10 Prognosen für das Jahr 2015

Chef-Anlagestratege Ulrich Stephan glaubt: Im nächsten Jahr geben die wirtschaftlich starken USA den Ton an. Aber auch Schwellenländer bieten Chancen für Anleger, die dem Niedrigzins-Umfeld zu Hause entfliehen wollen

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  • 1. Die Welt wächst uneinheitlich

    Während die US-Wirtschaft nach unserer Einschätzung noch deutlich stärker zulegen könnte als schon 2014, rechnen wir für die Eurozone nur noch mit einem Miniwachstum. Auch in Deutschland deuten wichtige Stimmungsindikatoren wie der ifo-Geschäftsindex – trotz der jüngsten Aufhellung – ins- gesamt auf ein schwächeres Jahr 2015 hin: Mehr als 0,8 Prozent dürfte die Wirtschaft nicht zulegen. Neben dem schwierigen Umfeld in der Eurozone könnte es erneut zu geopolitischen Verwerfungen kommen. Ein Lichtblick ist der wiedererstarkende deutsche Konsum. Chinas Wirtschaft befindet sich weiter im Umbruch – hin zu einer moderateren, stärker auf Binnenkonsum und Nachhaltigkeit ausgerichteten Wirtschaftspolitik. 2015 dürfte China daher weniger stark wachsen als die Jahre zuvor – wenn auch nach wie vor auf einem vergleichsweise hohen Niveau.

  • 2. Das Ende der Nullzinspolitik

    Geldpolitisch wird 2015 aller Voraussicht nach das Jahr der zwei Wege werden: Während die englische und die US-Notenbank aufgrund positiver Konjunkturtrends in ihren Ländern bereits im Sommer beziehungsweise Herbst möglicherweise die Leitzinsen anheben dürften, könnten in Japan und der Eurozone weitere unkonventionelle Maßnahmen zur Ausweitung der Geldpolitik eingeleitet werden – etwa durch den Ankauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB). Ob die EZB damit ihr Ziel erreichen wird, die Konjunkturflaute in der Eurozone zu beenden, bleibt abzuwarten.

  • 3. Der US-Dollar wertet weiter auf

    Bereits im abgelaufenen Jahr hatte der US-Dollar gegenüber den wichtigen Währungen weltweit zum Teil deutlich aufgewertet. Diese Tendenz sollte sich 2015 unvermindert fortsetzen, auch weil durch die zunehmende Zinsdifferenz zwischen den USA und der Eurozone beziehungsweise Japan vermehrt Kapital in US-Renten und -Aktien fließen dürfte. Während diese Entwicklung die Eurozone und Japan in ihren Inflationsbemühungen unterstützt und die USA aufgrund ihrer starken Binnenorientierung nicht schädigt, dürfte der zumeist in Dollar notierte Rohstoffmarkt durch eine starke US-Währung 2015 weiter unter Preisdruck bleiben.

  • 4. Steigende Zinsen bei Staatsanleihen

    Die vermeintlich positive Nachricht für Rentenanleger 2015 lautet: Die Zinsen für Staatsanleihen guter Bonität könnten leicht steigen. Allerdings: Selbst wenn dies eintritt, dürften sie nach wie vor sehr niedrig bleiben. Neben Bundesanleihen trifft das in erster Linie auf Papiere der Peripherieländer zu. Zudem ist jederzeit mit Schwankungen zu rechnen. Im Vergleich zu Europa bieten US-Staatsanleihen etwas höhere Renditen. Dies führt zur Nachfrage nach US-Staatsanleihen aus Niedrigzinsregionen wie Europa oder Japan. Daher dürfte auch der Zinsanstieg in den USA trotz starker Konjunkturdynamik moderat ausfallen.

  • 5. Schwellenländer werden interessant

    Auf der Suche nach interessanten Renditen am Anleihenmarkt müssen Anleger im neuen Jahr eine entsprechende Risikobereitschaft mitbringen. Fündig werden sie fast nur noch bei Schwellenländer-Anleihen in lokaler Währung. Dabei sollte auf eine ausreichende Diversifizierung geachtet werden, etwa indem bonitätsschwache Länder wie Brasilien und die Türkei und stärkere Länder wie Malaysia und Polen gleichermaßen berücksichtigt werden.

