Foto: Martin Joppen

Renminbi für den Mittelstand

Die Liberalisierung der chinesischen Währung kann Chancen bieten. Fragen an Lothar Meenen, Leiter des Bereiches Trade Finance und Cash Management Corporates der Deutschen Bank in Deutschland

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Herr Meenen, China liberalisiert schrittweise seine Währung, bei deutschen Mittelständlern spielt der Renminbi aber noch keine große Rolle. Warum?
China ist auf gutem Wege, den Renminbi als Weltwährung zu etablieren. Das passiert schrittweise, und es gibt noch viele Regularien und Besonderheiten. Doch wer sich jetzt nicht mit dem Thema beschäftigt, verpasst etwas: Die Vorteile der Liberalisierung können immens sein.

Welche Vorteile sind das zum Beispiel?
Wer in lokaler Währung abrechnet, findet leichter Zugang zu Geschäftspartnern, kann bessere Konditionen aushandeln, Rechnungen werden schneller beglichen. Immer mehr Firmen verwenden den Renminbi aber auch für unternehmensinterne Zahlungen, das verbessert das Währungsmanagement und senkt das Fremdwährungsrisiko.

Viele Mittelständler bearbeiten den Markt aber vor allem aus Deutschland heraus.

Ob man in China produziert, dort Tochtergesellschaften unterhält oder seine Handelsbeziehungen mit China allein von hier steuert – das Währungsthema ist für alle gleichermaßen wichtig. Inzwischen fakturieren deutsche Unternehmen in einigen Branchen sogar untereinander in der chinesischen Währung, was vor allem dann von Vorteil ist, wenn der Verkauf der Endprodukte in China erfolgt.

Viele deutsche Unternehmen erwirtschaften bereits einen beachtlichen Teil ihrer Gewinne in China. Bei der Rückführung nach Deutschland mussten sie sich jedoch mit Beschränkungen auseinandersetzen.
Inzwischen können Unternehmen ihre Liquidität in Renminbi sogar automatisiert übertragen. Im Februar vergangenen Jahres ließ die chinesische Zentralbank erstmals das grenzüberschreitende Cash Pooling in Renminbi zu. Das galt zunächst nur für Unternehmen mit Sitz in der Freihandelszone Schanghai, aber seit November 2014 ist das, mit einigen Einschränkungen, auch landesweit möglich.

Ist das die einzige Option?

Nein, es gibt Alternativen. Welche Möglichkeit die richtige ist, hängt von der Situation des Unternehmens ab. Die Hausbank kann hier wichtige Hilfestellungen bieten: Das kann zum Beispiel ein Darlehen der Tochtergesellschaft an die Mutter in Deutschland sein, die dann die Liquidität für weitere Investitionen nutzt.

Wie geht es weiter?

Der Umgang mit der chinesischen Währung wird für deutsche Unternehmen bald zum ganz normalen Tagesgeschäft gehören wie der Umgang mit Euro oder Dollar auch. Dazu trägt auch die Tatsache bei, dass sich der Renminbi komplett in die bestehenden Strukturen einbinden lässt, egal, ob Kontoführung, Außenhandelsfinanzierung, Kredite, Anlage oder Währungssicherung.

Bisher war der Renminbi sehr eng an den Dollar gekoppelt, die chinesische Regierung erlaubt jetzt eine größere Schwankungsbreite. Wie wirkt sich das auf deutsche Firmen aus?
In den kommenden Jahren wird die Volatilität weiter steigen. für Unternehmen wird das Thema Absicherung deshalb wichtiger werden – auch in dieser Hinsicht entwickelt sich der Renminbi zu einer ganz normalen Währung. Die chinesische Regierung wird ihre Öffnungspolitik jedenfalls fortsetzen – der Renminbi ist auf dem Siegeszug. Jetzt ist der ideale Zeitpunkt, sich rechtzeitig dafür aufzustellen.

 

WEITERE INFORMATIONEN
Die Broschüre „Der Renminbi: Ein Ausblick“ ist kostenlos downloadbar unter: www.deutsche-bank.de/renminbi

  • Wichtige Fragen bei der Umstellung auf den Renminbi

    1. Identifizierung von Anpassungen

    • Sollte ich Verkaufsbedingungen oder Preise mit Handelspartnern neu aushandeln?
    • Sollte ich meine Zulieferer um Preisangabe in zwei Währungen bitten
    • Welche Handelspartner werden die Umstellung am ehesten akzeptieren?
    • Kann ich durch die Umstellung Kosten sparen?
    • Gibt es weitere Vorteile?

     

    2. Interne Vorbereitungen

    • Wie kann ich Entscheidungsträger überzeugen?
    • Welche wesentlichen Aspekte müssen die Entscheider kennen?
    • Welche Mitarbeiter muss ich einbinden?
    • Über welche Regularien muss mein Unternehmen stets informiert sein?


    3. Systeme und Bankpartner

    • Ist meine aktuelle ERP-Infrastruktur geeignet?
    • Unterstützt meine Bank in China die elektronische Zahlungsabwicklung?
    • Wie kann ich Zahlungen in Renminbi mit Blick auf unterschiedliche Standards
      im chinesischen Clearing und im SWIFT- Standard durchführen?
    • Kann mich meine Bank mit Renminbi-Lösungen auch in anderen Ländern unterstützen?


    4. Forderungen und Verbindlichkeiten

    • Wird mein Forderungs- und Verbindlichkeitsmanagement beeinträchtigt?
    • Wie kann ich das Devisenkursrisiko unterschiedlicher Onshore- und Offshore- Kurse steuern?


    5. Rechnungslegung und Bilanzierung

    • Welcher Buchungskurs (Onshore oder Offshore) soll gelten?
    • Genüge ich den Anforderungen der China-Corporate-Accounting-Standards?
    • Welche bilanziellen Effekte gibt es?
    • Wie soll ich meine Kreditoren-/Debitorenpositionen in Renminbi gegenüber Offshore-Geschäftspartnern bilanzieren?

     

     

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