Sabbatical, Altersteilzeit, Vorruhestand oder zusätzliche Rente: Wie Arbeitnehmer flexibel vorsorgen und dabei Steuern sparen können

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Sabbatical, Altersteilzeit, Vorruhestand oder höhere Rente: Mit Zeitwertkonten können Arbeitnehmer flexibel vorsorgen und dabei Steuern sparen

Text: Birgit Wetjen

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Chefallüren kennt Frank Wallner nicht. Wenn der Geschäftsführer der BridgingIT morgens das Büro betritt, setzt er sich an einen freien Schreibtisch – genauso wie alle Angestellten, Auszubildenden und Praktikanten auch. „Bei uns gibt es weder Einzelbüros noch feste Arbeitsplätze“, sagt Wallner, der mit dem offenen Bürokonzept eine Haltung verbindet. „Open minded“ nennt er das – stets neue Wege gehen, statt auf alten Pfaden zu trampeln. „Die Umgebung zu wechseln und jeden Tag mit anderen Kollegen zu arbeiten, das inspiriert und bringt viele Ideen“, erklärt Wallner.

BridgingIT ging als IT-Beratungsunternehmen 2008 mit 80 Mitarbeitern an den Start. Die Firma entwickelt IT-Lösungen und berät Konzerne und gehobene Mittelständler in strategischen Fragestellungen der IT-Welt von morgen. „Intelligente Vernetzung, Industrie 4.0 oder Energieeffizienz sind Zukunftsthemen mit erheblichem ökonomischen Potenzial in nahezu allen Branchen“, sagt Wallner. Entsprechend rasant wächst das Geschäft der Berater. Zwischen 2010 und 2014 hat BridgingIT ihren Umsatz auf 41,0 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Allein 2014 wurden 60 neue Mitarbeiter eingestellt, in diesem Jahr sollen noch einmal 90 auf dann 390 hinzukommen. „Die Mitarbeiter sind unser Kapital, zugleich aber auch der Engpassfaktor für zukünftiges Wachstum“, weiß der 50-Jährige. Denn IT-Berater mit system- und anbieterunabhängiger Expertise werden auch von den Wettbewerbern händeringend gesucht. Um Spezialisten zu finden und zu binden, tut BridgingIT eine Menge: Interessante Tätigkeit, angemessene Bezahlung, Dienstwagen und Homeoffice – im harten Wettbewerb um qualifizierte ITler reicht das längst nicht mehr. Das Unternehmen hat deshalb noch einige Packages geschnürt, um den Wohlfühlfaktor für Mitarbeiter zu erhöhen. Ob soziales Engagement während der Arbeitszeit, ein Zuschuss zum Kindergarten oder Fitnessstudio: Die Mitarbeiter können wählen, welche Zusatzleistung am besten zu ihrer Lebensplanung passt.

Seit Anfang 2015 bietet BridgingIT auch Flexibilität bei der Planung der Lebensarbeitszeit. „Zeit ist für erfolgreiche Berater ein knappes Gut“, weiß Wallner aus eigener Erfahrung. Work-Life-Balance werde für hochqualifizierte Mitarbeiter zunehmend wichtiger. Der eine möchte mehr Zeit mit der Familie verbringen, eine lang ersehnte längere Reise machen oder sich in einem sozialen oder wissenschaftlichen Projekt engagieren; andere wünschen sich Zeit für die Pflege von Angehörigen oder möchten finanziell abgesichert in den Vorruhestand gehen.

Thesen

Mitarbeiter binden: Wer Mitarbeiter gewinnen und halten will, muss mehr bieten als ein gutes Gehalt. Immer mehr Unternehmen erlauben ihren Mitarbeitern, einen Teil des Einkommens flexibel gegen Freizeit zu tauschen.

Zeit sparen: Zeitwertkonten schaffen die Möglichkeit, steuergünstig und gut abgesichert Auszeiten zu nehmen oder früher in den Ruhestand zu gehen. Je nach Schwerpunkt stehen verschiedene Optionen zur Auswahl.

BridgingIT: Hohe Motivation

Digitalisierung, vernetzte Services und Mobilität, Industrie 4.0 und Nachhaltigkeit: „Die Zukunft ist dezentral und intelligent“, glaubt Frank Wallner, Geschäftsführer der BridgingIT GmbH. Spezialisten, die individuelle und anbieterunabhängige IT-Lösungen entwickeln und implementieren können, sind rar. Um die Attraktivität als Arbeitgeber zu erhöhen, bietet das Beratungsunternehmen seinen Mitarbeitern neben anderen Zusatzpaketen auch Zeitwertkonten an. „Das Zeitwertkonto ist eine innovative Ergänzung und Motivation für die Mitarbeiter“, sagt Wallner. „Flexible Arbeitszeiten sind in unserer Branche Standard, wir wollen Flexibilität bei der gesamten Lebensplanung.“

Grafik:
Entwicklung des Zeitwertkontos

Entwicklung des Zeitwertkontos

Entwicklung des Zeitwertkontos

Flexibel ansparen, flexibel auszahlen: Das Zeitguthaben kann individuell genutzt werden. Mit Beginn der Rente wird ein noch bestehendes Restguthaben als Kapital ausgezahlt.

