Alles im Fluss: Liquidität muss sich im Unternehmen frei bewegen können, wenn sie die richtige Wirkung entfalten soll

Video: Kristina Kokhanova/iStock

Mittel immer griffbereit

Das richtige Liquiditätsmanagement gibt Unternehmen Freiheit im Alltagsgeschäft und Ressourcen für neues Wachstum. Aber wie sorgt man dafür, dass die Finanzströme richtig fließen?

Text: Stephan Schlote

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FOTOS: HOGREFE VERLAG GMBH & CO. KG

Hogrefe Verlag: Mittel aus einer Hand

Global präsent zu sein ist eigentlich eine prima Sache. Für den Hogrefe Verlag war das aber auch eine ziemliche Herausforderung. Viele Auslandskonten, viele interne Kredite. Nicht ganz selbstverständlich, da noch den Überblick zu behalten. Mit dem neuen Cash-Management-System ist das jetzt deutlich einfacher. Jürgen Hogrefe: „Wir haben tagesaktuell die gesamte Liquidität der Gruppe auf dem Schirm. Und die Auslandstöchter müssen sich ihre Mittel nicht mehr selbst besorgen, sondern bekommen sie zentral aus einer Hand.“

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Ein Produkt termingerecht und weltweit zu liefern ist selbstverständlich. Eine ganze Branche, die Logistik, hilft uns dabei. Das Buch eines deutschen Verlags zu einem Buchhändler nach Barcelona? Kein Thema. Klappt aber nur, wenn die globale Warenwelt von einer zweiten Kraft begleitet wird: der unsichtbaren Welt der Finanzströme. Und das ist dann schon ein Thema.

So wie etwa beim Psychologie-Fachverlag Hogrefe aus Göttingen. Das Portfolio umfasst 2000 psychologische Testverfahren für jedes Alter und jeden Zweck, über 2400 Buchtitel, Zeitschriften und Schulungen. Mit diesem Fokus ist das Familien­unter­nehmen ziemlich erfolgreich, und das kann nicht jeder in der Verlagsbranche von sich sagen.

Zu diesem Erfolg gehört auch eine starke europaweite Präsenz mit eigenen Standorten in 15 Ländern. Ende 2016 sind die Göttinger Psychologen auch in Spanien und Portugal groß eingestiegen, und das ist noch nicht das Ende der internationalen Wachstumsstrategie. Das aber bedeutet auch: weltweite Einnahmen, weltweite Ausgaben und verschiedene Währungen. In jedem Auslandsmarkt arbeitet eine eigene Tochtergesellschaft, nicht ganz einfach für CEO Jürgen Hogrefe, da noch den Überblick zu behalten: „Früher mussten wir praktisch Nachtschichten fahren, um zu rechnen, wie hoch die Liquidität war und wo sie steckte.“

Cash-Pooling für die Auslandskonten in Europa

Und das ist nicht ohne Risiko. Ein tagesaktueller Überblick über die Gesamtliquidität eines Unternehmens ist eines der wichtigsten Steue­rungs­instrumente überhaupt. Fehlt das, ist Blindflug angesagt. Gerade in global aufgestellten Unternehmen mit vielen eigenständigen Tochter­ge­sellschaften, vielen Konten und vielen ­Währungen ist das genaue Wissen um Größe und Termin aller Zahlungsein- und -ausgänge entscheidend – aber alles andere als selbstverständlich. Da türmen sich Überschüsse in Amsterdam, die Kollegen in ­Florenz stecken derweil tief im teuren Dispo. Und in Lissabon ­sammelt die Chefin vor Ort seit zwei Wochen jeden Euro, weil bald eine große Rechnung ins Haus steht. Effizient geht anders, zins­optimal auch. 

Etwa so wie bei den Psychologen des Göttinger Fachverlags ­Hogrefe. Inzwischen wird europaweit saldiert, vorbei die Zeiten, in denen jede Auslandstochter mit einem eigenen Darlehensvertrag hantierte, vorbei auch, dass die Mitarbeiter der Finanzbuchhaltung noch Excel-Listen vortragen müssen. Verlagschef Hogrefe hat inzwischen die Auslandskonten der europäischen Töchter in ein Cash Pooling inte­griert und freut sich nun über eine „wesentlich effizientere interne Abstimmung“ zwischen Ausland und Zentrale.

