Unternehmen kommen so günstig an Kredite wie noch nie. Wer sich die niedrigen Sätze längerfristig sichern will, kann dafür verschiedene Instrumente nutzen

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Zinsen gut geschützt

Zinsmanagement hat gerade in Niedrigzinsphasen Sinn. Mit den passenden Instrumenten wappnen sich Unternehmen gegen Schwankungen. Das schafft bei langfristigen Finanzierungen Berechenbarkeit

Text: Birgit Wetjen

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Des einen Leid ist des anderen Freud: Niedrige Zinsen belasten Sparer, weil sie nach Inflation und Steuern am Jahresende vermutlich weniger Geld besitzen als zu Beginn. Unternehmen mit Finanzierungsbedarf dagegen leben in der scheinbar besten aller Welten. Dank niedriger Zinsen gibt es Finanzierungen zu historisch günstigen Konditionen. An den niedrigen Sparbuchzinsen in Euroland dürfte sich auch in naher Zukunft nur wenig ändern. Unternehmen aber leben gefährlich, wenn sie sich auf der Zinsseite in Sicherheit wiegen. Denn Kurzfristzins ist nicht gleich Langfristzins. „Die erwarteten Eurorenditen am langen Ende könnten infolge der von uns erwarteten Zinswende in den USA am Jahresende wieder leicht ansteigen“, sagt Ulrich Stephan. Der Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank beobachtet seit Jahren die Zinsbewegungen am Markt: „Gerade langfristige Zinsen folgen einer Dynamik, die an die US-Konjunktur gekoppelt ist.“ Klar ist: Wie sich der Zins genau entwickelt, kann niemand vorhersagen. Klar ist aber auch: „Viele Unternehmer fragen sich, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, die niedrigen Zinsen längerfristig abzusichern, und mit welchen Instrumenten das möglich ist“, sagt Ties Göbel, Experte für Zinsmanagement bei der Deutschen Bank.

Flexibel von aktuellen Niedrigzinsen profitieren oder einen günstigen Festzins sichern: Welche Strategie geeignet ist, hängt vor allem von den Unternehmenszielen ab. Am Anfang müsse deshalb die Bestandsaufnahme stehen, rät Göbel. Sind Investitionen geplant? Über welchen Zeitraum wird finanziert? Wie stark wird das Unternehmen belastet, wenn die Zinsen steigen? Und: Welche Risiken können maximal getragen werden – wie berechenbar muss die Zukunft also sein? Göbel: „Unternehmen sollten sich frühzeitig mit den unterschiedlichen Zinsszenarien auseinandersetzen und mögliche Konsequenzen für ihre Finanzierungen und die Rentabilität ihrer Investitionen prüfen.“ Durch den Einsatz von Zinssicherungsinstrumenten lassen sich Eigenschaften der variablen mit denen der Festsatzfinanzierung kombinieren. Ein Zinscap ist hier eine Möglichkeit: Damit profitieren Unternehmen vom aktuellen Niedrigzins, zugleich wird eine Zinsobergrenze in gewünschter Höhe festgeschrieben. Ein Zinscollar dagegen definiert eine Ober- und eine Untergrenze, innerhalb derer der Zins flexibel bleibt. Mit Cap und Collar realisieren Unternehmen unter dem Strich zwar nicht die aktuellen Topkonditionen, weil eine Cap-Prämie fällig wird. Aber sie bleiben flexibel, ohne unkalkulierbare Risiken zu schultern.

Obergrenze per Zinscap ziehen

Wolfgang Koehler, Chef der Darmstädter Privatbrauerei, hat bei seiner Finanzierung eine Obergrenze eingezogen. „In den nächsten zwölf Monaten wird wohl nicht viel passieren“, glaubt der 62-Jährige. Eine weitergehende Festlegung dagegen traut er sich nicht zu. „Auf vage Prognosen kann ich mich in meinem Geschäft nicht verlassen.“ Bereits in sechster Generation lenkt der Jurist die Geschicke des mittelständischen Familienbetriebs, der mit 48 Mitarbeitern einen Umsatz von 11,5 Millionen Euro erzielt. Dass er sich so erfolgreich gegen die Großen der Branche behauptet hat, verdankt er seiner Fähigkeit, sich Veränderungen anzupassen. Als er in einer Kneipe sah, dass jemand Bananensaft in sein gutes Bier schüttete, war er erst einmal fassungslos, erzählt er. Dann hat er eine Nacht darüber geschlafen, und die Idee für sein erstes Biermischgetränk, ein Pfirsichbier, war geboren. Seine Flexibilität bewies er auch, als er im Frühjahr die Marke „Darmstädter“ vom Markt nahm und durch „Braustüb’l“ ersetzte. Die vor 15 Jahren lancierte Zweitmarke, in moderner Bügelverschlussflasche präsentiert, traf den Geschmack der Kunden so stark, dass sie die traditionelle „Darmstädter“ abgehängt hat. „Wir mussten uns entscheiden, wer künftig Koch und Kellner sein soll“, sagt Koehler. Flaschen und Kästen wurden geschreddert, Kühlwagen, Außenwerbung und Etiketten mit einem neuen Look versehen: In den Markenrelaunch investierte das Unternehmen mehr als eine Million Euro, zum Teil kreditfinanziert über die Deutsche Bank.

