Mit einem Streetart-Workshop feierten Deutsche Bank und „Land der Ideen“ im Jahr 2015 das zehnjährige Bestehen der Initiative

FOTO: DEUTSCHLAND – LAND DER IDEEN / BERND BRUNDERT

Partnerbörse für junge Ideen

Die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ zeigt seit mehr als zehn Jahren, dass Innovation unser wertvollster Rohstoff ist

Text: STEPHAN SCHLOTE

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„Autist“ ist oft ein Schimpfwort für selbstbezogene Menschen, und daher haben es Menschen mit dieser Krankheit ziemlich schwer. Das musste auch Dirk Müller-Remus leidvoll erfahren, als er vor Jahren seinen eigenen autistischen Sohn zum Treffen einer Selbsthilfe­gruppe begleitete. Müller-Remus lernte viele junge, qualifizierte Menschen kennen, jeder mindestens mit Abitur – „doch alle waren arbeitslos“. Dabei haben gerade Autisten besondere Stärken: Sie finden Fehler sofort, haben eine genaue Mustererkennung und sind „gnadenlos ehrlich“, weiß Müller-Remus. Der Vater wollte helfen – und hatte eine Idee: Er gründete die Firma Auticon, das erste und einzige Unternehmen in Deutschland, das nur Mitarbeiter im Autismus-Spektrum als IT-Berater beschäftigt. Alle Consultants von Auticon sind Menschen mit Asperger-Syndrom, einer milden Variante des Autismus. Inzwischen beschäftigt Auticon über 50 Mitarbeiter in sechs deutschen Städten. Der Vater eines Autisten hatte eine Idee, er hat sie erfolgreich umgesetzt.

Ist einer wie Dirk Müller-Remus ein Einzelfall? „Definitiv nein“, sagt Michael Hüther, Direktor beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln und Vorsitzender der Jury einer Initiative mit einem großen Ziel: gute Ideen auszuzeichnen, ins Licht der Öffentlichkeit zu stellen und dadurch zu fördern. Seit 2005 unterstützt „Deutschland – Land der Ideen“ innovative Menschen wie Müller-Remus, Menschen, die auf vorbildliche Weise das Neue in die Welt bringen. Das Ziel: pfiffige Erfinder mit Kooperationspartnern zu vernetzen und damit die Verbreitung ihrer Ideen und Projekte zu fördern. Von Deutschland als einem „Land der Ideen“ sprach erstmalig der damalige Bundespräsident Horst Köhler ein Jahr vor Gründung der Initiative. Immer wieder neue Wettbewerbe werden dazu ausgeschrieben, beim wohl bekanntesten („Ausgezeichnete Orte“) kann praktisch jeder teilnehmen mit einer bereits weitgehend umgesetzten Idee: Unternehmen, Kultureinrichtungen, Universitäten, soziale und kirchliche Einrichtungen, Initiativen, Vereine, Verbände, Genossenschaften oder private Initiatoren. Rund 3000 Projekte aus allen Bereichen der Gesellschaft hat die Initiative gemeinsam mit Mitarbeitern der Deutschen Bank, unterstützt von namhaften Vertretern aus Politik und Wirtschaft, inzwischen öffentlich ausgezeichnet. Zehnmal so viele haben sich beworben, und das zeigt, dass Deutschland wohl tatsächlich ein guter und lebendiger Standort für das Neue ist. „Deutschland ist ein Innova­tions­motor“, sagt Hüther, viele Unternehmen seien regelrechte „Ideenmaschinen“. Das aber ist bitter nötig: Wohlstand und Erfolg kommen nicht aus dem Boden, „wir brauchen diese Innovationskraft und Risikobereitschaft“, sagt der ehemalige Deutsche Bank Co-Vorsitzende des Vorstandes Jürgen Fitschen. Menschen sind der vielleicht wichtigste Standortfaktor eines Landes und Ideen, so Fitschen, „unser einziger Rohstoff“. Die Bank selbst fördert den Wettbewerb „Ausgezeichnete Orte“.

Ausgezeichnet werden Menschen und Projekte aus allen gesellschaftlichen Bereichen: die Entwickler eines Warnsystems für schneebeladene Hallendächer, die Macher eines Baumhaushotels, ein Organspendeprojekt genauso wie der Erfinder eines neuen Dunstabzugs für Küchen oder die Denkwerkstatt eines Fertighausherstellers. Gekürt bei „Deutschland – Land der Ideen“ werden die besten Ideen rund um eine vorab definierte Fragestellung, mal ist es die Stadt von morgen, mal sind es Ideen rund um Bildung oder die Wende einer traditionellen Industrieregion wie Nordrhein-Westfalen, genauso wie Innovationen für Leben und Arbeit auf dem Land. Mal geht es um die Digitalisierung, mal um Mobilität, mal wie aktuell um Kooperationsideen.

