Für energiesparende Gebäude und Anlagen gibt es mehr Förderung als bisher. Aber viele Unternehmen wissen nicht, was sie wo beantragen können

Foto: Artfocus/Fotolia

Geld für kühle Köpfe

Seit wenigen Monaten fördert der Staat noch stärker als bisher Investitionen in besonders energiesparende Gebäude und Anlagen. Doch viele Unternehmen wissen gar nicht, dass sie selbst Fördermittel in Anspruch nehmen können. Und das oft schon mit der Anschaffung einer neuen Maschine

Text: Stephan Schlote

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Wenn Sven Hofmann zur Arbeit geht, gehen andere erst ins Bett. Der Mann ist Bäcker, und einen Arbeitsbeginn um zwei Uhr morgens muss man mögen. Hofmann mag es, genauso wie vormals Vater und Großvater. Seit 15 Jahren steht er nun selbst frühmorgens in der eigenen Backstube im sächsischen Crimmitschau nördlich von Zwickau. Und während in vielen deutschen Großstädten längst die Bäckereiketten mit ihren Fließbandbrötchen das Bild bestimmen, ist Hofmann als handwerklich geführter Qualitätsbetrieb in dritter Generation erfolgreich.

Traditionelle Brotmacherkunst wird hier hochgehalten, und doch mag Hofmann das Neue: Sein Produkt „Kuchen am Stiel“ schaffte es sogar in die „Bild“-Zeitung, und auch beim Thema Energieversorgung geht der 49-Jährige lieber neue Wege. Denn eine Bäckerei mit all ihren Öfen, Kühlmaschinen und Gärautomaten ist ein höchst energieintensiver Betrieb. Also steigt Hofmann in die Selbstversorgung ein: Im Sommer 2014 installiert er eine Fotovoltaikanlage, im Juni 2015 folgen drei Lithium-Ionen-Speicher. Die großen Batterien puffern über den Tag die gesamte für die Kühlung benötigte Energie aus eigener Stromproduktion.

Rund 30 000 Euro musste Hofmann für die drei Energiespeicher bezahlen, und das ist auch für wesentlich größere Betriebe schon ein echtes Investment. Doch Hofmann beantragte mithilfe der Deutschen Bank Mittel aus dem KfW-Förderprogramm „Erneuerbare Energien“. Das sollte sich lohnen: Für seine Investition in eine CO₂-neutrale Stromversorgung bekam er rund 9000 Euro als nicht rückzahlbaren Tilgungszuschuss überwiesen. Klingt wie geschenkt? Ist geschenkt. Die Investition eines Bäckers in einer sächsischen Kreisstadt derartig großzügig zu fördern ist politisch gewollt und sinnvoll. Sie ist Teil des „Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz“ und damit alles andere als ein Einzelfall.

Es geht um den gesellschaftlichen Anspruch, dass auch die deutsche Wirtschaft mit besonders energiesparenden Maschinen, Anlagen und Gebäuden ihren Teil zur Energiewende beiträgt. Mehr als vierzig Prozent des deutschen Energieverbrauchs entfallen auf Industrie und Gewerbe, ohne die Unternehmen ist die Energiewende nicht zu stemmen. Und deshalb wird inzwischen mächtig gefördert: Allein 2014 haben deutsche Unternehmen zinsgünstige Kredite aus dem KfW-Energieeffizienzprogramm von über drei Milliarden Euro erhalten. Ab 5. Dezember 2015 müssen alle Unternehmen ab einer bestimmten Größe ein spezielles „Energieaudit“ vorweisen – und dies dann alle vier Jahre wiederholen. Das gesetzlich vorgeschriebene Audit schlüsselt den Gesamtenergieverbrauch des Unternehmens detailliert auf und zeigt entsprechende Einsparpotenziale.

Förderung steht allen offen

Denn auch in der vermeintlich so hochmodernen deutschen Volkswirtschaft gibt es noch viele Möglichkeiten, mit der eingesetzten Energie deutlich effizienter umzugehen. So hat die Deutsche Energie-Agentur (dena) ausgerechnet, dass in der gesamten Wirtschaft enorme Einsparpotenziale liegen – bis zu 80 Prozent bei Gebäuden und immerhin noch 25 Prozent bei der Lüftungstechnik (siehe Grafik weiter unten). Allein für Druckluft benötigt die Wirtschaft jährlich 16 Milliarden Kilowattstunden Strom – das ist rund anderthalbmal so viel wie für die gesamte Deutsche Bahn.

Thesen

Kredite: Ohne die Unternehmen ist die Energiewende nicht zu schaffen. Deshalb fördert der Staat großzügig die Investitionen der Firmen in Klima- und Umweltschutz. Allein 2014 vergab die KfW hier zinsgünstige Kredite für mehr als 8,2 Milliarden Euro an mittelständische Unternehmen.

