Halle B7 von Hettich: Für den nachhaltigen Bau gab es eine Top-3-Platzierung beim Energy Efficiency Award der Deutschen Energie-Agentur

Fotos: Banz-Riecks/Niklas Wieland (DROHNENFOTO), Olaf Rohl

Weniger Energie, mehr  Power

Über Zuschüsse oder günstige Zinsen unterstützt die öffentliche Hand Investitionen in die Energieeffizienz von Gebäuden und Produktionsanlagen. Um die Förderung voll auszuschöpfen, müssen Unternehmen vorausschauend planen

Text: Thomas Mersch

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Mit einem wahren Kraftakt startete der Neubau einer Produktionshalle des ostwestfälischen Mittelständlers Hettich. Vier Wochen lang waren zwei mächtige Rammen am Werk, um 14 Meter lange Pfähle aus Stahlbeton mit schweren Schlägen in den Boden zu treiben. Am Ende hatten die Maschinen 1400 davon versenkt, nur ein Stück weit ragten sie noch heraus. Wie auf einem überdimensionalen Nagelbrett steht die im Frühjahr 2017 fertiggestellte Halle darauf besonders fest. Die spezielle Konstruktion ist den schwierigen Bodenverhältnissen am Firmensitz in Kirchlengern geschuldet: einem stark lehmigen Untergrund.

Nüchtern „B7“ heißt das zweigeschossige Gebäude, mit dem der international führende Hersteller von Möbelbeschlägen auch beim Umweltschutz Maßstäbe setzt. Jüngst erreichte Hettich beim ­Energy Efficiency Award der Deutschen Energie-Agentur (dena) eine Top-3-­Platzierung. „Die Produktionshalle spiegelt die Nachhaltigkeitsgrundsätze unserer Firma wider“, erläutert Sven Oßenbrink, der das Facility-Management bei Hettich leitet. Schon die 2009 eröffnete neue Verwaltung sei ein Null-Energie-Gebäude. Bei der neuen Werkhalle liefert das vollständig mit einer Fotovoltaikanlage bestückte Dach ein Viertel des gesamten Energiebedarfs. Heizung und Warmwasser werden zu fast zwei Dritteln mithilfe von Abwärme erzeugt. Auch dank Lüftungsanlagen, die die meiste Wärme zurückgewinnen, unterschreitet das Gebäude beim Primärenergiebedarf den in der Energieeinsparverordnung (EnEV) festgelegten Referenzwert um fast 50 Prozent. „Wir sparen jedes Jahr 80 000 Euro an Betriebskosten“, so Oßenbrink. Insgesamt wurden 23 Millionen Euro in B7 investiert.

Frühe Planung lohnt sich

Der Einsatz für Nachhaltigkeit macht sich für Hettich doppelt bezahlt. Das Unternehmen erhält dank der umweltgerechten Planung auch Unterstützung von der öffentlichen Hand. Ein Tilgungszuschuss der staatlichen Förderbank KfW verringert den finanziellen Aufwand. „Wir haben von Beginn an so geplant, dass der Bau förderungswürdig ist“, sagt Michael Dewert, Leiter Finanzen bei Hettich. „Gerade bei Großinvestitionen sind solche Zuschüsse sehr attraktiv.“

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Energiesparen mit Unterstützung

Als Hausbank übernimmt die Deutsche Bank die Rolle des Vermittlers von staatlichen Förderungen. Neben der KfW haben die Landesförderinstitute teilweise eigene Programme, um Investitionen in die Energieeffizienz bei bestehenden oder neuen Gebäuden sowie der Produktion zu unterstützen. Der Kundenbetreuer ist erster Ansprechpartner für die Finanzierung und bindet bei Bedarf die Förderexperten der Deutschen Bank ein.

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FOTO: Banz-Riecks/Olaf Rohl

Hettich: „Alle Beteiligten wissen genau, was zu tun ist“

Höchst effizient plante der Hersteller von Möbelbeschlägen eine neue Produktionshalle am Hauptsitz Kirchlengern. „Auch auf dem Land sind Gewerbestandorte begrenzt“, sagt der Leiter Treasury/Finanzen, Michael Dewert. Deshalb wurde zweigeschossig gebaut. Ein Vorteil für die Umwelt: Es wird weniger ­Fläche versiegelt. Auch beim Energieverbrauch ist der Neubau höchst sparsam. Dafür erhielt Hettich staatliche Unterstützung über die KfW – und will diese jetzt häufiger nutzen: „Bei weiteren Finanzierungen mit Förderung wissen alle Beteiligten nun genau, was wann zu tun ist“, sagt Dewert.

