Firmenchef Ralf Schubert (rechts), kaufmännischer Leiter Jörg Brenner: IT-Kompetenz schafft Wachstum, die richtige Finanzierung ebnet die Wege

Foto: Berthold Steinhilber

„Wir verpacken das!“

Von Crailsheim aus beliefert die Gerhard Schubert GmbH Industriekonzerne mit Verpackungsmaschinen. Jetzt treibt der Weltmarktführer entschlossen die Digitalisierung und Internationalisierung voran

Text: Thomas Mersch

zum Artikel

results Abonnement

So kommt results direkt auf Ihren Schreibtisch

Mit dem kostenlosen Print-Abo verpassen Sie keine Ausgabe und haben wichtige Tipps und Analysen für Mittelständler stets griffbereit.

Hier kostenfrei bestellen

Heinz Brotz kriegt alles in den Griff. Lego-Räder, Tabletten, zimtbestäubte Kekse – für Produkte jedweder Art baut er die passenden Greifwerkzeuge. Über die Jahre haben seine Prototypen einen ganzen Schrank gefüllt. Brotz, ein kräftiger Typ mit längerem grauen Haar und Bikerbart, nimmt einen Greifer. Der findet dank eines optischen Scanners spielend die Löcher von Brezeln – auch wenn sie durcheinander auf dem Fließband liegen. Am Ziel bewegen sich vier Tentakel leicht nach außen und befördern die Brezel mit Hochgeschwindigkeit in ihre Packung.

Die Greifer sind ein Schlüssel für den Erfolg von Brotz’ Arbeitgeber Gerhard Schubert GmbH. Das Unternehmen aus der 30 000-Einwohner-Stadt Crailsheim nahe Schwäbisch Hall ist Weltmarktführer für digitale Verpackungsmaschinen. Butter und Pralinen lassen die Anlagen geschickt im Karton verschwinden. Das Euro-Starterkit, Botox-Spritzen – ebenso mit Schubert-Technik verpackt. Mittlerweile werden auch Flüssigkeiten wie Shampoo oder Duschgel abgefüllt . Stolze 30 Prozent beträgt der globale Marktanteil. Die erste Verpackungsmaschine nach dem Baukastenprinzip 1972, der erste Verpackungsroboter 1985, die erste Anlage ohne Schaltschrank 2014 – es sind nur drei Beispiele für bahnbrechende Ideen, mit denen Gründer Gerhard Schubert das Unternehmen an die Spitze gebracht hat. Als Nachfolger strebt sein Sohn Ralf seit gut zehn Jahren bei Internationalisierung und der digitalen Vernetzung mit Lieferanten und Kunden – Industrie 4.0 genannt – in neue Dimensionen.

Zur Selbstständigkeit kam der talentierte Unternehmensgründer Gerhard Schubert Mitte der 1960er-Jahre, als sein damaliger Chef ihm eine Lohnerhöhung verweigerte. Von da an widmete sich Schubert ganz seiner neuen Lebensaufgabe: die flexibelste Verpackungsmaschine der Welt zu bauen. Eine Anlage, aus Modulen zusammengesetzt, die in großen Stückzahlen gebaut werden kann – und doch genau auf die Bedürfnisse der Industrie abgestimmt. Trends hat Schubert, der nach 51 Jahren auch heute noch jeden Tag in der Firma ist, dabei stets mit gesunder Distanz betrachtet. Die Produktionsverlagerung der deutschen Industrie nach Osteuropa Ende der Neunzigerjahre? Bis heute wurde jede Schubert-Maschine in Crailsheim gefertigt. 80 Prozent der Zulieferer sind in einem Umkreis von 40 Kilometern beheimatet.

