Produktion unter Volldampf: Weltweit erwartet die Deutsche Bank ein Wachstumsplus von knapp vier Prozent gegenüber 2017 – das wäre das stärkste Wachstum seit 2011. Trotz politischer Unsicherheiten sollte auch die Wirtschaft der Eurozone weiterhin stabil wachsen

FOTO: ACTION PRESS

10 Prognosen für das Anlagejahr 2018

Gute Aussichten: Der anziehende Welthandel wird das kommende Anlagejahr prägen, glaubt Dr. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank. Doch es gibt auch Risiken

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  • 1. Konjunktur: Volle Kraft voraus!

    Die Weltkonjunktur befindet sich in einem robusten und global synchron verlaufenden Aufschwung, der sich 2018 fortsetzen sollte. Gestützt wird dieser durch einen spürbaren Anstieg des Welthandels und steigende Investitionstätigkeiten der Unternehmen weltweit. Geopolitische Risiken und eine stärker als erwartete Inflationsent­wicklung könnten den Trend zwar kurz­zeitig abbremsen. Insgesamt erwartet die Deutsche Bank jedoch ein Wachstums­plus von knapp 4 Prozent gegenüber 2017 – das wäre das stärkste Wachstum seit 2011. Trotz politischer Unsicherheiten sollte auch die Wirtschaft der Eurozone weiterhin stabil wachsen, während sich die US-Wirtschaft noch dynamischer entwickeln dürfte als 2017. Eine Umsetzung der angekündigten Steuerreform könnte zusätzliche Impulse geben. Die relative Ruhe in China wird als gutes Zeichen gesehen: Der Umbau der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt mit dem Ziel eines konsum- und binnenmarktorientierten Wachstums scheint erfolgreich zu verlaufen.

    2018: Wirtschaftswachstum vs. Potenzial*, Angaben in %, inflationsbereinigt

    * Potenzialwachstum zeigt das Wachstum bei normaler Auslastung ohne Berücksichtigung konjunktureller Schwankungen
    Quelle: OECD, thomson reuters Datastream; Stand: 21. 11. 2017

  • 2. Zentralbanken: Auf unerforschtem Weg

    Die Deutsche Bank geht für 2018 von einer weiteren Normalisierung der Geldpolitik in den USA und der Euro­zone aus. Dabei bewegen sich die Notenbanken auf unbekannten Pfaden, denn für den Ausstieg aus einer Nullzins­politik gibt es keinen Präzedenzfall. Die Hauptbedenken gelten einer zu schnell steigenden Inflation, durch die sich die Währungshüter zu einem aggressiveren Ausstieg gedrängt fühlen könnten. Insgesamt ist die Deutsche Bank jedoch optimistisch, dass eine behutsame Straffung der Geldpolitik die Weltwirtschaft 2018 nicht nachhaltig negativ beeinflussen wird.

  • 3. Währungen: Kurswechsel beim Wechselkurs

    Die besser als zu Jahresbeginn erwarteten Wirtschafts­daten in der Eurozone haben den Euro 2017 gestützt. Dieser Trend dürfte sich im 1. Halbjahr 2018 umkehren, da seitens der US-Notenbank Fed mehr Zinsschritte möglich erscheinen als aktuell vom Markt eingepreist. Im 2 Halbjahr 2018 könnte der Euro wieder Boden gutmachen, da die EZB zunehmend Vertrauen in den wirtschaftlichen Aufschwung der Eurozone fassen dürfte und die Marktteilnehmer von einer restriktiveren Geldpolitik ausgehen sollten. Das könnte den Euro gegenüber anderen Währungen stärken. Nach einem zwischenzeitlichen US-Dollar-Hoch von möglicherweise unter 1,15 je Euro erwartet die Deutsche Bank Ende 2018 einen wieder erstarkten Euro im Bereich von 1,20 US-Dollar.