Sabbatical, Altersteilzeit, Vorruhestand oder höhere Rente – ein Zeitwertkonto macht es möglich. Die Idee dabei: Während der aktiven Zeit legen Mitarbeiter aus ihrem Brutto einen Teil ihres Einkommens zurück, Steuern und Sozialabgaben werden damit in die Zukunft verlagert. Die Gehaltsumwandlung sowie die Einbringung von Bruttozeit ist – anders als bei anderen Vorsorgemöglichkeiten der betrieblichen Altersversorgung – bis auf wenige Ausnahmen nach oben nicht gedeckelt. Auch Sonderzahlungen, Überstunden, Nachtzuschläge, Resturlaubstage oder auch freiwillige Einzahlungen vom Arbeitgeber können so steuersparend angespart werden. Der Arbeitgeber zahlt pauschal 20 Prozent Sozialabgaben dazu, die, wie auch die Steuern, erst bei Entnahme abgeführt werden müssen.

Einen Rechtsanspruch auf ein Zeitwertkonto haben Beschäftigte nicht. Aber die Arbeitgeber können im Wettbewerb um qualifiziertes Personal punkten. „Das Zeitwertkonto ist eine innovative Ergänzung und Motivation für Mitarbeiter“, sagt BridgingIT-Chef Wallner. Anders als bei anderen Vorsorgelösungen bietet das Zeitwertkonto Flexibilität und Sicherheit. „Der Arbeitnehmer kann – anders als beispielsweise bei der Riester-Rente – frei über das angesparte Kapital verfügen“, sagt Stephan Moltzen, Vorsorgeexperte bei der Deutschen Bank. Das Guthaben ist zudem vererbbar und sicher. „Selbst wenn der Arbeitgeber Insolvenz anmelden muss, ist das Kapital vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt“, so Moltzen. Je nach Zielsetzung bietet die Deutsche Bank zwei unterschiedliche Varianten. Das Zeitwertkonto „Protect“ ist mit einer Garantie ausgestattet, die Aktienquote liegt maximal bei 20 Prozent. „Im Zinstief sind damit zwar keine hohen Erträge möglich, aber das Guthaben ist dafür jederzeit garantiert, sodass eine flexible Entnahme, etwa für ein Sabbatical, möglich ist“, sagt Experte Moltzen.

Gerade für die längere Auszeit bietet ein Zeitwertkonto Vorteile gegenüber unbezahltem Urlaub: Mitarbeiter genießen vollen Sozialversicherungsschutz und stehen wegen der nachgelagerten Besteuerung finanziell besser da. Wer dagegen sein Zeitwertkonto für Altersteilzeit oder einen Vorruhestand in 20 oder 30 Jahren plant, setzt mit dem Zeitwertkonto „Premium“ auf höhere Wertsteigerung. Dank Gehaltsumwandlung, Stundung von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen wird durch den Verzicht auf wenig Nettoeinkommen schnell ein hoher Kapitalstock aufgebaut. Durch den höheren Anteil an Aktien im Portfolio sind attraktive Renditen möglich. Garantien gibt es dafür erst am Laufzeitende. Wer früher an das angesparte Kapital will, muss – je nach Börsenphase – Abschläge in Kauf nehmen.

Harold Scholz: „Rudi’s Rente“

Wachstum um jeden Preis? Das gibt es beim Farbpigmente-Spezialisten Harold Scholz & Co. GmbH nicht. „Die Eigentümerfamilie sieht sich vor allem auch in der Verantwortung für die Mitarbeiter und deren Familien“, sagt Heinrich Stöcker, Geschäftsführer des Unternehmens. Auch um die Altersversorgung haben sich die Firmenlenker Gedanken gemacht – und „Rudi’s Rente für Scholzianer“ entwickelt. Per Direktversicherung wird die Rente aufgestockt, per Zeitwertkonto können Beschäftigte ohne finanzielle Risiken in die Altersteilzeit gehen oder einen Vorruhestand ohne Rentenabschlag genießen. Der Arbeitgeber will zur Vorsorge motivieren und gibt Geld dazu.

