Wie besteuert man Unternehmen im Internet­zeitalter? Die Antwort auf die Frage hat auch Auswirkungen auf exportorientier­te deutsche Firmen

Video: SHUTTERSTOCK

Digitalsteuer mit Mängeln

Die Staatengemeinschaft streitet über die Besteuerung digitaler Dienste. Deutschland könnte verlieren

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Große europäische Länder wie Frankreich, Großbritannien und Spanien haben sie schon beschlossen, nur für ein EU-weites Modell einer Digitalsteuer gibt es bislang keine Einigung der Finanzminister. Doch der politische Druck auf eine gemein­same Lösung steigt, zeigt ein aktueller EU-Monitor von Deutsche Bank Research.

Unternehmen, die vor allem im Internet ihre Geschäfte machen, sind schwer zu besteuern. Sie sind häufig weit entfernt und können ihre Gewinne zwischen den Ländern oft leicht verschieben. Nicht mehr wie bisher die Gewinne, sondern die im jeweiligen Land erzielten Erträge sollen deshalb zukünftig besteuert werden – doch dieser Ansatz weist nach Ansicht von Barbara Böttcher, Volkswirtin bei Deutsche Bank Research und Herausgeberin der Studie, gravierende Mängel auf: „Werden Kosten nicht berücksichtigt, droht Substanzbesteuerung. In vielen jetzt diskutierten neuen Regeln steckt genügend Sprengkraft, um das herkömmliche System der Unternehmensbesteuerung aus den Angeln zu heben.“ Nicht nur innerhalb der Europäischen Union, sondern auch auf Ebene der internationalen Staatengemeinschaft, nämlich im Rahmen der „BEPS-Initiative“ von OECD und G 20, wird über neue Ansätze zur Unternehmensbesteuerung beraten, die bis Ende 2020 vorgestellt werden sollen.

Eine dabei diskutierte Möglichkeit: Statt Unternehmen in einzelnen Ländern zu besteuern, könnten sie nach einer einheitlichen Bemessungsgrundlage im Heimatland belastet und die Einnahmen dann auf die Länder verteilt werden, in denen die Unternehmen aktiv sind. Berechnungen zeigen die Folgen: Besonders Deutschland würde verlieren, weil dessen exportorientierte Firmen stärker als bisher im Ausland besteuert würden. Wahrscheinlicher als dieses Szenario ist nach Ansicht von Böttcher aber zunächst die Einigung auf eine Form der Mindestbesteuerung. Deutsche Bank Research sieht deshalb Handlungs­bedarf: „Für Deutschland als Hochsteuerland heißt das: Die notwendige Verminderung der Steuerbelastung der Unternehmen sollte rasch angegangen werden.“

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Die Studie
EU-Monitor „Digitalsteuer: Skepsis angebracht“. Download unter
www.dbresearch.de

Grafik:
Gewinner und Verlierer einer Reform der Unternehmens­besteuerung in den G 20

Gewinner und Verlierer einer Reform der Unternehmens­besteuerung in den G 20

Gewinner und Verlierer einer Reform der Unternehmens­besteuerung in den G 20

Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft zeigen: Eine Besteuerung nach gemeinsamer Bemessungsgrundlage würde deutsche Steuereinnahmen senken.

Quelle: IW Köln
* Ausgewählte Länder, Annahme: Reform analog der Pläne der EU-Kommission für eine Gemeinsame Konsolidierte Bemessungsgrundlage (GKKB)

Prozent jeweiliger nationaler Bemessungsgrundlage*


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