  • 4. Anleihen: Abschied fällt schwer

    Nachdem Rentenanleger über die vergangenen Jahre auf eine positive Wertentwicklung zurück­blicken konnten, könnten 2018 mögliche Kurs­verluste drohen. Denn sowohl am kurzen als auch am langen Ende der Zinskurve ist mit weiter steigen­den Zinsen in den USA und der Eurozone zu rechnen. In den USA sollte sich neben den erwarteten Leitzinsanhebungen auch die Verkleinerung der Fed-Bilanz – verbunden mit einer geringeren Nachfrage von US-Staatsanleihen – dämpfend auf die Kurse auswirken. In der Eurozone könnte eine weniger expansive Rhetorik der EZB im Jahres­ver­lauf 2018 zu steigenden Zinsen führen. Im Bereich der Schwellenländeranleihen wiederum dürften vor allem Papiere in Lokalwährungen bei steigenden US-Zinsen unter Druck geraten. Dynamisches Portfoliomanagement wird im Rentensegment wichtiger.

  • 5. Aktien: Die letzte Meile ist die schönste

    Die Aufwärtstrends an den globalen Aktienmärkten könnten sich fortsetzen und die Unternehmensgewinne zum Haupttreiber der Kursentwicklungen werden. Für 2018 erwartet die Deutsche Bank weltweit im Schnitt ein Gewinnplus von rund 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Interessant erscheinen insbesondere zyklische Sektoren. Allerdings sollten Anleger mit größeren Kursschwankungen rechnen als 2017. Dem deutschen Aktienmarkt dürfte weiterhin seine zyklische Ausrichtung zugutekommen. In den USA entwickelten sich zuletzt Aktien von Firmen mit höheren Investitionsausgaben besser als der Gesamtmarkt. Die Deutsche Bank erwartet weiter anziehende Investitionen sowie steigende Unternehmensgewinne und entsprechend steigende Kurse.

    Kursentwicklung ausgewählter Aktienindizes, Angaben indexiert 21. 11. 2007 = 100, in Landeswährung (MSCI EM in USD)

  • 6. Aktien regional: Asien im Wandel

    In Asien liegt der Aktienfokus der Deutschen Bank auf Japan und China. Multinationale japanische Unternehmen sollten weiter vom anziehenden Welthandel profitieren. Gleichzeitig stützt der schwächere Yen den Export. Hinzu kommen die hohen Bar­geldreserven japanischer Unternehmen, die auf lange Sicht über Dividenden und Aktienrückkäufe an Anleger fließen oder für Investitionen genutzt werden könnten. In China sollte die Liberalisie­rung der Kapitalmärkte dazu führen, dass Chinesen mittelfristig auch außerhalb des Festlands diversifizierter in Aktien investieren – etwa in Hongkong oder im Ausland. Zudem dürfte durch die Marktöffnung die Aufmerksamkeit internationaler Investoren für chinesische Festlandaktien sukzessive zunehmen.

  • 7. Rohstoffe: Renaissance des (Super-)Zyklus

    Am Rohstoffmarkt dürften sich die Notierungen weiter stabilisieren. Das gilt auch für Öl: Mög­liche Förderkürzungen der OPEC könnten durch die US-Schieferölproduzenten kurzfristig kompensiert werden, was Preissteigerungen dämpfen sollte. Bei Stahl und Aluminium könnte der fortschreitende Abbau von Überkapazitäten in der chinesischen Produktion die Notierungen weiter stützen, während die Preise der Ausgangsmaterialien wie Eisenerz und Bauxit unter Druck bleiben dürften. Grundsätzlich scheint die Nachfrageseite jedoch intakt: Insgesamt erwartet die Deutsche Bank für die kommenden Jahre deutliche Nachfragesteigerungen beispielsweise für Öl, Aluminium und Kupfer. Mit wenig Potenzial ist beim Goldpreis zu rechnen: Durch anziehende US-Zinsen sollten Anleger im Vergleich zu US-Staatsanleihen in Zukunft voraussichtlich höhere entgangene Zinserträge befürchten. Diese steigenden Opportunitätskosten wirken sich in der Regel negativ auf die Goldnachfrage und den Preis aus. Für Ende 2018 erwartet die Deutsche Bank einen Goldpreis von 1230 US-Dollar je Feinunze.