FOTO: Banz-Riecks/Olaf Rohl

Die Förderung ist als „Add-on“ willkommen

Doch auch kleinere Projekte oder ein teilweiser Umbau des Maschinenparks können sich lohnen – zumal der Staat alternativ auch vergünstigte Zinsen bietet. Experten raten Unternehmen, die noch keine Erfahrung mit den öffentlichen Programmen haben, zu einer frühzeitigen Planung. Denn es sind Fristen einzuhalten, und eine umfassende Dokumentation ist zu erstellen.

Grundsätzlich gilt: Je mehr Aufwand ein Unternehmen betreibt, um die Energieeffizienz in die Höhe zu schrauben, desto umfangreicher ist auch die mögliche Förderung.

Bei Investitionen allein auf die staatliche Unterstützung zu schielen, das ergibt für Hettich-Finanzchef Michael Dewert dennoch keinen Sinn. „Die Förderung ist aber ein ‚Add-on‘“, sagt er. Die neue Produktionshalle erfüllt den Standard „KfW-Effizienzgebäude 55“. Vor dem Förderantrag habe er Bedenken gehabt, dass ein hoher bürokratischer Aufwand die finanziellen Vorteile wieder schmälern könnte. Das Gegenteil war der Fall: „Die Beantragung lief fast so einfach wie bei einer ganz normalen Kreditfinanzierung“, sagt Dewert.

Kredite oder Tilgungszuschüsse der KfW werden über die Hausbank beantragt. Guido Brüggen, Förderexperte der Deutschen Bank, erläutert den Mechanismus: Ab dem Standard „KfW-Effizienzgebäude 55“ oder besser gewähre das Förderinstitut Tilgungszuschüsse. „Das Unternehmen erhält praktisch eine außerplanmäßige Tilgung, was die Laufzeit verringert.“ Wichtig bei Finanzierungen mit kurzer Laufzeit: Der Zuschuss wird erst dann gewährt, wenn die KfW nach Fertigstellung des Vorhabens die Bestätigung des Sachverständigen zur Energieeffizienz geprüft hat. „Wenn das Darlehen zu diesem Zeitpunkt schon so stark getilgt ist, dass die Restsumme den Zuschuss unterschreitet, kürzt die KfW entsprechend, oder das Unternehmen geht sogar leer aus. Für zinsgünstige Darlehen ohne Tilgungszuschuss legt die KfW bei Neubauten weniger strenge Maßstäbe an.“

Bis 17,5 Prozent Tilgungszuschuss

Die Anreize sind hoch: Während bei Neubauten der Tilgungszuschuss bis zu fünf Prozent der Kreditsumme beträgt, sind bei Sanierungen sogar bis zu 17,5 Prozent möglich. „Allerdings werden bei Sanierungen nur die Kosten berücksichtigt, die tatsächlich energetische Auswirkungen haben – der Umbau der Kantine beispielsweise also nicht“, so Brüggen.

Falls es bei älteren Gebäuden nicht gelingt, sie insgesamt auf den nötigen KfW-Effizienzgebäude-Standard zu bringen, seien auch einzelne Maßnahmen förderfähig, erläutert Brüggen: „Wenn bestimmte energetische Werte erreicht werden, können etwa für die Erneuerung von Fenstern oder für eine Dachdämmung vergünstigte Darlehens­mittel mit Tilgungszuschüssen gewährt werden.“ Um in den Genuss der maximalen Förderung zu kommen, ist deshalb ein Gespräch mit den Experten schon in der Planungsphase wichtig.

Fotos: Carl Geringhoff GmbH & Co. KG

Geringhoff: „Der Förderprozess ist gut handhabbar“

Schnellere und vereinfachte Abläufe, weniger Staubemissionen und geringere Energie­kosten – gleich mehrfach profitiert der Hersteller von Erntevorsätzen vom Ersatz der Lackieranlage. Dank verbesserter Energieeffizienz erhielt das Unternehmen einen verringerten Zins der KfW sowie einen Tilgungszuschuss, der die Amortisationszeit verringert. Nach Abschluss des Umbaus prüfte ein Gutachter, ob die neue Produktion die Effizienzversprechen auch einhält. „Der Prozess ist so in Ordnung – auch damit kein Missbrauch geschieht“, sagt der kaufmännische Geschäftsführer Frank Laudehr. Für manchen könnte sonst die Ver­lockung groß sein, „Dinge auf den Tisch zu zaubern, die man am Ende gar nicht realisiert“.