Wolfgang Koehler, Chef der Darmstädter Privatbrauerei, hat bei seiner Finanzierung eine Obergrenze eingezogen. „In den nächsten zwölf Monaten wird wohl nicht viel passieren“, glaubt der 62-Jährige. Eine weitergehende Festlegung dagegen traut er sich nicht zu. „Auf vage Prognosen kann ich mich in meinem Geschäft nicht verlassen.“ Bereits in sechster Generation lenkt der Jurist die Geschicke des mittelständischen Familienbetriebs, der mit 48 Mitarbeitern einen Umsatz von 11,5 Millionen Euro erzielt. Dass er sich so erfolgreich gegen die Großen der Branche behauptet hat, verdankt er seiner Fähigkeit, sich Veränderungen anzupassen. Als er in einer Kneipe sah, dass jemand Bananensaft in sein gutes Bier schüttete, war er erst einmal fassungslos, erzählt er. Dann hat er eine Nacht darüber geschlafen, und die Idee für sein erstes Biermischgetränk, ein Pfirsichbier, war geboren. Seine Flexibilität bewies er auch, als er im Frühjahr die Marke „Darmstädter“ vom Markt nahm und durch „Braustüb’l“ ersetzte. Die vor 15 Jahren lancierte Zweitmarke, in moderner Bügelverschlussflasche präsentiert, traf den Geschmack der Kunden so stark, dass sie die traditionelle „Darmstädter“ abgehängt hat. „Wir mussten uns entscheiden, wer künftig Koch und Kellner sein soll“, sagt Koehler. Flaschen und Kästen wurden geschreddert, Kühlwagen, Außenwerbung und Etiketten mit einem neuen Look versehen: In den Markenrelaunch investierte das Unternehmen mehr als eine Million Euro, zum Teil kreditfinanziert über die Deutsche Bank.

Wolfgang Koehler, Chef der Darmstädter Privatbrauerei, hat bei seiner Finanzierung eine Obergrenze eingezogen. „In den nächsten zwölf Monaten wird wohl nicht viel passieren“, glaubt der 62-Jährige. Eine weitergehende Festlegung dagegen traut er sich nicht zu. „Auf vage Prognosen kann ich mich in meinem Geschäft nicht verlassen.“

Thesen

Zinstief: Angesichts historisch niedriger Zinssätze wächst in vielen Unternehmen das Interesse an Absicherungsinstrumenten. Gerade bei längerfristigen Finanzierungen wollen viele Firmen Planungssicherheit.

Instrumente: Unterschiedliche Sicherungsstrategien erfordern unterschiedliche Instrumente. Obergrenze festsetzen? Zinsen festschreiben? Die Vielfalt der Instrumente ist groß, eine genaue Analyse der eigenen Risiken deshalb wichtig.

Darmstädter Privatbrauerei: Cap

Vom „Darmstädter“ zum „Braustüb’l“: Die Erfolgsmarke in der Flasche mit Ploppverschluss aus dem Hause Darmstädter hat das Zeug zum Kultgetränk. Wolfgang Koehler, in sechster Generation Chef der Darmstädter Privatbrauerei, hat den Markenrelaunch teilweise per Kredit finanziert. Bei der Finanzierung über sechs Jahre wollte er von den aktuell günstigen Geldmarktzinsen profitieren, ohne unkalkulierbare Risiken zu nehmen. Deshalb hat er per Zinscap eine Zinsobergrenze fixiert. Koehler: „Mit einer Versicherung gegen den Worst Case schläft man einfach besser.“

Grafik:
Mögliche Strategien im Zinsmanagement

Mögliche Strategien im Zinsmanagement

Mögliche Strategien im Zinsmanagement

Unterschiedliche Ziele erfordern einen unterschiedlichen Umgang mit Sicherungsinstrumenten. Weil Risiken diversifiziert werden sollten, ist in der Praxis oft eine Kombination empfehlenswert.