Was Liquiditäts-
management bringt

• höhere gesamtbetriebliche Effizienz
• geringerer Zinsaufwand
• erhöhte Reaktionsfähigkeit auf Liquiditätsschwankungen
• Möglichkeit zur vermehrten Ausnutzung von Skonto
• Bündelung und Lenkung von Zahlungsströmen
• tagesaktueller Überblick über die Liquidität in der Gruppe unter Einbeziehung der Konten bei Drittbanken
• leichtere Abstimmung der Konten innerhalb der Gruppe
• renditeoptimiertes „Parken“ der zentralisierten Bodensatzliquidität
• günstigere Kreditversorgung der Auslandstöchter über die Mutter

Weitere Informationen

FOTOS: SHOP APOTHEKE

Shop Apotheke: Geld ohne Grenzen

Viele Geschäftsmodelle im Netz funktionieren nur mit einer entsprechenden Banking-Lösung. Etwa das der Shop Apotheke, der am stärksten wachsenden Onlineapotheke in Europa. Das börsennotierte ­Unternehmen wächst international und hat dadurch Kunden in allen relevanten europäischen Märkten. Das aber bedeutet für Finanzchef Ulrich Wandel: „Täglich müssen Tausende grenz­überschreitende Transaktionen schnell und unkompliziert abgewickelt werden. Mit dem Cash-Management-System der ­Deutschen Bank ist das für uns kein Problem.“

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Cash Pooling schafft mehr Effizienz

Eine einzige Kreditlinie für alle und alles, auch das erleichtert das Leben in der Gruppe deutlich. Und jeden Morgen um 8.30 Uhr, damit fängt der Tag an, hat die Fachabteilung die zentrale Liquidität auf dem Schirm. Möchte der Chef schnell mal einen größeren Betrag bezahlen, weiß ­er sofort, ob das möglich ist. Das wäre früher nicht gegangen. Nicht ganz unwichtig auch, dass die zentral gepoolten Gelder sich jetzt viel besser nutzen lassen. So kann Hogrefe den höheren Cashflow nutzen, etwa für weitere Investitionen. Ergebnis: geringerer Kreditbedarf, geringerer Zinsaufwand. Allerdings gibt es derartige Cash-Pooling-Systeme nicht an jeder Ecke. Es ist ein spezielles, länder- und währungsübergreifendes Angebot der Deutschen Bank, und dass die Bank das nicht ganz schlecht macht, zeigt die Vielzahl der Auszeichnungen, die das Haus immer wieder erhält – zuletzt etwa beim „Euromoney Cash Management Survey“. Ist ein solches System erst einmal aufgesetzt, dann läuft es praktisch automatisch.

Für die Shop Apotheke Europe, die führende europäische Online­apotheke, ist das eines der wichtigsten Argumente. Mehr noch: Das Beispiel der schnell wachsenden Onlineapotheke zeigt, dass viele Geschäftsmodelle des Internetzeitalters nur mit einer zügigen und grenzüberschreitenden Verarbeitung großer Datenmengen funktionieren. „Das europaweite Cash-Pooling-System der Deutschen Bank“, sagt CFO Ulrich Wandel, „ist essenziell für die erfolgreiche Umsetzung unseres Geschäftsmodells.“

Zero Balancing zwischen internationalen Konten

Es ist ein noch junger Markt, in vielen Ländern geht das Online­geschäft mit frei verkäuflichen oder verschreibungspflichtigen Produkten erst richtig los. Um 40 Prozent und mehr wächst das inzwischen börsennotierte Unternehmen seit Jahren, und das will auch in den internen Strukturen erst mal verarbeitet sein. Die Kunden bestellen in sieben europäischen Ländern, der Zahlungsverkehr läuft über rund 20 einzelne Konten. Und das heißt im Jahresverlauf: Millionen von grenzüberschreitenden Ein- und Auszahlungen. Um da noch den Überblick zu behalten, werden einmal in 24 Stunden, tief in der Nacht, die Salden aller europäischen Konten zusammengeführt, Zero Balancing nennt sich das in der Fachsprache. Ulrich Wandel lobt noch Handhabung, Sicherheit, Automatisierungsgrad und Back-ups. „Für unsere Europa­strategie“, sagt der Finanzchef, „ist das perfekt.“