Ins Ausland mit Finanz-Know-how

Dabei wirtschaftet Schubert hoch international: 70 Prozent des Umsatzes macht das Unternehmen im Ausland. Auch globale Konzerne wie Mars oder L’Oréal schicken ihre Produktionsexperten nach Crailsheim zur Abnahme einer neuen Anlage. Die wird anschließend in Module zerlegt und mit dem Schiff auch nach Übersee geliefert – wenn es schnell gehen muss, gar im Flieger. In den wichtigen Märkten USA, Kanada und Großbritannien hat Schubert eigene Niederlassungen für Vertrieb und Service. Gibt es einen Brexit- oder Trump-Effekt, der das Geschäft schwächt? „In Großbritannien spüren wir schon eine gewisse Zurückhaltung“, sagt Ralf Schubert. In den USA dagegen sorge der schon seit Jahren anhaltende Ausbau des produzierenden Gewerbes für einen verlässlichen Auftragseingang. „Der deutsche Maschinenbau hat hier viele Lösungen, die andere schlicht nicht anbieten können.“

Das Ziel: Die weltweit flexibelste Maschine für Verpackungen

  • Foto: BERTHOLD STEINHILBER
    Verpackungstechnik als Hightech-Job: „Wir wollen besser sein, als die Softwarefirmen je sein können“
  • Foto: BERTHOLD STEINHILBER
    "Wir verpacken fast alles": Mittlerweile werden bei Schubert auch Flüssigkeiten wie Shampoo oder Duschgel abgefüllt. Stolze 30 Prozent beträgt der globale Marktanteil.
  • Foto: BERTHOLD STEINHILBER
    70 Prozent des Umsatzes macht das Unternehmen im Ausland. Auch globale Konzerne wie Mars oder L’Oréal schicken ihre Produktionsexperten nach Crailsheim zur Abnahme einer neuen Anlage. Die wird anschließend in Module zerlegt und mit dem Schiff auch nach Übersee geliefert – wenn es schnell gehen muss, gar im Flieger.
  • Foto: BERTHOLD STEINHILBER
    Im internationalen Geschäft nutzt Schubert verschiedene Garantiearten der Deutschen Bank – von der Anzahlung über die Vertragserfüllung bis hin zur Gewährleistung. Kunden des Maschinenbauers erwarten solche Garan­tien, um sich gegen Risiken abzusichern.
  • Foto: BERTHOLD STEINHILBER
    Bis heute wurde jede Schubert-Maschine in Crailsheim gefertigt. 80 Prozent der Zulieferer sind in einem Umkreis von 40 Kilometern beheimatet.

3-D-Drucker produzieren Ersatzteile direkt beim Kunden

Optimistisch hat Schubert das Ziel ausgegeben, den Umsatzanteil des Nordamerikageschäfts von 15 auf 30 Prozent zu verdoppeln. Unterstützt wird das Unternehmen im Export von der Deutschen Bank, die Fremdwährungskonten in US-Dollar, britischem Pfund und australischem Dollar führt. „Verkäufe im Ausland werden dabei über sogenannte grundgeschäftsbezogene Termin­geschäfte abgesichert. Das heißt: Die Sicherungsgeschäfte beziehen sich exakt auf die Summe, die die jeweilige Anlage kostet“, sagt der kaufmännische Leiter Jörg Brenner – Schubert kann so planen, als würde diese in Euro verkauft.

Im internationalen Geschäft nutzt Schubert zudem verschiedene Garantiearten der Deutschen Bank – von der Anzahlung über die Vertragserfüllung bis hin zur Gewährleistung. Kunden des Maschinenbauers erwarten solche Garan­tien, um sich gegen Risiken abzusichern. Ein möglicher Fall: Die bestellte und angezahlte Maschine kann nicht geliefert werden.