  • 8. Immobilien: Kein Ende in Sicht

    Angesichts des weltweiten Trends zur Urbanisierung dürften die Märkte für Wohn­immobilien in Ballungszentren interessant bleiben – auch in Deutschland. Gleichzeitig rechnet die Deutsche Bank damit, dass Büroflächen in den globalen Metropolregionen durch den zunehmenden Stellenwert des Dienstleistungssektors immer begehrter werden. Langfristig besonders vielversprechend erscheinen moderne Logistik­immobilien, mit denen sich die steigenden Kunden­erwartun­gen an Lieferzeit und Flexibilität beim Onlinehandel überhaupt erst erfüllen lassen – während klassische Einzelhandelsobjekte und Shoppingcenter 2018 weiter unter Druck geraten dürften.

    Büro- & Wohnungspreise in Deutschland, Angaben in EUR pro m2

  • 9. Trends: Märkte von morgen

    Auch wenn Nachrichten zu Kryptowährungen aktuell große Aufmerksamkeit genießen: Solange der rechtliche Rahmen in Deutschland fehlt und die Kursschwankungen so hoch liegen wie zuletzt, sind zum Beispiel Bitcoins für die Deutsche Bank kein Anlagethema. Anders verhält es sich mit breiten Investments in Zukunftsbranchen wie dem Internet der Dinge, Big Data, Cloud Computing und E-Payment, deren Potenzial für Anleger sich bereits gezeigt hat und weiter zeigen sollte. Anbieter von Cyber-Security-Lösungen dürften im Umfeld steigender Risiken durch die zunehmende digitale Datenflut sowie die globale Vernetzung ebenfalls weiter interessant sein. Auch das Thema E-Mobilität wird spannend bleiben. Doch während die Digitalisierung bereits Einzug in unser Leben und Arbeiten gefunden hat, wird sich noch zeigen müssen, welche Antriebstechnologie sich schließlich durchsetzen wird.

  • 10. Risiken & Portfolio: Die nächste Krise kommt bestimmt

    An den Kapitalmärkten ist 2018 mit stärkeren Kursbewegungen zu rechnen als im sehr schwankungsarmen Jahr 2017: Unruhepotenzial bieten unter anderem ein mögliches Überschießen der Inflation, geopolitische Faktoren wie eine mögliche Verschärfung des Konflikts mit Nordkorea sowie politische Risiken, zum Beispiel in Europa. Die grundsätzlichen Aussichten erscheinen jedoch weiterhin positiv. Neben Basisinvestments in Immobilien und Multi-Asset-Lösungen könnten daher für entsprechend risikobereite Anleger auch Investments in Aktien und An­leihen interessant sein. Vor allem bei Letzteren könnte es sich empfehlen, aufgrund der steigenden Rentenmarktrisiken eine aktive Laufzeitgestaltung und ein flexibles Management in Betracht zu ziehen. Direkte Rohstoffinvestments werden von der Deutschen Bank aktuell nicht empfohlen – und auch nicht angeboten.


Trefferquote 2017

Von zehn Voraussagen haben sich im vergangenen Jahr sieben bewahrheitet. Die Prognosen von Dr. Stephan im Rückblick:

  1. Politik: Zwischen berechtigten Sorgen und Verführung der Massen
  2. Volkswirtschaft: Hausgemachte Stagnation aus Angst vor Rezession
  3. Staatsanleihen: Auslaufender Bullenmarkt ist noch lange kein Bärenmarkt
  4. Immobilien: Nachvollziehbarer Boom statt Blasenbildung
  5. Chancen am Rentenmarkt: Richtig Rendite, aber nur mit richtig Risiko
  6. Aktien global: Der Zyklus kommt und geht, die Dividende zahlt sich aus
  7. Aktien regional: „America first“, danach der Rest der Welt
  8. Rohstoffe: Kampf ums Gleichgewicht statt schnelles Comeback
  9. Megatrends: Alternativen abseits des Kapitalmarktalltags
  10. Risiko & Portfolio: Es kann auch gut ausgehen!

Video: Kapitalmarktausblick 2018 – Dr. Ulrich Stephan


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