Quelle: Deutsche Bank 2014

Bereits in sechster Generation lenkt der Jurist die Geschicke des mittelständischen Familienbetriebs, der mit 48 Mitarbeitern einen Umsatz von 11,5 Millionen Euro erzielt. Dass er sich so erfolgreich gegen die Großen der Branche behauptet hat, verdankt er seiner Fähigkeit, sich Veränderungen anzupassen. Als er in einer Kneipe sah, dass jemand Bananensaft in sein gutes Bier schüttete, war er erst einmal fassungslos, erzählt er. Dann hat er eine Nacht darüber geschlafen, und die Idee für sein erstes Biermischgetränk, ein Pfirsichbier, war geboren. Seine Flexibilität bewies er auch, als er im Frühjahr die Marke „Darmstädter“ vom Markt nahm und durch „Braustüb’l“ ersetzte. Die vor 15 Jahren lancierte Zweitmarke, in moderner Bügelverschlussflasche präsentiert, traf den Geschmack der Kunden so stark, dass sie die traditionelle „Darmstädter“ abgehängt hat. „Wir mussten uns entscheiden, wer künftig Koch und Kellner sein soll“, sagt Koehler. Flaschen und Kästen wurden geschreddert, Kühlwagen, Außenwerbung und Etiketten mit einem neuen Look versehen: In den Markenrelaunch investierte das Unternehmen mehr als eine Million Euro, zum Teil kreditfinanziert über die Deutsche Bank.

So flexibel er seine Geschäfte auch managt – bei den Finanzen setzt Koehler auf Sicherheit. Eine Finanzierung ohne zusätzliche Absicherungskosten hat ihn angesichts der aktuellen Topkonditionen zwar gereizt, letztendlich aber war ihm die Sache zu heiß. „Die Finanzierung läuft über sechs Jahre. In dieser Zeit kann viel passieren.“ Den Söhnen, die das Ruder in ein paar Jahren übernehmen, wolle er keine Risiken übertragen. Aber auch ein einfacher Festzins über die gesamte Laufzeit zu Konditionen weit oberhalb des aktuellen Kurzfristzinses war für ihn keine Option. „Mir ist es wichtig, einen Worst Case abzusichern“, sagt Koehler, „aber ich möchte auch von den aktuell niedrigen Zinsen profitieren.“

Mit den Spezialisten der Deutschen Bank fand Koehler die passende Lösung. Für seinen Kredit wurde per Zinscap eine Obergrenze festgeschrieben. Dafür zahlt er am Laufzeitbeginn eine einmalige Prämie und während der Kreditlaufzeit den Drei-Monats-Euribor zuzüglich einer Kreditmarge. Damit liegt die Liquiditätsbelastung zwar im Moment höher als bei einem voll variablen Kredit ohne Zinssicherung. Aber im Gegenzug hat der Unternehmer Kalkulationssicherheit, denn für ihn ist der Drei-Monats-Euribor bei einem Prozent gedeckelt. Auch wenn die Zinsen – wie in der Vergangenheit durchaus üblich – über der Ein-Prozent-Grenze notieren, wird das Koehler nicht belasten. Er zahlt dann nur 1,0 Prozent plus die Kreditmarge: „Wenn ich für eine überschaubare Versicherungsprämie sechs Jahre Zinssicherheit bekomme, gönne ich mir den ruhigen Schlaf.“

Swap schont Liquidität

„Ein Zinscap eignet sich für diejenigen, die keinen starken Anstieg der Zinsen erwarten, sich aber gegen mögliche Zinsänderungsrisiken absichern wollen“, erklärt Deutsche Bank Experte Göbel. Allerdings wird die Cap-Prämie für die gesamte Laufzeit in der Regel schon bei Vertragsbeginn fällig. Rolf Plöger, kaufmännischer Leiter des Fruchthofs Northeim, hat sich deshalb für einen Swap entschieden. „Für die Absicherung zahle ich monatlich einen Differenzbetrag, sodass die Liquidität nicht belastet wird.“ Mit Abschluss eines Payer-Swaps werden Zahlungsströme zwischen Vertragspartnern getauscht – der Kreditnehmer wandelt so einen variablen in einen fixen Zinssatz und erhält dadurch für die gesamte Laufzeit Kalkulationssicherheit sowie Flexibilität in Bezug auf eine mögliche vorzeitige Kreditrückzahlung. Und das hat für Plöger Priorität. Vor 17 Jahren wechselte er von einer Unternehmensberatung als kaufmännischer Leiter zum Fruchthof Northeim, einem mittelständischen Unternehmen in Familienbesitz mit 190 Mitarbeitern an drei Standorten.

