Stefan Bender (48) leitet seit zwei Jahren das Firmenkunden­geschäft der Deutschen Bank. Vorher war er in Deutschland Leiter des Bereichs Außen­handelsfinanzierung und Zahlungsverkehr

Foto: Thorsten Jansen

„Der Mittelstand hat für uns immense Bedeutung“

Stefan Bender, Leiter des Firmenkundenbereichs bei der Deutschen Bank, sieht trotz Protektionismus viele Chancen im Ausland – und unterstützt Unternehmen mit seiner Initiative „Globale Hausbank“ bei der Internationalisierung

Interview: Boris Burauel

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Herr Bender, bislang galt der deutsche Mittelstand in anderen Ländern als Vorbild. Inzwischen wird ihm sein internationaler Erfolg gern vorgeworfen. Ist die Kritik etwa Donald Trumps an den „schlechten Deutschen“ gerechtfertigt?
Präsident Trump beschwert sich über den Erfolg deutscher Autos, hat aber kein Problem damit, dass wir zum Ausgleich amerikanische Handys kaufen – allzu ernst sollte man die Kritik also nicht nehmen. Aber sie ist Teil eines Trends, über den ich mir durchaus Sorgen mache. Experten sprechen vom „2-D-Zeitalter“, das geprägt ist von De-Internationalisierung und De-Demokratisierung. In einigen Ländern werden demokratische Grundregeln eingeschränkt. Und wirtschaftlich besinnt sich jeder wieder auf sich selbst, siehe Trump.

Glauben Sie, dass es für deutsche Unternehmen im Ausland wirklich schwieriger wird?
Ganz sicher in dem Sinne, dass man sich als Unternehmer viel mehr Gedanken darüber machen muss, wo die Wachstumschancen im Ausland liegen. Die Welt ist heute kein Spielfeld mehr, bei dem ich in jedes Land meinen Stein setzen kann. Nehmen Sie nur die Türkei. Deren bisheriges Erfolgskonzept, als Brücke zwischen Ost und West zu dienen, hat in den vergangenen Jahren zu vielen Direktinvestitionen geführt. Jetzt plötzlich müssen sich Unternehmer gleich eine ganze Reihe von Fragen stellen: Wie ist das Verhältnis der Türkei zu Europa? Wie wird sich der Binnenmarkt dort entwickeln? Wie sicher ist es überhaupt noch, von dort aus für Asien zu produzieren?

Eine Umfrage der Außenhandelskammern hat ergeben: Deutsche Unternehmer sind optimistisch, aber sie sehen die politische Lage in vielen Ländern als Problem. Deckt sich das mit Ihren Erfahrungen?
Absolut. Die Lage wird unübersichtlicher, bleibt aber chancenreich. Einerseits schotten sich immer mehr Länder nach außen ab. Andererseits gibt es aber auch das gegenteilige Phänomen: Immer größere Regionen der Welt werden zu „One Factory Floors“, in denen grenzüberschreitend Wertschöpfungsketten aufgebaut werden können. Asien ist ein gutes Beispiel, aber auch Europa. Sollte es zu einem harten Brexit kommen, werden nicht Steuern oder Handelsverträge das große Problem werden, sondern ganz einfach die Tatsache, dass sich an der Grenze wieder stundenlang die Züge und Lkw stauen und deshalb die Just-in-time-Lieferketten auseinanderfallen.

Aber was bedeutet das konkret für Mittelständler? Müssen sie es sich zweimal überlegen, bevor sie ins Ausland gehen?
Wer Teil einer Wertschöpfungskette ist, hat keine Wahl: Er muss ins Ausland, und sei es nur, weil sein großer Partner dort auch schon ist. Und die Effi­zienz dieser internationalen Wertschöpfungs­ketten bietet gerade deutschen Mittelständlern riesige Chancen. Wer es schafft, sich in eine komplexe Lieferkette einzufügen, kann sehr erfolgreich sein. Man muss nur Wege finden, das clever zu machen.

Worauf kommt es dabei an?
Die richtige Planung ist wichtig, aber das größte Hindernis ist für viele deutsche Unternehmen beim Gang ins Ausland noch immer die unterschiedliche Kultur. Die kann sich schon zwischen Nachbarländern extrem unterscheiden. Nehmen Sie das Beispiel Joint Venture. Trotz aller Fremdheit versteht ein Japaner unter einer Partnerschaft dasselbe wie ein Deutscher: Wir arbeiten vertrauensvoll zusammen zum gegenseitigen Vorteil. In China ist das etwas völlig anderes: Dort wird ein Joint Venture schnell zum harten Wettbewerb um den größeren Vorteil für eine Seite. Wer solche kulturellen Differenzen nicht kennt und rechtzeitig einbezieht, könnte schon gleich am Anfang scheitern.

Globale Hausbank

Die Deutsche Bank ist in mehr als 60 Ländern mit eigenen Filialen vertreten und mit den Besonderheiten der jeweiligen Märkte vertraut. In rund der Hälfte davon – darunter alle wichtigen Märkte wie China, Indien oder die USA – arbeitet sie als Bank mit eigener Zulassung und kann damit deutschen Firmenkunden ohne den Umweg über eine Partnerbank Leis­tungen vor Ort anbieten. Zentraler Ansprechpartner ist der Firmenkundenberater in Deutschland, unterstützt von einem speziellen Kompetenzzentrum für Mittelständler und den Experten in den einzelnen Ländern.