Die Langfrist-Perspektive hat Heinrich Stöcker, Geschäftsführer der Harold Scholz & Co. GmbH, im Blick. 1902 wurde der Lieferant von Farbpigmenten als klassisches Familienunternehmen gegründet. Rudolf Scholz führte es seit 1975 in dritter Generation. Nach der Jahrtausendwende baute er das inzwischen gewachsene Firmenagglomerat in ein modernes Industrieunternehmen um. Der familiäre Geist allerdings blieb erhalten. „Die Eigentümerfamilie sieht sich noch immer vor allem in der Verantwortung für die 200 Mitarbeiter und deren Familien“, sagt Stöcker.

Das zeigt sich auch bei der Altersversorgung. Rudolf Scholz habe erlebt, dass viele Menschen im Alter wirtschaftlich nicht mehr klarkämen, erzählt Stöcker. Aber er sah auch, dass viele Forderungen aus Unwissenheit oder Misstrauen nicht in Anspruch genommen wurden. „Wir haben uns gefragt, was wir als Arbeitgeber tun können, um unsere Mitarbeiter zur Vorsorge zu motivieren.“ Gemeinsam mit der Deutschen Bank hat das Unternehmen ein Vorsorgekonzept für seine Mitarbeiter („Rudi’s Rente für Scholzianer“) entwickelt. Die eine Säule: eine Direktversicherung für alle Festangestellten. Die zweite: Zeitwertkonten, die Vorruhestand oder Altersteilzeit ohne Abschläge bei der Rente ermöglichen. Als Motivationshilfe hat das Unternehmen selbst erst einmal einen ordentlichen Betrag auf die Vorsorgekonten der Mitarbeiter eingezahlt. „Wir wollen unseren Mitarbeitern klarmachen, dass ihnen nichts genommen wird, sondern dass sie etwas geschenkt bekommen“, sagt Stöcker. „Das hat viele motiviert, sich mit der eigenen Absicherung im Alter zu beschäftigen.“

In die Direktversicherung zahlt Harold Scholz – angelehnt an den Chemie-Tarifvertrag – für jeden festangestellten Mitarbeiter im Jahr den sogenannten Demografiebeitrag von aktuell 338,42 Euro ein. Zusätzlich hat Rudolf Scholz, der das Ruder zu Jahresbeginn an seine Söhne Gregor und Dennis übergeben hat, jedem „Scholzianer“ bei seinem Abschied als Dankeschön eine Geldprämie spendiert, die gleichfalls in die Vorsorge fließt. Darüber hinaus will das Unternehmen den Mitarbeitern den Übergang in den Ruhestand erleichtern. „Vielen Mitarbeitern in der Produktion fällt der Vollzeitjob bis zum Renteneintritt mit 67 schwer“, erklärt Stöcker. Wer per Zeitwertkonto anspart, kann die Arbeitszeit im Alter ohne finanzielle Einschnitte reduzieren oder abschlagsfrei früher in Rente gehen. Als Bonbon zahlt das Unternehmen 200 Euro pro Jahr auf jedes Zeitwertkonto ein – als Anreiz für die Mitarbeiter, sich selbst mit kleinen Beiträgen zu beteiligen. „Die Freiheit bei der Gestaltung macht den Charme der Zeitwertkonten aus“, sagt Moltzen. Die Einzahlungen können monatlich oder jährlich erfolgen, der Betrag jederzeit in der Höhe angepasst werden. Auch bei der Auszahlung bleiben die Mitarbeiter flexibel: „Wer später doch bis 67 arbeiten möchte, kann sich das Guthaben per Einmalzahlung oder aber ab 62 in Tranchen auszahlen lassen“, sagt Moltzen. Solche Argumente sind offenbar überzeugend: Von 200 „Scholzianern“ verzichteten nur drei auf das Zeitwertkonto. Alle anderen sparen schon jetzt auf einen gelassenen Ruhestand.

 

Weitere Informationen
Stephan Moltzen, Vorsorgeexperte bei der Deutschen Bank, E-Mail stephan.moltzen@db.com
www.dws.de/produkte/altersvorsorge/zeitwertkonten/uebersicht

Service per Software

Einfache Verwaltung, volle Transparenz: Mit dem Betriebsrenten-Manager geht die betriebliche Altersversorgung (bAV) online. Das kostenlose Tool bietet Personalern im Unternehmen die Möglichkeit, Mitarbeiter präzise über das Angebot zur betrieblichen Altersversorgung zu informieren. Auch die Mitarbeiter profitieren: Sie können ihre Verträge jederzeit einsehen und sich über den Stand ihrer Anwartschaft informieren. Bei individuellen Fragen gibt es die Möglichkeit, Einzelberatungen mit Experten der Deutschen Bank zu vereinbaren. Der Betriebsrenten-Manager der Deutschen Bank wird ins firmeneigene Intranet integriert – wenn gewünscht, mit eigenem Firmenlogo und eigener Startseite.


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