Händchen halten statt steuern: Bis zum selbstfahrenden Auto ist es ein weiter Weg. Doch die Branche verändert sich jetzt schon

Foto: RINSPEED

Alles ganz lässig

Das digitale Auto nimmt Gestalt an – und das ist eine gute Sache, zeigt eine neue Studie von Deutsche Bank Research

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Batteriehersteller entwickeln bessere Stromspeicher, Softwarekonzerne basteln an Bild­erkennungsprogrammen, Zulieferer an Assistenzsystemen – die traditionelle Automobil­industrie und bislang branchenfremde Unternehmen arbeiten mit Hochdruck an Zukunftstechnologien für ein vernetztes, autonomes, stau- und unfallfreies Fahren. „Das digitale Auto in seiner Idealform ist keine utopische Zukunftsvision, sondern nimmt allmählich Gestalt an“, schreib Eric Heymann, Automobilexperte bei Deutsche Bank Research. Das „digitale Auto“ hat das Zeug, gerade in Städten zu einem besseren Verkehrsfluss beizutragen. Vor allem aber verändert es schon jetzt eine Branche, die ohnehin angesichts eines geänderten Mobilitätsverhaltens in Bewegung ist. Vier Prognosen stehen im Zentrum der neuen Studie.

Erstens: Das digitale Auto kommt, aber es kommt nicht so schnell, wie mancher glaubt. Haltbare Autos, lange Entwicklungszeiten und eine nur langsame Änderung der Konsumgewohnheiten führen zu einer Evolution statt Revolution. „Es werden noch mehrere Jahrzehnte vergehen, bis das ‚digitale Auto‘ den Pkw-Bestand weitgehend durchdrungen hat; vor 2040 wird dies wohl nicht der Fall sein“, so Heymann.

Zweitens: Die Autoindustrie wird von steigenden Umsätzen profitieren. Doch gleichzeitig treten neue Unternehmen auf den Plan. „Der Sektor wird deutlich heterogener und komplexer. Kooperationen ändern in den kommenden Jahren das Bild der Branche“, glaubt Heymann. Trotz dieser Kooperationen bleibe der Wettbewerb in der erweiterten Automobilindustrie intensiv.

Grafik:
Automärkte der Zukunft

Automärkte der Zukunft

Automärkte der Zukunft

Umsatzschätzung (in Mrd. US-Dollar): Die Autohersteller gewinnen, aber noch mehr profitieren junge Branchen wie Carsharing oder Big Data.

Quelle: McKinsey

  • Autoverkauf
  • Shared Mobility
  • Aftermarket
  • Datenmarkt

Video: „Das digitale Auto – Mobilität von übermorgen“


Drittens: Die echten Gewinner des Trends zum digitalen Auto stehen noch nicht fest. Zwar haben IT-Unternehmen in vielen Teilaspekten die Nase vorn. Doch der Angriff auf die traditionellen Hersteller könnte sich als unerwartet schwierig erweisen. Heymann: „Die Beherrschung der gesamten Wertschöpfungskette in einem Massenmarkt stellt eine beachtliche Marktzutrittsbarriere für Newcomer dar. Die eigentliche Automobilproduktion bleibt wohl auch künftig die Domäne der traditionellen Autohersteller.“

Kaufen? Nein, danke

Neue Branchen entstehen abseits der Autoproduktion. Carsharing (Car2go, DriveNow) oder Ride­sharing (Uber, Gett oder Lyft) profitieren von einer neuen Einstellung zum Auto. Allerdings: „Hier steht in den nächsten Jahren eine Konsolidierungswelle an“, so Heymann. Ob sich dabei Töchter der Automobilhersteller oder Start-ups durchsetzen werden, ist offen. In jedem Fall – so die vierte These – kann der neue Umgang mit Autos in Zukunft durchaus zu einer besseren Verkehrslage führen, auch wenn dabei nicht das Verkehrsaufkommen insgesamt sinken wird, sondern die Auslastung der Fahrzeuge steigt. Insgesamt warnt Heymann vor übertriebener Euphorie. Unter dem Strich sei der Automarkt weniger anfällig für kurzfristige Revolutionen als etwa der Markt für elektronische Konsumgüter. „Es wäre nicht überraschend, wenn auch in 15 bis 25 Jahren viele der heute aktiven Automobilhersteller und Zulieferer die Trends beim ‚digitalen Auto‘ maßgeblich mitbestimmten.“

Die Studie
Deutsche Bank Research: „Das ‚digitale Auto‘. Mehr Umsatz, mehr Konkurrenz, mehr Kooperation“, kostenlos downloadbar unter www.dbresearch.de


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