Bonus: Jetzt wird die Förderung ausgeweitet. Nicht nur niedrige Zinsen, sondern auch Tilgungszuschüsse sollen Unternehmern die Investition in Energieeffizienz erleichtern. Die Bank hilft bei der Beantragung der Mittel.

Bäckerei Hofmann: Strom vom Dach

Nachhaltigkeit und Qualität sind für den sächsischen Bäcker Sven Hofmann wichtige Werte. Auch seine Stromversorgung wollte der Familienunternehmer nachhaltiger gestalten. Denn Bäckereien sind höchst energieintensive Betriebe. Jetzt speichern drei große Batterien den tagsüber von der eigenen Fotovoltaikanlage erzeugten Strom, um ihn nachts an die Backstube abzugeben. Das CO₂-neutrale Energieprojekt hat auch die KfW überzeugt, Bäcker Hofmann bekam die maximale Förderung. Und noch einen nicht rückzahlbaren Zuschuss obendrauf.

Sogar Zahnarztstühle werden gefördert

Schon für eine einzige neue Maschine, so sie denn nachweislich effizienter mit der Energie umgeht als ihr Vorgänger, gibt es Förderung über die KfW. Und das heißt: Mitunter wird sogar ein neuer Zahnarztstuhl mit besonders günstigen Krediten gefördert. „Viele Unternehmen ahnen überhaupt nicht, dass ihre geplanten Investitionen förderwürdig sind“, sagt etwa Heinz Henning, Experte für öffentliche Fördermittel bei der Deutschen Bank in Köln. Eine verpasste Chance, denn Fördermittel können Kredite erheblich vergünstigen. Und zwar so stark, dass die Kombination aus historisch niedrigen Zinsen und Fördermitteln dazu führen kann, dass Investitionskredite in Sachen Energieeffizienz zu einem Zinssatz von einem Prozent über den Tisch gehen.

Hausbank bleibt Kreditgeber

Was es für einen entsprechenden Förderkreditantrag braucht, ist eigentlich nicht viel: eine Darstellung der erforderlichen Energieeinsparung und eine begleitende Hausbank. Ohne die geht es nicht, denn in allen Fällen bleibt die Hausbank der Kreditgeber. Deshalb unterhält etwa die Deutsche Bank bundesweit sechs Expertenteams, die sich nur mit dem Thema öffentliche Förderung befassen und ihre Kunden entsprechend beraten. Welche Heizung welche Förderung bekommt, das ist oft schon eine Wissenschaft für sich. Da lohnt es sich, im Dschungel der Vorschriften, Förderprogramme und Förderbanken professionellen Rat zu holen. Denn mitunter geht es auch darum, die richtigen Tipps und Tricks zu kennen, um in den Genuss der maximalen Förderung zu kommen. „Unser Job ist auch, den Antrag so zu stellen, dass er bei der KfW ohne Verzögerung durchläuft“, sagt die Fördermittelexpertin Aurelia Strybny von der Deutschen Bank in Köln. Und das heißt, dass innerhalb von zwei Wochen eine Förderzusage auf dem Tisch liegen kann.

Lange war all dies im deutschen Mittelstand ein Schiebethema, etwas, worum man sich kümmert, wenn es mal etwas ruhiger wird. Energieeffizienz? Sicher wichtig. Doch wenn die Energiekosten im Gros der Unternehmen unter zehn Prozent aller Gesamtkosten ausmachen, ist vieles scheinbar wichtiger. Das hat sich geändert: „Für das klassische Mittelstandsunternehmen, das sich meist noch in Familienbesitz befindet, haben die Fragen um den effizienten Umgang mit Energie erheblich an Bedeutung gewonnen“, sagt etwa der Energieberater Martin Loer vom Bielefelder Bau- und Dienstleistungsunternehmen Goldbeck. „Und das trotz des aktuell recht günstigen Öls.“ Was plötzlich wieder ansteigende Ölpreise bedeuten, hat die KfW einmal ausgerechnet: Ginge es um nur 20 Prozent nach oben und ließe sich dieser Anstieg nicht an den Markt weiterreichen, wäre bundesweit jedes elfte KMU in roten Zahlen, so das Ergebnis der Förderbank.

210 Tonnen CO₂-Einsparung

Loer, studierter Bauingenieur, ist ein Werber und Berater in Sachen Energieeffizienz. Er weist die Kunden von Goldbeck darauf hin, dass nicht nur der günstigste Baupreis entscheidend ist, sondern was ein Gebäude in seiner gesamten Lebenszeit für Kosten produziert. In dieser Betrachtung schlägt der Baupreis nämlich nur noch mit circa 20 Prozent zu Buche – der große Rest setzt sich unter anderem aus Energiekosten, Wartung und Unterhaltung zusammen. Von daher ist ein energetisch optimiertes Gebäude (Gebäudehülle und Anlagentechnik) auf jeden Fall lohnenswert.