Doch das Perfekte will erkämpft sein. Gerade in international aufgestellten Unternehmen mit starken Auslandstöchtern beschneidet ein zentrales und machtvolles Cash Management immer auch die finanziel­len Freiräume vor Ort. Es geht um Status und Empfindsamkeiten, und das spürt jemand, der in einem Psychologie-Fachverlag arbeitet, vielleicht mehr als andere Finanzmenschen. Es ist der ewige Gegensatz zwischen zentral und autonom. Von einem „gewissen emotionalen ­Effekt“ bei den Landesgesellschaften berichtet Jürgen Hogrefe, der weiß, dass es Zeit braucht für Akzeptanz und Lernkurven. „Wir verdienen das Geld“, heißt es dann schnell, „aber haben keinen Zugriff?“ Falsch, sagt Hogrefe: „Das Geld ist ja da, es ist nur vor Ort nicht sichtbar.“ Das Geld ist da, die Akzeptanz inzwischen auch: Längst wissen die Länderchefs, dass es für einen größeren Betrag nur einer kurzen E-Mail bedarf. „Keine Erklärungen, keine Rechtfertigungen. Nur, wie viel und wann.“

Working Capital Management wird unterschätzt

Ein gut aufgestelltes Cash Management optimiert gerade bei internationalen Unternehmen Abläufe und Kosten. Es vergrößert die zur Verfügung stehende Liquidität deutlich. Dabei gibt es noch weitere betriebliche Möglichkeiten, zusätzliche Liquidität zu schöpfen – etwa mit einem verbesserten Working Capital Management (WCM). Ein Klassiker der inneren Finanzierung, „und wird dennoch gern mal unterschätzt“, weiß Christian Kurz, WCM-Experte bei der Deutschen Bank in Frankfurt. Es geht darum, so viel wie möglich der im Unternehmen gebundenen Mittel in Liquidität umzusetzen. Wenn Kurz sucht, findet er fast immer: „In jedem Unternehmen steckt versteckte Liquidität, und das meist nicht zu knapp.“

Eines dieser Verstecke ist der Umgang mit Forderungen, besonders dann, wenn die Außenstände hoch und die eingeräumten Zahlungsziele lang sind. Forderungsverkauf ist bei Konzernen längst Standard, jetzt erkennen auch immer mehr mittlere Unternehmen die Vorteile dieses Finanzierungsinstruments. Doch noch immer, und auch hier sind wir wieder bei der Psychologie, empfinden viele Familienunternehmer den Verkauf ihrer Forderungen als Eingeständnis finanzieller Schwäche. Dabei ist selbst eine vorübergehende Liquiditäts­unter­deckung „nichts Ehrenrühriges“, sagt Kurz, „sondern Ausdruck normalen betriebswirtschaftlichen Alltags.“ Kein Unternehmen muss ohne Not einen Monat oder länger auf sein Geld warten. Die Bank zahlt eine geprüfte Forderung nach maximal zwei Tagen aus, und das lässt sich frei wählen vom Einzelfall bis zum Dauerbetrieb. Charmanter Nebeneffekt: Die Bilanz wird kürzer, die Eigenkapitalquote steigt.

Cashmanagement optimiert Abläufe und Kosten

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deinSchrank.de: Sockelkredit für das Lager

Manchmal sind Klassiker die beste Wahl. Etwa bei der Lagerfinanzierung. Deshalb hat sich Finanzchef Philipp Koecke für einen mittelfristigen Sockelkredit entschieden. Damit bekommt Europas größter Maßmöbelexperte die benötigten Produktionsmittel deutlich günstiger vorfinanziert. Und kann sich mit der eingesparten Liquidität auf Wichtigeres konzentrieren: etwa den weiteren Ausbau des Europageschäfts – und die ungewöhnliche Werbung.

 FOTOS: MARCUS MUELLER SARAN (1)/DEIN SCHRANK.DE GMBH

Zielkonflikte sind Teil des Geschäfts

Factoring ist ein unverzichtbarer Teil eines effektiven Working Capital Management. Aber eben nur ein Teil. „Working Capital ist ein wichtiges unternehmerisches Steuerungsinstrument, eine zentrale Kennziffer“, urteilt die Unternehmensberatung Deloitte. Vielleicht sogar eine der wichtigsten überhaupt. Denn um zu wissen, wie effektiv ein Unternehmen gesamthaft arbeitet, braucht es kein tagelanges Stolpern durch Werkshallen und Lager, sondern letztlich nur diese eine Zahl: Zeitdauer des im Unternehmen gebundenen Kapitals. Branchenübergreifend liegt der sogenannte Cash-to-Cash-Zyklus bei 60 Tagen. Oder anders: Nach zwei Monaten ist das zuvor etwa für Halb­fertig­waren ausgegebene Geld wieder auf dem Konto. Dabei geht es nicht einfach darum, die eigenen Vorräte schnell mal klein zu dampfen. Wer WCM umfassend betreibt, steht immer wieder vor einem Ziel­konflikt, etwa zwischen Lagerhaltungskosten und Lieferfähigkeit.

