder Krupp sind untrennbar mit der Bank verbunden. Bis zum Ersten Weltkrieg baut die Bank ihr Engagement und Netzwerk an Rhein und Ruhr immer weiter aus. Doch erst die Übernahme der regional stark verankerten Bergisch Märkischen Bank im März 1914 führt die in Berlin ansässige Deutsche Bank auch im Westen in eine neue Liga.

 

 

 

1914–1945

Krisen und Katastrophen

Verlorener Weltkrieg, Besetzung des Rheinlands, Reparationszahlungen, Hyperinflation – nach 1918 ist an ein normales Bankgeschäft erst mal nicht zu denken. Dann aber geht es aufwärts. 1925 übernimmt die Deutsche Bank die Essener Credit-Anstalt, vier Jahre später fusioniert sie mit der Disconto-Gesellschaft. Die Verschmelzung ist kaum vollzogen, da kommt die Weltwirtschaftskrise. Die Landesbank der Rheinprovinz bricht zusammen. Es folgen der Aufstieg Hitlers, Zwangsarisierungen auch im Bankgeschäft und ein verheerender Zweiter Weltkrieg. 1945 scheint die größte deutsche Industrieregion so zerstört, dass ein Wiederaufstieg undenkbar scheint.

 

 

 

1945–1955

Motor des Wiederaufbaus

Nach dem Krieg ist Deutschland geteilt, und auch die großen Banken werden zerlegt. Als Nachfolger der Deutschen Bank in Nordrhein-Westfalen entsteht 1948 die Rheinisch-Westfälische Bank. Der Start erfolgt buchstäblich auf Trümmern, doch mit der Währungsreform beginnt der wirtschaftliche Wiederaufbau an Rhein und Ruhr. Untrennbar damit verbunden ist der Name des Rheinländers und Deutsche Bank Bankiers Hermann J. Abs. Mit dem von ihm 1953 verhandelten Londoner Schuldenabkommen erlangte das zerstörte Deutschland seine Kreditwürdigkeit zurück. Das Ruhrgebiet boomt, Mitte der fünfziger Jahre arbeitet jeder dritte Arbeitnehmer im Bereich Kohle und Stahl.

 

 

 

1955–1970

Das Herz der Republik

Mit der Entscheidung für Bonn als Hauptstadt liegt nun das wirtschaftliche und politische Zentrum an Rhein und Ruhr. In Düsseldorf („Schreibtisch des Ruhrgebiets“) errichtet die Deutsche Bank nach ihrer Wiedervereinigung 1957 eine weitere Unternehmenszentrale neben Frankfurt. Noch läuft es gut an Rhein und Ruhr, doch die Warnzeichen der einseitigen strukturellen Abhängigkeit von der Montanindustrie sind nicht mehr zu übersehen.

 

 

 

1970–1989

Region im Wandel

Der Strukturwandel ist nun nicht mehr aufzuhalten. 1968 beginnt mit der Gründung der Ruhrkohle AG der langsame Rückzug aus dem Steinkohlenbergbau. Der Stahlkonzern Hoesch sucht sein Glück in einer Fusion, auch bei Krupp ist eine erste Sanierung nötig. Der gewaltige Umbruch an Rhein und Ruhr ist auch für die Deutsche Bank eine enorme Herausforderung. 1989 wird der in Essen geborene Vorstandssprecher Alfred Herrhausen Opfer eines Terroranschlags. Er war einer der Initiatoren des „Initiativkreises Ruhrgebiet“, das den Wandel maßgeblich begleiten wird.

 

 

 

1989–heute

Neue Stärke

Nach der Wiedervereinigung verliert die Region ihre politische Bedeutung. Die Deutsche Bank gibt ihre Düsseldorfer Zentrale auf. Doch schon 1990 spricht Vorstandssprecher Hilmar Kopper auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank von einer erfolgreichen Neuorientierung. Heute hat sich das Ruhrgebiet nach dem Abschied von Kohle und Stahl im Bildungs-, Forschungs- und Dienstleistungssektor etabliert. Die Arbeitslosigkeit bleibt dennoch an vielen Orten überdurchschnittlich hoch. Für die Rheinschiene war der Wandel weniger drastisch: Ministerien und internationale Organisationen sind in Bonn präsent, Köln ist als Messe- und Medienstadt erfolgreich und Düsseldor die wirtschaftliche Nummer 1 der Region.


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