Fotos: Besser Lackieren (Ausgabe 14.2019), Carl Geringhoff GmbH & Co. KG

Öffentliche Förderung nutzte der Maschinenbauer Carl Geringhoff beim Austausch seiner Lackieranlage. Das weltweit aktive Traditionsunternehmen im westfälischen Ahlen ist Technologieführer bei Erntevorsätzen, mit denen Mähdrescher Mais, Soja oder Getreide einholen. Geringhoff kombinierte die KfW-Effizienzprogramme „Abwärme“ und „Produktionsanlagen und -prozesse“. Für die Kreditsumme von einer Million Euro erhielt das Unternehmen neben günstigen Zinskonditionen auch einen Tilgungszuschuss. Geringhoff habe dabei auf die Unterstützung der Effizienz-Agentur NRW gesetzt, erläutert der kaufmännische Geschäftsführer Frank Laudehr. „Unser Ansprechpartner hat unter anderem das nötige Wärmegutachten koordiniert.“ Dieses koste zwischen 6000 und 8000 Euro. „Das holt man auf jeden Fall wieder raus.“

Ohne den richtigen Antrag läuft nichts

„Das ganze Konzept muss schlüssig sein, das muss im Antrag vorgerechnet werden“, betont Geringhoff. Ein unabhängiges Institut bescheinigte, dass die Investition den CO2-Ausstoß um 35 Prozent senkt – pro Jahr entspricht das 47 Tonnen. Vergünstigte Zinsen erhielt Geringhoff für den gesamten Kredit. Den Tilgungszuschuss aber gab es nur für den Teil, der im Vergleich zu einem reinen Ersatz der Anlage zusätzlich aufgewendet werden musste, um die Effizienzziele zu erreichen – rund ein Drittel der Gesamtinvestition. „Das war das i-Tüpfelchen für uns“, sagt Laudehr. „Die alte Anlage war acht Jahre alt – schon wegen zu hoher Stillstandszeiten ergab die Erneuerung Sinn.“ Laudehr finanzierte nicht die gesamte Investitionssumme über den KfW-Kredit – sondern brachte noch 100 000 Euro selbst ein. „Das war für uns eine Absicherung, falls es am Ende doch etwas preiswerter geworden wäre“, erläutert Laudehr. „Wir hätten dann die ganze Kreditbeantragung nochmals neu machen müssen.“

Wichtig auch, so Laudehr: Bevor der Auftrag an den Maschinen­bauer vergeben wird, muss ein Beihilfeantrag bei der Hausbank gestellt werden. „Das Datum muss vor der Vergabe liegen.“ Auch der Umbau wurde genau getaktet: Die alte Anlage wurde in der beschäftigungsarmen Zeit im September demontiert – die neue ging Ende Januar in Betrieb. Geringhoff spart nun 80 000 Euro im Jahr an Energiekosten. Gleichzeitig drückte das Unternehmen die Zeit für das Sandstrahlen, Lackieren und Trocknen von sechs bis sieben auf nur noch zwei Stunden. „Heute können wir die Bauteile am gleichen Tag weiterverarbeiten“, sagt Laudehr. Zudem wurde ein automatisches Beschickungssystem installiert – Mitarbeiter müssen die Werkstücke nicht mehr auf Transportwagen in die Station schieben.

Von besseren Abläufen in der Fertigung profitiert auch Hettich in Kirchlengern. Dank der Betonpfahl-Konstruktion konnte das Unternehmen auf zwei Etagen bauen. Da das Tragwerk für das Gebäude außen liegt, benötigen die Produktionsebenen nur zwei zusätzliche Stützen. „Wir bauen immer von innen nach außen – die Produktion bestimmt die Hülle“, erläutert Facility-Manager Oßenbrink. Die neue Halle sei etwas größer als zur Zeit der Planung nötig. „Wir waren auf Zuwachs ausgerichtet“, so Oßenbrink. Auch diese Kalkulation ging auf: „Mit dem Umzug unserer Pulveranlage ist die erste Etage nun komplett gefüllt.“

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