„Der Berater hier vor Ort entscheidet, ob in China ein Konto eröffnet wird“

Kann die Bank dabei helfen?
Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Wir hatten in Stuttgart einen Mittelständler, der nach China gehen wollte. Also haben wir ihn zu einem Unternehmeressen eingeladen und mit einigen Firmenchefs zusammengebracht, die dort schon lange unterwegs sind. Kaum erzählte er dort von seinem Plan eines Joint Ventures, kamen von allen Seiten die Tipps: Nehmen Sie bloß keinen lokalen Rechtsanwalt! Beziehen Sie einen internationalen Wirtschaftsprüfer ein! Der Unternehmer hat natürlich mit großen Ohren dagesessen. Wir haben dann anschließend einen Termin mit unseren Mitarbeitern in China gemacht und dort gemeinsam überlegt, wie man es am besten angeht. Da konnten wir mit unserer umfangreichen Chinaerfahrung helfen.

Zählt solche Beratung mehr als die richtigen Bankprodukte?
Nein, aber das ist ein ganz anderes Thema. Eine Bank, die ihre Kunden ins Ausland begleitet, muss die ganze Lösungspalette parat haben, vom Akkreditiv bis zu Währungssicherung. Aber es macht vor allem einen Riesenunterschied aus, ob sie wirklich global aufgestellt ist, also eine eigene Niederlassung im Land unterhält, oder dort nur mit einem Partner vertreten ist.

Wo ist der Unterschied?
Anders als viele Großunternehmen geben Mittelständler ihren Töchtern im Ausland gern große ­Eigenständigkeit, weil sie das schneller und beweg­licher macht. Vielleicht brauchen diese dann vor Ort ein eigenes lokales Konto – das können wir ihnen nur geben, wenn wir dort eine Vollbanklizenz haben. Oder nicht die Mutter in Deutschland, sondern die Tochter in China möchte einen ­Kredit – Diesen kann man als Kunde erhalten, da die ­Deutsche Bank dort registriert ist. Und natürlich ist es ein gewaltiger Unterschied, ob wir Probleme bei Zahlungen sofort direkt regeln können oder erst bei einer lokalen Partnerbank anrufen müssen – die sich dann womöglich mehr Zeit lässt, als wir das selbst tun würden. Wir sind inzwischen in mehr als 30 wichtigen Ländern als Bank registriert.

Die Deutsche Bank wirbt derzeit intensiv um den Mittelstand und präsentiert sich als „Globale Hausbank“. War sie das nicht schon immer?
Hinter dem Begriff verbirgt sich einerseits unser Anspruch, unseren Kunden überall auf dem Globus ein Partner zu sein. Das war schon immer die Kernkompetenz der Deutschen Bank. Aber es geht auch um eine ganz konkrete Initiative: Wir haben uns zum Ziel gesetzt, unser Know-how noch effizienter als bisher auch dem Mittelstand zur Verfügung zu stellen. Der deutsche Mittelstand hat für uns als Bank immense Bedeutung!

Was heißt das konkret?
Wir bauen unsere Organisation so um, dass wir auch für die speziellen Bedürfnisse unserer mittelständischen Kunden gerüstet sind. Ich nenne Ihnen drei Beispiele: Erstens sorgen wir dafür, dass der Kundenberater in Deutschland sofortigen Zugriff auf das gesamte Know-how der Bank bekommt, indem wir ihm ein eigenes Kompetenzzentrum zur Seite stellen. Zweitens geben wir ihm die nötige Autorität, direkt Entscheidungen zu treffen. Nicht das Büro im Ausland, sondern der Berater hier vor Ort entscheidet, ob ein Konto in China oder Indien eröffnet wird oder nicht. Und drittens installieren wir in den wichtigen Auslandsmärkten spezielle Mittelstandteams. Wir sorgen also dafür, dass nicht zuerst die Anfrage des Großkonzerns be­arbeitet wird und dann erst der kleinere Kunde an die Reihe kommt.

Braucht der Mittelstand spezielle Produkte?
Das Instrumentarium ist vorhanden und bewährt. Aber es ist oft teuer. Auch setzen wir an, indem wir Mittelständlern Pakete von Bankdienstleistungen schnüren und dann zu einem günstigen Preis anbieten. Die Einfachheit und Preistransparenz kommt sehr gut an. Die Wirtschaft brummt, die Zinsen sind niedrig, die Ausfallraten ebenso. Eigentlich gute ­Voraussetzungen für den Gang ins Ausland.

Das stimmt. Aber ein solcher Schritt wirkt sich lang­fristig aus, deshalb muss ein Unternehmen die Kraft haben, auch andere Perioden durchzustehen.
Das muss auch für uns als Bank gelten. Wir sind in Russland geblieben, als andere Banken flüchteten, und wir haben die Stellung in der Ukraine gehalten, als es dort ungemütlich wurde. Partnerschaft muss sich in schwierigen Zeiten bewähren. Die Welt ändert sich, aber wir bleiben auf Kurs.

 

Weitere Informationen
Infos zur Mittelstandsinitiative unter www.deutsche-bank.de/globale-hausbank


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