Fruchthof Northeim: Swap

Mit Obst, Gemüse und Convenience-Produkten beliefert der Fruchthof Northeim den Groß- und Einzelhandel sowie Großverbraucher und ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Der Wareneinkauf im Wert von rund acht Millionen Euro wird vorfinanziert. „Die Zinsrisiken sind enorm“, sagt Rolf Plöger, kaufmännischer Leiter des Unternehmens. Für ihn hat Kalkulationssicherheit oberste Priorität. 2015 läuft die bestehende Zinssicherung aus. Bereits jetzt hat er sich per Forward-Zinsswap eine günstige Anschlussfinanzierung gesichert.

Die Produktspezialisten richteten das Angebot konsequent auf die Kundenbedürfnisse aus und konnten im umkämpften Markt wachsen. Beliefert werden Groß- und Einzelhandel, Krankenhäuser, Kantinen, Gastronomen und Cafés – mit Obst und Gemüse, auch mit Biosiegel. Neben der Rohware haben die Südniedersachsen aber auch rund 700 Convenience-Produkte wie verzehrfertigen Salat, Antipasti, Feinkostsalate, Fisch- und Molkereiprodukte im Angebot. Damit die Ware frisch beim Endverbraucher ankommt, wird viel Geld in Qualitätssicherung investiert. Allein rund 20000 Quadratmeter Klima- und Kühlfläche hält das Unternehmen vor.

In den vergangenen Jahren hat sich der Umsatz rasant auf 125 Millionen Euro erhöht. Mit der Unternehmensgröße wuchsen die Anforderungen ans Risikomanagement. Plöger hat deshalb die Qualitäts- und Risikomanagementsysteme konsequent auf- und ausgebaut und systematisch miteinander verzahnt. „Die Zinsrisiken sind für uns erheblich, weil wir regelmäßig rund acht Millionen Euro für den Einkauf von Ware vorfinanzieren müssen“, sagt Plöger. An Zinsspekulationen mag er sich nicht beteiligen. „Wir haben keine Glaskugel“, sagt er schlicht. „Wir betreiben Risikomanagement, und da gilt es, Risiken konsequent auszuschalten.“

Bereits 2009 hatte er die Zinsen zunächst per Cap gedeckelt und 2010 nach gesunkenem Zinsniveau mit zwei Swaps bis September 2015 festgeschrieben. Die aktuell günstigen Konditionen sicherte er sich jetzt per Forward-Zinsswap für weitere drei Jahre. Damit ist er bis 2018 zu einem festen Zinssatz gesichert. „Ohne Sicherung bekäme ich zwar günstigere Konditionen, aber vielleicht zahle ich dann in zwei oder drei Jahren deutlich drauf“, sagt Plöger, der mit einem Zinsswap nicht von sinkenden Zinsen profitiert. „Auf diesem Niveau verzichte ich gern darauf, wenn ich dafür Kalkulationssicherheit bekomme.“

Mit dem Einsatz von Derivaten können Unternehmen ihre Zinsrisiken passgenau steuern und sich auch für Anschlussfinanzierungen günstige Konditionen sichern. Je nach Marktmeinung ist es auch möglich, unterschiedliche Instrumente miteinander zu kombinieren. Ein Flexi-Swap etwa verbindet einen Zinscap mit begrenzter Laufzeit mit einem Zinsswap. So lassen sich für ein bis zwei Jahre flexible Zinsen mit Obergrenze vereinbaren, anschließend wird per Swap ein Zinssatz festgeschrieben. Egal, welche Instrumente ein Unternehmen wählt: Im aktuellen Zinstief ist eine Absicherung zu günstigen Konditionen zu haben. „Lieber zahle ich im niedrigen Bereich etwas drauf als im hohen Bereich viel“, erklärt Plöger. Denn er weiß: „Hat die Zinswende erst begonnen, kann es schnell richtig teuer werden.“

 

Weitere Informationen
Kontakt: Ties Göbel, Deutsche Bank AG, Capital Markets & Treasury Solutions, E-Mail ties.goebel@db.com

Weniger Risiko bei Vorfinanzierung


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