Schlecht greifbar: Virtuelle Währungen überfordern viele Beobachter

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Meinungen, Mythen, Missverständnisse

Revolution oder Rohrkrepierer? Eine Studie zeigt Bitcoin im Faktencheck – und spürt der Wahrheit weitverbreiteter Annahmen nach

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Kryptowährung, Blockchain, Hard Fork, Bots und Bitcoin: Die Begriffe sind allgegenwärtig, doch nur wenige Marktbeobachter können wirklich zwischen ihnen unterscheiden – geschweige denn beurteilen, welche Zukunft die neuen Währungen von Bitcoin bis Ether oder Ripple haben.

Eine neue Untersuchung von Deutsche Bank Research will etwas Licht ins Dunkel bringen. Denn viele gegenwärtige Diskussionen, die sich hauptsächlich an den übermäßigen Kurssteigerungen im vergangenen und dem deutlichen Kursrückgang zu Beginn dieses Jahres entzünden, sind wenig differenziert, bemängelt Jochen Möbert, Analyst bei Deutsche Bank Research und Autor der Studie: „Ein exzellenter Kryptoökonom muss ein Software-, ein Hardware-Experte und ein Blockchain-Spezialist sein. Angesichts dieser hohen intellektuellen Hürden fällt es den traditionellen Ökonomen schwer mitzureden. Doch auch die Bitcoin-Anhänger neigen zur Vereinfachung. Beispielsweise prognostizieren einige eine dauerhafte Marktdurchdringung und ignorieren die Nachteile von Bitcoin gegenüber konventionellen Währungen und dem traditionellen Bankgeschäft.“

Tür zu einer alternativen Wirtschaftsstruktur

Bei so viel Komplexität setzt Deutsche Bank Research darauf, zunächst verbreitete Standardaussagen einzuordnen und gegebenenfalls zu korrigieren. Ist Bitcoin wirklich überbewertet, oder wird er den gesamten Zahlungsverkehr revolutionieren? Ist die Kryptowährung wirklich ­anonym, ist die maximale Menge der Bitcoins tatsächlich festgelegt? Sieben vermeintlichen Wahrheiten über Krypto­währungen hat Analyst Möbert nachgespürt (siehe Grafik unten).

Fazit seiner Untersuchung: „Es kursieren aktuell viele fragwürdige Analogien und Fehleinschätzungen. Bis die Diskussion differenzierter wird, dürfte noch einige Zeit vergehen.“ Mit einem abschließenden Urteil hält sich der Analyst zurück. Bitcoin, so seine Studie, öffnet eine Tür zu einer alternativen, weil dezentralen Finanz-, Wirtschafts- und Gesellschaftsstruktur. Die potenziell disruptiven Folgen der Blockchain-Technologie sind überwältigend. Doch zunächst muss sie sich erst einmal durchsetzen – auch angesichts heute noch unbekannter Technologien und unvorhergesehener Probleme. Ob das wirklich geschieht und „ob Bitcoin dann noch die dominierende Kryptowährung ist, bleibt abzuwarten“.

Deutsche Bank Research: „Bitcoin – Meinungen, Mythen und Missverständnisse“, kostenlos downloadbar unter
www.dbresearch.de

Traditionelle Ökonomen haben Schwierigkeiten

Kryptowährung im Kurs-Gewitter

Seit dem Höchststand im Dezember vergangenen Jahres scheint sich der Bitcoin-Kurs auf niedrigerem Niveau zu stabilisieren. Fast jeder Experte erwartet für die Zukunft weitere intensive Ausschläge – nur die Richtung ist umstritten.

Quelle: finanzen.net
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Bitcoin im Faktencheck

Was ist dran an verbreiteten Urteilen über die Kryptowährung? Deutsche Bank Research nahm beliebte Annahmen unter die Lupe.

„Bitcoin ist eine Konkurrenz zur US-Dollar-Dominanz“

Stimmt nicht. In den nächsten Jahren ist Bitcoin wohl im besten Fall ein Transaktionsmittel und eine Wertanlage unter vielen. Sollte er andere Währungen verdrängen, tauchen riesige Fragen auf: Werden Arbeitsverträge auf Bitcoin umgestellt? Zu welchem Kurs? Sofort würde der Ruf nach Regulierung laut – und die Bitcoin-Revolution würde die eigenen Kinder fressen.