Kennziffern sind nicht alles

Deshalb ist es wichtig, auch die Finanzierung des Working Capital in Ruhe anzusehen. So, wie das etwa beim Kölner Online-Maßmöbelhersteller deinSchrank.de geschehen ist. Das Geschäftsmodell: Die Kunden konfigurieren sich ihre Möbel selbst am heimischen Rechner und bekommen sie montagefertig in Schreinerqualität geliefert. Dies läuft so gut, dass sich der Umsatz alle zwei Jahre verdoppelt und das vormalige Start-up inzwischen Kunden in ganz Europa hat.

Das Lager will vorfinanziert sein, und das geht teuer oder günstig. Für einen Teil der dafür benötigten Bestände an Vorprodukten und Maschinen haben sich die Möbelexperten eine eigene Finanzierung geholt. Als sehr schnell wachsendes Unternehmen ist es nicht immer leicht, da die passenden Mittel zu bekommen, die Kennziffern sind wegen des Wachstums oft so, dass viele Banken sie nicht wirklich nachvollziehen. Hier schon: „Die Deutsche Bank hat unsere Situation verstanden“, berichtet Finanzchef Philipp Koecke, „und uns zur richtigen Zeit die richtigen Mittel zur Verfügung gestellt.“ Ergebnis: Über einen einjährigen, sich immer wieder erneuernden Sockelkredit finanzieren die Online­unternehmer kostenoptimal Lager und Verbindlichkeiten.


Kundenorientierung ist oberstes Gebot bei "DeinSchrank.de"


„Cash ist King“, sagt man, und das ist nicht nur so ein Spruch. Tatsache ist nun mal, dass Unternehmen fast nie wegen Überschuldung in Bedrängnis kommen, sondern wegen fälliger Verbindlichkeiten. „Mit der Liquidität steht und fällt alles“, sagt Finanzstrukturexperte Kurz. Gutes Liquiditätsmanagement ist deshalb überlebenswichtig, es bedeutet, aus den vorhandenen Mitteln das Maximale herauszuholen.

Und das heißt auch, trotz niedriger Zinsen vorübergehend ungenutzte Liquidität clever zu parken. Die Bank bietet dafür etwa das Kündigungsfestgeld an oder die Festgeldtreppe. Der Unterschied: Das Kündigungsgeld hat variable Zinsen und ist flexibler, die Treppe bietet dafür eine höhere fixe Rendite. Die Verzinsung der Einlagen ist niemals negativ, selbst wenn der Referenzzinssatz unter null notiert, Zinssteigerungen hingegen werden voll an den Kunden weitergegeben.

Zahlungsverkehr muss Routine sein

Möglich und sinnvoll ist das in den Hauptwährungen Euro, US-Dollar und britisches Pfund, wobei auch kombinierte Festgelder aus einer höher und einer niedrig verzinsten Währung (etwa USD und EUR) mit einem Mischzinssatz zur Verfügung stehen. Wollen Unternehmen mit ihrer überschüssigen Liquidität eine negative Rendite vermeiden und zugleich flexibel bleiben, gibt es kaum eine Alternative. „Vergleichbares“, sagt Rainer Rembold, Geldmarktexperte bei der Deutschen Bank in Frankfurt, „bietet niemand in dieser Anlageklasse.“

Liquidität ist ein schwankendes Element, mal ist sie zu hoch, mal vielleicht zu niedrig. Beides ist völlig normal, und für jede Situation gibt es eben eine Antwort. Nur fragen sollte man: „Das Potenzial der ­eigenen Liquidität nicht zu nutzen ist fahrlässig“, sagt Geldmarkt­experte ­Rembold. Gerade hier seien die Angebote meist „einfach, schnell und unkompliziert“. Auch in einem anderen Bereich des Liquiditäts­managements ist das nicht viel anders: „Der ­europaweite Zahlungs­verkehr muss Routine sein“, sagt Ulrich Wandel, Finanz­vorstand der Shop ­Apotheke. „Mit der Deutschen Bank sind wir paneuropäisch gut aufgestellt.“

Geld bei Minizinsen richtig parken


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