Auch im asiatischen Markt, wo noch viel von Hand verpackt wird, sieht Schubert Chancen. Dabei helfen soll die jüngst vorgestellte erste Maschine, die auch Primärverpackungen beherrscht. Das sind sogenannte Schlauchbeutel, in denen etwa Schokoriegel verpackt werden – alles nahtlos integriert in das bestehende Baugruppen-System. „Es ist nicht erkennbar, dass uns die Ideen ausgehen werden“, zeigt sich Ralf Schubert selbstbewusst. Wichtig in Schwellenländern: Die Maschinen müssen leicht zu bedienen und zu warten sein. Plug & Play heißt das Leitbild, das Schubert mit seiner technisch reduzierten schaltschranklosen Verpackungslinie verfolgt.

Softwareindustrie als Konkurrenz

Sein Informatikstudium, das der maschinenbaubegeisterte Vater zunächst kritisch sah, erweist sich bei Ralf Schuberts Vorstoß auf neue Märkte als äußerst nützlich. „GRIPS.world“ heißt eine IT-Lösung, die dabei helfen soll, den aktuellen Umsatz der Firmengruppe von 300 Millionen Euro im Jahr deutlich auszuweiten. Sie vernetzt Kunden, die beispielsweise einen Hinweis erhalten, wenn ein Maschinenteil zu verschleißen droht. Vorstellbar ist, dass in nicht allzu ferner Zukunft Ersatz- oder Verschleißteile vor Ort vom Kunden selbst auf einem 3-D-Drucker hergestellt werden.


Video: Wie verpackt man zerbrechliche Schokoladenwaffeln?


Solche Serviceangebote sollen neue Erlösquellen erschließen. Und nicht nur das: Es gilt, die Softwareunternehmen auf Distanz zu halten. „Wir haben eine ganz reale Gefahr gesehen, dass sie uns irgendwann die Kunden wegnehmen“, sagt Schubert. Dann nämlich, wenn sie Plattformen entwickeln, mit denen sie sich zwischen den Maschinenbau und die Anwender in der Industrie schieben. Eine Horrorvorstellung, der Schubert nun mit „GRIPS.world“ entgegentritt. „Wir wollen besser sein, als es die Softwarefirmen je sein können.“

Die nötige Expertise hat das Unternehmen mit mehr als 20 Leuten im IT-Bereich längst aufgebaut. „Wir haben schon Anfang der Neunzigerjahre ein eigenes System für die Unternehmenssteuerung entwickelt“, erläutert der kaufmännische Leiter Jörg Brenner. „Die Abläufe sollen nicht an eine bestehende Software angepasst werden, sondern andersherum.“ Industrie 4.0 heißt für ihn: weg vom Abteilungsdenken – hin zu einem schrankenlosen Miteinander auch beim Kunden. 130 Anlagen mit einem Preis von im Schnitt jeweils 1,3 Millionen Euro fertigt das Unternehmen pro Jahr. Hauptabnehmer sind die Süßwaren- und die Nahrungsmittelindustrie mit je 30 Prozent Anteil. Die Pharmabranche kommt auf 15 Prozent.

Neugeschäft wird auf dem kurzen Dienstweg angebahnt – zumindest in Europa. Dann setzt sich Ralf Schubert ans Steuer des hauseigenen Firmenjets. Schon sein Vater hatte den Pilotenschein, ebenfalls sein Bruder Gerald. Eine Investition, die sich bezahlt macht, glaubt Ralf Schubert. Interessenten lädt er auch gern nach Crailsheim ein. Dort absolvieren die neuesten Maschinen gerade Tests in der Montagehalle. Schon in Folie angelieferte Pralinen etwa werden von den emsigen Robotern in Schachteln gehoben. Präzision im Sekundentakt, das beeindruckt, sagt Jörg Brenner: „Wenn ein Kunde erst mal hier ist, haben wir den Auftrag zu 80 Prozent.“


Weitere Informationen
Infos zur Internationalisierung www.deutsche-bank.de/globale-hausbank

Industrie 4.0 heißt bei Schubert: „weg vom Denken in Abteilungen“


Verwandte Artikel

 


Artikel teilen

article_arrow_right