Zur Fußball-WM gegründet

Über 1000 Einzelpersonen oder Gruppen aus allen gesellschaftlichen Bereichen bewerben sich jedes Jahr um eine Auszeichnung, und das hilft nicht nur den Preisträgern, sondern auch dem ganzen Land. Denn der Wettbewerb beweist die soziale, technische und kulturelle Innovationskraft der Deutschen, er zeigt der Welt eine deutsche Gesellschaft, die, so Bundespräsident Joachim Gauck, „Neuem offen und mit informiertem Blick gegenübersteht“.

Warum eine Bank Ideen fördert

„Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ ist ein Wettbewerb, den die Deutsche Bank ins Leben gerufen hat und den sie seit 2006 maßgeblich betreut. Das Ziel: Projekte zu unterstützen, die einen Beitrag für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands leisten. Warum das Ganze? „Wir sehen uns als weltweiten Begleiter auch des deutschen Mittelstands“, sagt Christian Rummel, verantwortlich für die Markenkommunikation und das gesellschaftliche Engagement der Deutschen Bank. Auswahlkriterien für einen Wettbewerbssieg sind Zukunftsorientierung, Innovation, Umsetzungsstärke und Vorbildwirkung des jeweiligen Projekts. Die aktuelle Wettbewerbsrunde heißt „NachbarschafftInnovation“ und soll zeigen, wie durch Kooperationen außergewöhnliche neue Lösungen entstehen. Denn Vernetzung und Zusammenarbeit sind Erfolgsfaktoren für die Innovationskraft unseres Landes. „Eine gesunde und innovative Wirtschaft“, sagt der für das Projekt bei der Deutschen Bank verantwortliche Christian Rummel, „kann sich nur in einem offenen und intakten ge­sellschaftlichen Umfeld entwickeln.“

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Erfinder mit Partnern vernetzen

Die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“, vormals gegründet, um Deutschland zur Fußball-WM 2006 der Welt zu präsentieren, hat sich inzwischen fest etabliert. Seit dem „Sommermärchen“ vermittelt die Initiative das Bild eines jungen, frischen und innovativen Landes, eben eines Ideen­landes. Gerade weil die Preisträger aus allen Bereichen der Gesellschaft kommen, beweist die Initiative „die Vielfalt der hiesigen Innovationslandschaft“, sagt Holger Lösch vom BDI und gleichzeitig Geschäftsführer der Initiative. Prämiert wird der gesellschaftliche Fortschritt im weitesten Sinne. So gibt es eine Auszeichnung für eine digitale Hochschulplattform, eine Jobbörse für Mitarbeiter auf Kreuzfahrtschiffen, ein kugelrundes Objektiv mit 36 Linsen oder eine App, die freiwillige Ersthelfer noch vor dem Notarzt per GPS-Ortung zu Herzinfarktpatienten ruft.

Mit alldem schafft die Initiative zweierlei: Sie hilft vielen Menschen, ihre Idee bekannt zu machen. Und betreibt damit zugleich Marketing für den Standort Deutschland. „Land der Ideen“ zeigt die Qualität des Standorts, seine Attraktivität und die Kreativität seiner Menschen. „Nation Branding“ ist der entsprechende Marketingbegriff. Auch viele andere Länder werben für sich. Doch Ideenvielfalt als zentrale Botschaft einer weltweiten Standort­kommunikation hat niemand im Portfolio. Längst ist „Deutschland – Land der Ideen“ selbst zur weltweit eingetragenen Ländermarke mit hohem Bekanntheitsgrad geworden. Das Prädikat „Ausgezeichneter Ort“ ist inzwischen ein eta­blier­tes Gütesiegel für Ideen made in Germany. Selbst an der internationalen Raumstation ISS hängt inzwischen eine Ehrentafel, stellvertretend für die Europäische Weltraumorganisation. Bei einer Umfrage unter Besuchern der Hannover Messe kannten drei von vier der befragten deutschen Besucher die Marke „Deutschland – Land der Ideen“ und das zugehörige schwarz-rot-goldene Dahlien-Logo. Bei den ausländischen Gästen waren es immerhin noch 66 Prozent.

Seit elf Jahren nun schreibt „Land der ­Ideen“ einmal jährlich einen oder mehrere Wettbewerbe aus und wirbt für Deutschland in der ganzen Welt. Doch lohnt der Aufwand? „Gute Ideen gab es in Deutschland ja schon immer“, sagt BDI-Mann Lösch. „Der Unterschied zu der Zeit vor der Initiative ist, dass sie nun gesehen und wahrgenommen werden.“ Und damit auch wirklich alles stimmt, ließ die Initiative ihre Arbeit zusätzlich vom Fraunhofer-Institut analysieren. Das Ergebnis: Die Preisträger erfahren einen nachweisbaren Entwicklungsschub durch Auszeichnung, mediale Wirkung, Netzwerktreffen und neue Kontakte. Das hat auch Dirk-Müller Remus erfahren. Seit sein Autisten-Projekt zum „Ausgezeichneten Ort“ im Land der Ideen gekürt wurde, interessieren sich sogar die Großen für ihn. Bei einem Treffen aller Gewinner kam er mit einem Vertreter des Autozulieferers Bosch ins Gespräch. Seitdem diskutiert man eine Zusammenarbeit.

 

Weitere Informationen
Website des Wettbewerbs unter www.land-der-ideen.de


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