Runge: Neubau als Chance

Oliver Runge „möbliert“ Parks und Plätze mit Bänken, Stühlen, Liegen oder Abfalleimern. Damit ist der Familienunternehmer so erfolgreich, dass der alte Standort in Osnabrück aus allen Nähten platzte. Runge errichtete nicht nur alles neu, er baute Produktion, Lager und Verwaltung auch nach den höchsten ökologischen Standards. So wurde das gesamte Unternehmen fast schon zum Selbstversorger in Sachen Energie. Die Belohnung für so viel Effizienz: Praktisch das gesamte Neubauvorhaben wurde zinsgünstig von der KfW Bankengruppe gefördert.

Einen seiner Kunden, den Osnabrücker Familienunternehmer Oliver Runge, musste Energieberater Loer nicht lange überzeugen. Runge baut Parkbänke, Mülleimer und anderes sogenanntes Stadtmobiliar für den öffentlichen Raum. Die Wahrscheinlichkeit ist eher hoch, schon mal mit dem einen oder anderen Runge-Produkt Körperkontakt gehabt zu haben. Das über 100 Jahre alte Unternehmen positioniert sich als Premiumanbieter, als eine Art „industrielle Manufaktur“, Langlebigkeit, Vandalismusresistenz und Nachhaltigkeit inklusive. Und dabei ist Runge recht erfolgreich: Der Umsatz hat sich innerhalb eines Jahrzehnts verdoppelt. Das heißt: Der Standort platzt aus allen Nähten. Runge entschloss sich zum Neubeginn auf der grünen Wiese, im gut fünf Kilometer entfernten Bissendorf. Seit April 2015 wird gebaut, Produktion, Lackiererei, Bürogebäude, Lager, Ausstellung – alles neu. Und es wäre kein Runge-Bau, wenn hier der Bauherr selbst nicht ökologisch gedacht hätte, fast bis zur Grenze des technisch Machbaren: Die zukünftigen Produktionshallen sind dreifach verglast und erfüllen die hohen „KfW-Effizienzhaus 55“-Vorgaben. Das heißt, Runge benötigt weniger als 55 Prozent der gesetzlich zulässigen Energie; in einem Fertigungsbetrieb muss man so etwas lange suchen. Jährliche CO₂-Einsparung: 210 Tonnen.

Ab 2016 werden die gesetzlichen Vorgaben für den maximalen Energieverbrauch pro Quadratmeter verschärft, und Runge liegt dann mit gerade mal 34 Kilowattstunden um ein Vielfaches unter diesem Limit. Geheizt wird mit Holzresten aus der Produktion, der Strom kommt aus der eigenen Fotovoltaikanlage. „Bis auf ein paar dunkle Wintertage“, sagt der Chef, „sind wir energetisch bald völlig unabhängig.“ Auch Oliver Runges ökologisches Engagement wird belohnt: Praktisch sämtliche Investitionen in den neuen hochmodernen Standort finanziert der Unternehmer mit besonders zinsgünstigen Konditionen aus dem KfW-Energieeffizienzprogramm. Natürlich muss jeder Unternehmer abwägen zwischen Aufwand und Ertrag, zwischen Ökologie und Ökonomie. „Der bürokratische Aufwand ist schon hoch“, sagt etwa Bäcker Hofmann, doch „am Ende hat sich das gelohnt.“ Auch Oliver Runge hat hin und her gerechnet, gefragt und diskutiert. Und sich nicht abschrecken lassen vom zusätzlichen Aufwand. Als Familienunternehmer mit über 100-jähriger Geschichte denkt er beim „Payback“ ohnehin in Jahrzehnten: „Langfristig rechnet sich jede Investition in Energieeffizienz.“ Sein Rat an alle Unternehmer: „Kreativ jede Investition hinterfragen, ob sie nicht förderungswürdig ist. Macht das unbedingt!“

 

Weitere Informationen
Kontakt: Ihr Kundenbetreuer. 
Infos zu Fördermitteln und Expertenteams bei der Deutschen Bank unter www.deutsche-bank.de/oeffentliche-foerdermittel
Merkblatt des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle zu Energieaudits: www.bafa.de
Überblick über Fördermittel der EU, des Bundes und der Länder: www.foerderdatenbank.de

Bürokratischer Aufwand lohnt sich am Ende

  • Förderung für Energiesparer

    Unterstützung gibt es für Innovationen und Sparmaßnahmen, darüber hinaus existieren weitere Programme. Mittelständische Unternehmen zahlen bei der KfW ab ein Prozent Zinsen (Hilfen der Landesförderinstitute liegen zum Teil noch darunter).

  • Die größten Energiesparpotenziale

    In Unternehmen lässt sich der Energieverbrauch häufig um zweistellige Prozentwerte reduzieren. Die Grafik zeigt, an welchen Stellen nach Berechnungen der Deutschen Energie-Agentur das größte Sparpotenzial liegt.

Video: Energie sparen mit öffentlicher Förderung - Best Practice für Unternehmen


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