„Sobald die Regulierer einschreiten, stirbt Bitcoin“

Im US-Staat New York führte der Regulierungversuch nur zur Abwanderung von Bitcoin-Börsen, andere Länder wie Kanada oder Japan zeigten sich bisher freundlicher. Selbst wenn sich alle einig wären, bliebe die Umsetzung schwierig, das zeigen die Bemühungen rund um die Harmonisierung internationaler Finanz- markt- und Steuerregeln. Auf der Website 99bitcoins.com werden Nachrufe auf den Bitcoin gesammelt – inzwischen mehr als 280. Der erste Artikel stammt aus dem Jahr 2010.

„Bitcoin-Transaktionen und Bitcoin-Nutzer sind anonym“

Bitcoin-Transaktionen sind öffentlich, man kann jederzeit feststellen, von welchem Konto Bitcoins überwiesen wurden. Auf nahezu allen großen Bitcoin-Börsen müssen sich Nutzer ausweisen, deshalb lassen sich den Konten auch Namen zuordnen. Aber dennoch kann man mit Bitcoin anonym bezahlen, wenn man sich auskennt – so wie mit Bargeld heute auch.

„Das Geldangebot von Bitcoin ist fix“

Aktuell weitet sich das ­Geldangebot von Bitcoin alle zehn Minuten um exakt 12,5 Bitcoin aus. Prozentual entspricht das der lockeren Geldpolitik kleinerer Zentralbanken in den letzten Jahren. Erst im Jahr 2140 ist das Geldangebot fix – zumindest theoretisch. Praktisch können die Regeln bis dahin geändert werden oder das Geldangebot sogar sinken, denn viele Bitcoins gehen verloren, weil die Eigentümer die Datenschlüssel nicht mehr haben.

„Bitcoin macht den klassischen Zahlungsverkehr obsolet“

Traditionelle Zahlungsverkehrssysteme sind heute sehr viel leistungsfähiger als das Bitcoin-System. Die Systeme der Banken sind zudem über Jahrzehnte erprobt und stressresistent, wie sie immer wieder bewiesen haben.

„Die Bitcoin-Community ist bankenfeindlich“

Es ist kein Zufall, dass Bitcoin während der Finanzkrise im Jahr 2009 das Licht der Welt erblickte. Aber nur eine Randgruppe der Bitcoin-Community ist wirklich bankenfeindlich, der Mehrheit geht es um andere Ziele, zum Beispiel Bankleistungen für die Ärmsten der Armen zugänglich zu machen.

„Bitcoin ist überbewertet“

Auf Boom folgt Bust – aber diesmal könnte es anders sein. Denn erstens muss sich Bitcoin nicht refinanzieren, zweitens sind dezentrale Systeme schwer angreifbar, drittens könnte sich der Bewertungsmaßstab ändern, wenn Bitcoin wirklich das Geldsystem revolutioniert. Letztlich ist entscheidend, ob er Zahlungsmittel wird und nicht nur Spekulations­objekt bleibt.

1. August 2017

Abspaltung von Bitcoin Cash

15. September 2017

China schließt Kryptobörsen

25. Oktober 2017

Abspaltung von Bitcoin Gold

8. November 2017

Geplanter Upgrade des Bitcoin (SegWit2X) wird abgesagt

10. Dezember 2017

In den USA werden Bitcoin-Futures eingeführt und damit die Spekulation erleichtert

14. Dezember 2017

Täglich über 490 000 Bitcoin-Transkationen

19. Dezember 2017

Südkorea schließt Kryptobörse Youbit

31. Januar 2018

Facebook kündigt an, Werbung für Kryptowährungen zu verbieten

11. Februar 2018

Bitcoin-Transaktionen sinken auf unter 150 000 pro Tag

2. April 2018

Bereits neun Bitcoin-Fonds geschlossen
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Video: Was sind die Ursachen für die jüngste Bitcoin-Talfahrt?


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