Trotz Rekordbeschäftigung bleibt Arbeit übrig: 5,6 Millionen Menschen waren Ende Juni in den Betrieben des verarbeitenden Gewerbes mit 50 und mehr Beschäf­tigten tätig

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Fachkräfte dringend gesucht

1,2 Millionen Stellen nicht besetzt: Fehlende Mitarbeiter hemmen Wachstum in Deutschland

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Mehr als 1,2 Millionen Stellen waren nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung im ersten Quartal 2018 in Deutschland unbesetzt – so viele wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Damit entwickeln sich die fehlenden Arbeitskräfte zunehmend zu einem Hemmschuh für das Wirtschaftswachstum, so ein „Aktueller Kommentar“ von Deutsche Bank Research.

„Unsere Erwartung, dass der Höhepunkt im aktuellen Konjunkturzyklus überschritten ist, hängt auch mit dem Engpass beim Arbeitsangebot zusammen. Bei gut gefüllten Auftragsbüchern nicht nur in der Industrie ist es jedenfalls nicht förderlich, wenn offene Stellen mangels geeigneter Bewerber unbesetzt bleiben“, sagt Eric Heymann, Analyst bei Deutsche Bank Research und einer der Autoren.

So müssen laut jüngstem DIHK-Arbeitsmarktreport 39 Prozent der Industrieunternehmen als Folge eines längeren Fachkräfte­mangels ihr Angebot einschränken oder Aufträge ablehnen. 53 Prozent können ihr Wachstumspotenzial nicht ausschöpfen. Schließlich dürfte auch die Bereitschaft der Unternehmen sinken, in neue Maschinen oder Ausrüstungen zu investieren, wenn die notwendigen Mitarbeiter nicht eingestellt werden können.

Firmen brauchen Flexibilität

Was können die Unternehmen tun, um die steigende Zahl offener Stellen zu kompensieren? Kurzfristig könnten die Mitarbeiter ihr Arbeitsvolumen erhöhen. „Dies wird in vielen Unternehmen jedoch schon praktiziert und lässt sich nicht beliebig ausweiten“, so Eric Heymann. Durch längere Betreuungszeiten von Kindern könnten Eltern, die derzeit in Teilzeit arbeiten, ihre Arbeitszeit erhöhen. Fachkräfte aus der „stillen Reserve“ könnten ebenso wieder für den Arbeitsmarkt gewonnen werden. „Solche Maßnahmen erfordern jedoch einen zeit­lichen Vorlauf, bis sie positiv wirken. Daher dürften die kurz- und mittelfristigen Effekte begrenzt sein.“

Heymann sieht hier auch die Bundesregierung in der Pflicht, die das grundsätzliche Problem nur unzureichend adressiere: „Stattdessen sieht ihr arbeitsmarktpolitisches Programm mit den geplanten Einschränkungen bei befristeten Arbeitsverträgen und dem Rückkehrrecht von Teilzeit- in Vollzeitbeschäftigung zusätzliche Regulierungen vor, die dem Erfordernis unternehmerischer Flexibilität zuwiderlaufen und die bürokratischen Kosten vieler betroffener Unternehmen weiter steigern.“

Die Studie
Deutsche Bank Research: „Aktueller Kommentar – Fachkräftemangel in der Industrie hemmt Wachstum“, kostenloser Download unter
www.dbresearch.de

Grafik:
Offene Stellen werden zum Geschäftsrisiko

Offene Stellen werden zum Geschäftsrisiko

Offene Stellen werden zum Geschäftsrisiko

Der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHK) fragt Unternehmer regel­mäßig nach ihrer Einschätzung der aktuellen Geschäftsrisiken. Inzwischen steht der Fachkräftemangel ganz oben auf der Risikoliste: Mehr als 60 Prozent der befragten Unternehmen sahen sich hier betroffen.

Quelle: DIHK 2018


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