Warten auf den Fortschritt: Nur mit mehr Reichweite und geringeren Kosten haben Elektroautos eine Chance auf höhere Marktanteile. Das jetzt vorgestellte Modell FF91 von Faraday Future wirbt mit 700 Kilometer Durchhaltevermögen

FOTO: PICTURE ALLIANCE / AP PHOTO

Im Elektroauto-Dilemma

Trotz Subventionen: Autos mit Alternativantrieb bleiben ein Nischenmarkt. Was tun?

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Hohe Anschaffungskosten, Unsicherheiten über den Wiederverkaufswert oder die Haltbarkeit der Batterie, beschränkte Reichweiten, eine unzureichende Ladeinfrastruktur oder lange Ladezeiten lassen den durchschnittlichen Autokäufer einen Bogen um Elektroautos machen. Im vergangenen Jahr nahm die Zahl der neu zugelassenen rein elektrisch angetriebenen Pkw nicht zu, sondern ab: Sie sank um 7,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Angesichts der im Frühjahr 2016 eingeführten Kaufprämie für Elektro­autos in Höhe von 4000 Euro pro batterie­elektrisches Fahrzeug, die sich Staat und Automobilindustrie zur Hälfte teilen, ist dies mehr als enttäuschend“, sagt Eric Heymann, Analyst bei Deutsche Bank ­Research und Autor eines aktuellen Kommentars zur Elektro­mobilität in Deutschland.

Besser sieht die Situation bei Hybridautos aus: Hier wurden im vorigen Jahr 47 996 Pkw neu zugelassen (inklusive Plug-in-Hybride), was einem Plus von 42,7 Prozent gegenüber 2015 entspricht. Plug-in-Hybride werden seit 2016 mit jeweils 3000 Euro bezuschusst. Insgesamt stieg der Anteil von ­Elektro- und Hybridautos an den gesamten Pkw-Neuzulassungen in den letzten Jahren zwar stetig an, er lag 2016 aber erst bei 1,8 Prozent.

Diese Kaufzurückhaltung stellt Automobil­industrie und Staat vor ein Dilemma: Strenge CO2-Grenzwerte für Neufahrzeuge erfordern hohe Investitionen der Branche in die Elektromobilität, denen auf absehbare Zeit keine entsprechenden Erlöse gegenüberstehen. Für den Staat kann es zu einer Wahl zwischen kostspieligen Subventionen auf der einen oder einem Verfehlen klimapolitischer Ziele auf der anderen Seite kommen.

Grafik:
Nur eine Minderheit fährt elektrisch oder hybrid

Nur eine Minderheit fährt elektrisch oder hybrid

Nur eine Minderheit fährt elektrisch oder hybrid

Von 100 im vergangenen Jahr zugelassenen Autos hatten weniger als zwei einen Elektro- oder Hybridantrieb.

Pkw-Neuzulassungen in Deutschland

Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt, Deutsche Bank Research

  • Neu zugelassene Elektroautos, in 1000 Stück (links)
  • Neu zugelassene Hybridautos, in 1000 Stück (links)
  • Anteil von Elektro- und Hybridautos an gesamten Pkw-Neuzulassungen, % (rechts)

Video: „Das Auto ist tot – lang lebe das Auto“


Droht deshalb ein Ausstieg der großen Automobil­hersteller? Nein, glaubt Analyst Eric Heymann. „Ohne steigende Elektrifizierung der Neuwagenflotte kann die Industrie die CO2-Grenzwerte in der EU und anderen Automärkten nicht erreichen. Sie wird trotz hoher Kosten weiter in die Elektro­mobilität investieren, um die Technologie zu verbessern und die Kosten zu senken.“

Keine Trendwende in Sicht

Und auch vom Staat erwarten Experten keine wesentlichen neuen Impulse. Das Beispiel anderer Länder zeigt, dass der Staat mit höheren Subven­tionen den Anteil von Elektroautos steigern könnte – doch das würde viel Geld verschlingen. „Im Fall der Elektromobilität kommt hinzu, dass dies eine besonders teure Technologie ist, um CO2-Emissionen zu vermeiden. Für den Klimaschutz wäre also mehr gewonnen, wenn die finanziellen Ressourcen, die derzeit in die Elektromobilität fließen, für andere CO2-arme Technologien eingesetzt würden“, so Heymann. Fazit der Untersuchung: Mit einer Trendwende bei der politischen Regulierung der CO2-Emissionen im Straßenverkehr ist kurzfristig nicht zu rechnen. „Vorerst bleibt nur die Hoffnung auf den technischen Fortschritt. Wenn der schnell genug voranschreitet, müssen Autokäufer nicht mehr zu ihrem Glück gezwungen werden, sondern werden aus freien Stücken und ohne staatliche
Förderung Elektroautos nachfragen.“

 

Die Studie
Deutsche Bank Research, aktueller Kommentar: „Elektroautos legen Fehlstart hin – Dilemma für Autoindustrie und Staat“; kostenlos downloadbar unter www.dbresearch.de/results_elektroautos


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