  • 6. Immobilien bleiben interessant

    Mit Blick auf ein adäquates Rendite-Risiko-Verhältnis bleiben Immobilien für Anleger im neuen Jahr eine interessante Anlageklasse – auch weil mögliche Alternativen im Rentenbereich aufgrund der nach wie vor vergleichsweise niedrigen Kapitalmarktzinsen kaum zu finden sind. Im Mittelpunkt stehen erstklassige Büro- und Einzelhandelsimmobilien in den Metropolen der USA, aber auch an ausgewählten Standorten in Europa und Asien. Auch in Deutschland sind Immobilien interessant. Eine gute Binnenkonjunktur sowie ein robuster Arbeitsmarkt sollten den Immobiliensektor stützen.

     

     

  • 7. Volatile Aktienmärkte in Europa und USA

    Die Schwankungsbreite an den internationalen Aktienmärkten hat zuletzt wieder zugenommen – ein Trend, an den sich Anleger 2015 vermutlich weiter gewöhnen müssen. In Europa zum Beispiel befinden sich die Aktienmärkte im Spannungsfeld zwischen zuletzt guten Zahlen zum Gewinnwachstum der Unternehmen und vergleichsweise günstigen Aktienbewertungen sowie einem schwachen Euro auf der einen Seite und Unsicherheiten in Bezug auf die Ukraine oder das europäische Wirtschaftswachstum auf der anderen Seite. Für den US-Aktienmarkt schätzen wir die Lage stabiler ein. Hier könnten 2015 vor allen Dingen der zunehmende Konsumhunger und die starke US-Konjunktur für vergleichsweise Ruhe sorgen.

  • 8. China, Indien & Co. im Aufwind

    China hat es vorgemacht, nun ziehen andere asiatische Schwellenländer nach: Sie reformieren ihre Wirtschaft. In China betrifft das neben vielen kleineren Reformen auch die Öffnung des Aktienhandels für ausländische Investoren. Die neugewählten Regierungen in Indien und Indonesien streben ebenfalls eine Liberalisierung ihrer Märkte an: In Delhi setzt man dafür auf die Lockerung von Investitionsvorschriften und eine unterstützende Geldpolitik, während Jakarta zunächst die traditionell hohen Subventionen für Kraftstoffe angeht. Sollten diese langfristig angelegten Umbaumaßnahmen wie bisher vorangetrieben werden, könnten sie sich weiterhin positiv auf die jeweiligen Aktienmärkte auswirken.

  • 9. Alte Risiken bleiben, neue kommen hinzu

    Die hohe Schwankungsbreite der Aktienmärkte sowie die Auswirkungen geopolitischer Spannungen in der Ukraine oder dem Nahen Osten werden Anleger im kommenden Jahr vermutlich weiter begleiten. Neue Herausforderungen ergeben sich zum Beispiel durch eine mögliche Ausweitung der Ebola-Epidemie. Auch die zunehmende Stärke des US-Dollars könnte zum Risiko werden: Aber nur, wenn Euro und Yen zum Dollar deutlich zu stark und zu schnell abwerten und die US-Politik auf den Plan rufen.

  • 10. Das Portfolio macht den Unterschied aus

    Aufgrund der vielen potenziellen Einflussfaktoren sollten Anleger die Märkte im Jahr 2015 stets sehr genau im Blick behalten. Um nicht von plötzlichen Entwicklungen überrascht zu werden, empfiehlt sich von vornherein eine breit angelegte Mischung im Depot. Das betrifft nicht nur die Diversifikation über Anlageklassen wie Aktien und Renten, sondern auch die Einbeziehung regionaler Vielfalt und unterschiedlicher Währungsräume. Anleger, denen reine Aktieninvestments zu riskant erscheinen, könnten in über alle Anlageklassen streuenden Multi-Asset-Fonds interessante Anlagealternativen finden.

Zur Person

Ulrich Stephan (49) ist als Chef-Anlagestratege für 28 Millionen Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank tätig. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler studierte an der Universität Köln und dem MIT in Boston/USA und beschäftigt sich seit fast zwei Jahrzehnten mit dem Vermögensmanagement.


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